Unfälle im Zollernalbkreis: Mehr Verkehrstote, aber weniger Schwerverletzte

Auf den Straßen des Zollernalbkreises starben laut Polizeistatistik im vergangenen Jahr neun Menschen, davon drei Frauen und sechs Männer. ⇥
Marcel KuschDie Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen ist im Jahr 2023 wie in ganz Baden-Württemberg um fünf Prozent auf 33 324 gestiegen. Im Fünfjahresvergleich liegt die Zahl noch immer um 6,9 Prozent unter dem höchsten Wert 2019. Der Anstieg gehe überwiegend auf die Zunahme der Sachschadensunfälle um 5,4 Prozent auf 30 019 zurück. Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,4 Prozent auf 3305.
Die rückläufige Tendenz bei den Verkehrstoten „hat sich leider nicht fortgesetzt“, berichtet die Polizei. Bei 30 Unfällen mit tödlichen Folgen verloren im vergangenen Jahr 32 Menschen ihr Leben – sechs mehr als 2022. Auf den Straßen des Zollernalbkreises starben neun Menschen: fünf mehr als im Vorjahr. Zwei Frauen und vier Männer waren mit dem Auto unterwegs gewesen, ein Mann mit einem Krankenfahrstuhl und zwei (Mann und Frau) zu Fuß. Bei einem tödlichen Unfall war ein Lastwagen involviert.
Minus 24 Prozent schwerverletzt
Bei den Schwerverletzten ist ein Rückgang um 74 (minus 10,8 Prozent) auf den zweitniedrigsten Wert seit zehn Jahren zu verzeichnen. Im Zollernalbkreis mit minus 24 Prozent fällt der Rückgang beträchtlich aus. Die Zahl der Leichtverletzten stieg um 4,2 Prozent auf 3487, im Zollernalbkreis waren es plus 2,2 Prozent (567). Die Auswertung der über die reinen Kleinstunfälle hinausgehenden Unfälle ergab als Hauptursachen im Bereich des gesamten Polizeipräsidiums vor allem Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, gefolgt von Vorfahrtsverstößen, überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit und Abstandsverstößen.
Allein rund 16 Prozent der Unfälle mit schwerwiegenden Folgen (Tote oder Schwerverletzte) werden auf zu hohes Tempo zurückgeführt. Bei jedem fünften der Unfälle mit tödlichen Folgen war Geschwindigkeit ursächlich oder mitursächlich.
Die Zahl der unter Drogeneinfluss verursachten Unfälle sank von 2022 um 14,1 Prozent auf 67, im Zollernalbkreis waren es 2023 elf, davon drei schwer und fünf leicht verletzt. Im vergangenen Jahr wurden bei der Verkehrsüberwachung Zollernalbkreis und den Kreisen Tübingen, Esslingen und Reutlingen rund 1900 Fahrzeugführer zur Anzeige gebracht, weil sie alkoholisiert unterwegs waren, und 756, weil sie Drogen genommen hatten. Die Zweiradunfälle – motorisierte Zweiräder von Mofa bis Motorrad – bewegen sich mit 108 im Zollernalbkreis in etwa auf Vorjahresniveau (109). Die Zahl der schwer verletzten Zweiradnutzer ging um 39 auf 19 zurück. 69 Personen, zwei mehr als im Jahr 2022, wurden leicht verletzt.
Mehr Unfälle mit Motorrädern
Die Unfälle mit Motorrädern (ab 125 ccm) stieg um 6,8 Prozent auf 79 (2022: 74) im Raum Balingen. Die Zahl der schwer verletzten Motorradfahrer sank etwas, die der leichtverletzten stieg. Die Ursache ist hier zu 45 Prozent überhöhte Geschwindigkeit und Überholen. Allein bei Kontrollaktionen auf den beliebten Bikerstrecken wurden in der Motorradsaison rund 547 Biker kontrolliert. Dabei traten 392 Verstöße zutage, 145 davon wegen überhöhter Geschwindigkeit. 92 Mal wurden technische Mängel festgestellt. Um 5,2 Prozent stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern insgesamt, im Zollernalbkreis sogar um 11,5 auf 116. Im Fünfjahresvergleich bewegt sich die Zahl im Bereich des Polizeipräsidiums annähernd auf dem im Jahr 2020 verzeichneten Höchststand. Bei 493 der 900 von Radfahrern verursachten Unfällen verunglückten diese ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Fünf Radfahrer, darunter zwei Pedelecfahrer, starben (2022: fünf, davon drei Pedelecfahrer), keiner davon im Zollernalbkreis.
Immer mehr Pedelecs
19 Radfahrer – fünf mehr als im Vorjahr – wurden hier schwer verletzt. Darunter befanden sich acht Pedelecfahrer, fünf mehr als im Jahr 2022. Die Zahl der Leichtverletzten stieg um gut zehn Prozent auf 87 – davon 48 Pedelecfahrer. 16 mehr als im Vorjahr. Die wachsende Beliebtheit der Pedelecs schlägt erneut zu Buche. Auch im Jahr 2023 stiegen die Unfälle mit Pedelecs deutlich um 16,4 Prozent insgesamt im Präsidiumsbereich.
Im Zollernalbkreis wurden mangels Verleihern lediglich sieben leichtverletzte E-Scooter-Nutzer verzeichnet. Die Fußgängerunfälle stiegen hier im Jahr 2023 um fünf (10,6 Prozent) auf 52. Zwei Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, starben (2022 einer), sechs wurden schwer und 42 leicht verletzt. 2022 waren es zwölf Schwerverletzte und 28 Leichtverletzte gewesen. 103 Unfälle wurden im gesamten Präsidiumsbereich von Fußgängerinnen oder Fußgängern verursacht, darunter auch zwei der vier tödlichen Unfälle.
Um 15 auf 211 ist die Zahl der Verkehrsunfälle angestiegen, in die Kinder bis 13 Jahre verwickelt waren, davon 21 im Zollernalbkreis. Wie im Jahr 2022 war kein Todesfall zu beklagen. Die Zahl der schwer verletzten Kinder stieg um vier auf 30, davon drei im Kreis. 245 Kinder wurden leicht verletzt (2022: 225), 32 im Kreis (2022: 26). Die Schulwegunfälle – mit Schülern zwischen 6 und 17 Jahren, die selbst am Straßenverkehr teilnahmen – stiegen um sechs auf 44, im Zollernalbkreis drei. Auf dem Schulweg waren wie in den acht Jahren zuvor keine Todesopfer zu beklagen.
Alkohol am Steuer und Handy in der Hand
Laut Polizeipräsidium Reutlingen führte mangelnde Verkehrstüchtigkeit durch Alkohol, Drogen, Medikamente oder medizinische Ursachen und Übermüdung in 593 Fällen zum Unfall. Am häufigsten, nämlich in fast dreiviertel dieser Fälle, war es Alkoholeinfluss, der die Fahrtüchtigkeit so beeinträchtigte, dass es zu einem Unfall kam. 333 Mal wurden Fehler beim Überholen als Ursache registriert.
Nach dem Anstieg der alkoholbedingten Unfälle um 13,3 Prozent im Jahr 2022 sind diese 2023 leicht um 5,6 Prozent auf insgesamt 441 gesunken. Mehr als jeder dritte (36,3 Prozent) der alkoholbedingten Unfälle ging mit Personenschäden einher. Tödlich verletzt wurde niemand. Die Zahl der Schwerverletzten ging von 69 auf 56 zurück, die Zahl der Leichtverletzten sank von 151 auf 135.
Bei Geschwindigkeitskontrollen registrierte die Polizei 2023 rund 60 000 Verstöße. Kontrollen ergaben über 9400 Fahrerinnen und Fahrer ohne Gurt und rund 11 500 Handyverstöße.



