Polizei veröffentlicht Statistik: Wie sicher ist der Zollernalbkreis?

Die Polizei wird mit zunehmender Kriminalität konfrontiert.⇥
Marijan MuratDas Polizeipräsidium Reutlingen hat am Dienstag seine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2023 veröffentlicht. In seinem Zuständigkeitsbereich (Landkreise Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb) verzeichnete das Präsidium insgesamt 53 590 Straftaten. Das entspricht einem Anstieg von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2022: 49 564). Im 84-seitigen Bericht geht das Polizeipräsidium auch detailliert auf den Zollernalbkreis ein. Die Zahl der erfassten Straftaten stieg hier um 519 auf insgesamt 7489 (Vorjahr: 6970). Das entspricht einer Steigerung von 7,4 Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei 60,4 Prozent (Vorjahr: 61,2).
Ein sattes Plus von 34,2 Prozent gab es bei den Diebstählen. Mit insgesamt 2488 Fällen verzeichnete die Polizei 634 Diebstahlsdelikte mehr als im Vorjahr (1854). Den größten Anteil machten hierbei die Ladendiebstähle aus, insgesamt waren es 1301 und somit 70,7 Prozent mehr als im Jahr 2023 (762).
20-Jahres-Hoch in Heuberg-Metropole
Die Stadt Meßstetten stellt in der Kriminalitätsstatistik einen besonderen Ausreißer dar. Das Polizeipräsidium Reutlingen schreibt in seinem Bericht: „Die höchste Kriminalitätsbelastung lag in der Stadt Meßstetten mit 1058 Straftaten und einem Zuwachs von 70,4 Prozent (473 Fällen). Damit wurde ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Maßgeblich hierfür waren Ladendiebstähle, die um 143,1 Prozent (495 Fälle) auf 841 Fälle im Berichtsjahr zugenommen haben.“
Das Präsidium weiter: „Bereits 2022 stiegen diese Zahlen nach Eröffnung des Ankunftszentrums für Kriegsflüchtlinge sprunghaft an. Grund hierfür waren Ladendiebstähle, die in den allermeisten Fällen erst nachträglich durch aufgerissene Verpackungen festgestellt und nachträglich angezeigt wurden.“ Knapp 80 Prozent aller Straftaten in Meßstetten seien Ladendiebstähle gewesen, so das Präsidium weiter. Die sogenannte Häufigkeitszahl, die Anzahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet, lag in Meßstetten im vergangenen Jahr bei 9152. Zum Vergleich: Auf dem zweiten Rang folgte Balingen mit 5214.
Albstadt als Positiv-Beispiel
Doch auch andere Kommunen im Kreis kämpfen mit zunehmender Kriminalität. „Mit 53 Fällen mehr und 265 Straftaten erreichte die Stadt Haigerloch ein Zehn-Jahres-Hoch“, heißt es im Bericht. Auch hier spielten Diebstähle eine wesentliche Rolle. 85 Fälle wurden verzeichnet, das sind 29 mehr als im Vorjahr. „Auch in der Stadt Balingen war vorrangig der Diebstahl für den Anstieg um 140 auf 1822 Fälle und damit auf ein Zehn-Jahres-Hoch verantwortlich“, resümiert das Präsidium zur Statistik der Eyach-Stadt. Die Fallzahl stieg um 101 auf 490 Delikte.
Doch es gab nicht nur Negatives zu berichten: „Die stärksten Rückgänge der Fallzahlen wurden in der Stadt Albstadt verzeichnet. Deutlich rückläufig waren die Sachbeschädigungsdelikte, die um 73 (ein Minus von 26 Prozent) auf 208 Fälle abnahmen und die schweren Diebstähle mit Rückgängen von 98 auf 59 Fälle (39,8 Prozent weniger).“ Gestiegen seien hingegen die Körperverletzungsdelikte um 31,1 Prozent auf 316 Fälle. Die geringste Kriminalitätsbelastung gab es in Dautmergen. In der 450-Seelen-Gemeinde wurden drei Straftaten verzeichnet, der niedrigste Wert seit zehn Jahren.
Die möglichen Gründe
In seiner Kreis-Statistik zählt das Polizeipräsidium für das Jahr 2023 insgesamt 3466 Tatverdächtige. Klammert man ausländerrechtliche Verstöße aus, die fast nur von Nichtdeutschen begangen werden können, kommt die Polizei auf 3442 Tatverdächtige. Bei 1151, also 33,4 Prozent, handelt es sich mit Nichtdeutsche. 222 Tatverdächtige waren Flüchtlinge, sie machen 6,4 Prozent aller Tatverdächtigen aus.
Die steigenden Fallzahlen könnten mit dem Wegfall der Corona-Einschränkungen im vergangenen Jahr und „der damit verbundenen Rückkehr vielfältiger Tatgelegenheiten in Verbindung stehen“, so das Reutlinger Präsidium. Auch die finanzielle Belastung, etwa aufgrund der Inflation, stellten möglich Risikofaktoren dar, die zu den steigenden Zahlen beitragen könnten. „Auch die anhaltend starke Zuwanderung dürfte Einfluss auf die Entwicklungen in der Kriminalstatistik nehmen“, heißt es im Bericht.
Trotz steigender Fallzahlen bleibt die Kriminalitätsbelastung im Zollernalbkreis noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Udo Vogel, Leiter des Polizeipräsidiums, versichert, dass Bürger in der Region weiterhin „gut und sicher leben können“.
80
Prozent aller Straftaten, die im vergangenen Jahr in der Stadt Meßstetten begangen worden sind, waren laut Polizeipräsidium Reutlingen Ladendiebstähle.
