Kunsttherapie in Balingen: Wie das Malen bei der Aufarbeitung von Traumata helfen kann
Die erste Reaktion ist meistens, dass die Leute denken: ‚Ich kann nicht malen‘“, stellt Kunsttherapeutin Jasmin Seemann fest, „Es geht aber um das Fühlen, das Nonverbale.“ So lassen sich beispielsweise beim lösungsorientierten Malen Traumata aufarbeiten. „Ich habe gelernt, wie viel durch die Kindheit tief in einem schlummert und dass es beim kreativen Arbeiten erst bewusst wird“, berichtet sie.
„Kunst ist Leidenschaft“
Die 27-Jährige ist auf dem Kleinen Heuberg in Weilen unter den Rinnen und Schömberg aufgewachsen, lebt aber seit fünf Jahren in Ostdorf. Schon früh entdeckte sie, wie gerne sie kreativ wird, und fertigte in ihrer Jugend beispielsweise Bleistiftzeichnungen an. Auch beruflich entschied sie sich zunächst für einen „soliden“ Weg. Daher machte sie die Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitet bis heute in der Abteilung „Einkauf“ einer großen Firma in Balingen. „Heute würde ich mich nicht wieder dafür entscheiden“, verrät sie, „es war aber nicht falsch.“ So habe sie sich wirtschaftliches Fachwissen angeeignet und musste lernen, auch mal ins kalte Wasser zu springen.
Ihre Erfüllung findet sie aber ganz anderswo. „Kunst ist Leidenschaft“, sagt sie und machte daher eine eineinhalbjährige Ausbildung zur Kunsttherapeutin. „Es ist ein gutes Gefühl, mich ausdrücken zu können und Zeit mit mir selber zu verbringen.“
Vom Denken hinein ins Fühlen
Dabei hat sie gelernt, dass das Gehirn in Bildern arbeitet. In sogenannten Flash-Back-Momenten, in denen wir uns an Geschehenes zurückerinnern, fehlen uns häufig Sequenzen. Vor allem in negativ konnotierten Momenten kann die Situation durch das Aufarbeiten ergänzt werden und eine neue Färbung erhalten. Was sie ihren Klienten anbietet, hat sie auch selbst durchlaufen und berichtet: „Häufig fließen die Tränen in Momenten, in denen man es nicht erwartet.“ Erklären lasse sich das nicht, „man muss es erleben“, und eben das trifft den Kern der Kunsttherapie: Es ist die Bewegung vom Denken hinein ins Fühlen. In dieser Bewegung können sich unbewusste Aspekte offenbaren und Erkenntnisse entwickeln, die der Verstand alleine nicht hervorbringen kann.
So ist eine Technik, ein Selbstportrait auf dem Kopf darzustellen und zudem mit der nicht-dominanten Hand zu zeichnen. „Es ist verrückt, welche Themen unterbewusst schlummern und was durch das Bild hochkommen darf.“
Seemann hat in der Vielfalt der Kunst ihre Erfüllung gefunden, und diese teilt sie mit allen, die offen dafür sind.
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Autodidakt Erdal „Eddi“ Güler aus Obernheim hat nach etlichen Rückschlägen als Werbefilmer inzwischen seine Nische gefunden. Er wird nach Balingen umziehen und hat noch viel vor. Hier lesen Sie mehr dazu:
Die Ausbildung zur Kunsttherapeutin absolvierte Jasmin Seemann am Bodensee. Interessierte betreut sie in Workshops, die vor allem im Raum Balingen stattfinden. Dabei wird unter anderem mit Techniken gearbeitet, die für Makramee-Arbeiten sowie Acryl- und Sprayfarbe geeignet sind.
Ihre Makramee-Produkte sowie Acryl- und Spray-Bilder bietet sie zum Verkauf an. Erhältlich sind diese beispielsweise im Balinger „Cafélino“ oder beim Ostdorfer Kunstmarkt. Zum Angebot gehören Deko-Objekte, aber auch Schmuck und Nützliches.
Weitere Informationen finden sich auf der Homepage unter www.moya-art.de oder auf dem Instagram-Account „moya_art“.





