Kirche und Popkultur: Volles Haus in Balingen – So war der Taylor-Swift-Gottesdienst

Pastoralreferentin Ulrike Erath (Foto) führte zusammen mit Ruth Buchschuster eine Dialogpredigt über Taylor Swifts Songtexte.
Lea Irion- Taylor-Swift-Gottesdienst in Balingen: Erfolg mit 200-250 Teilnehmern.
- Pastoralreferentin Ulrike Erath und Ruth Buchschuster predigten über Taylor Swifts Songtexte.
- Kirchenmusikerin Theresa Hinz performte in Swift-Outfit, Thema: Liebe zu sich selbst, anderen und Gott.
- Teilnehmer tauschten Freundschaftsarmbänder, inspiriert von Swift-Konzerten.
- Positive Resonanz, weitere Gottesdienste geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn das Glück zwei Augen und einen Mund hätte, dann hätte man ihm am Samstagabend im katholischen Gemeindehaus in Balingen vielfach ins Gesicht schauen können. Dutzende Menschen kamen dort zusammen, tranken Cocktails, lachten, sprachen über das, was sie gerade erlebt hatten. Von weniger als einem „Erlebnis“ zu sprechen, würde dem Abend nicht gerecht werden. Denn in der Stunde zuvor hatte die Heilig-Geist-Kirchengemeinde zu einem Gottesdienst geladen – mit Musik von Taylor Swift. Ein erster seiner Art im Zollernalbkreis – und zugleich ein Wagnis für eine Kirche, die seit Jahren um Bedeutung und Glaubwürdigkeit ringt. Kann das funktionieren?
18 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn. Eine Handvoll Menschen saß bereits auf den Bänken der Heilig-Geist-Kirche. Links des Altars warf ein Beamer ein Porträt von Taylor Swift an die Wand. Es ist das Plakat, mit dem die Kirchengemeinde in den vergangenen Wochen Werbung für ihren Gottesdienst gemacht hatte – auch an Schulen, auch auf Instagram. Wie erfolgreich das sein würde, darum haben sich die Veranstalterinnen wenige Sorgen gemacht. Ob da nun zehn oder hundert Menschen sitzen würden? Im Kern war es egal. Doch hinterher wird Ulrike Erath sagen: „So viele Leute sind teilweise nicht mal mehr an Weihnachten da.“
Swiftie oder nicht? Völlig egal!
Fünf Minuten vor Start des Gottesdienstes flüsterte eine Mutter zu ihrer Tochter: „Ich hätte gedacht, dass hier nur Mädels sitzen würden!“ In Wahrheit waren die Bänke bis zur Empore oben gefüllt mit Menschen allen Alters, von Familien über Einzelpersonen bis hin zu jugendlichen Freundesgruppen, in Summe mindestens 200 Menschen, vielleicht auch 250. Zwischen beigefarbenen Sneakern und blauen Collegejacken: apfelgrüne Blazer, hellbraune Mäntel, schwarze Lederschuhe. Ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft hatte sich zusammengefunden – ganz gleich, ob Swiftie oder nicht.

Kirchenmusikerin Theresa Hinz verkörperte an diesem Abend Taylor Swift.
Lea IrionDoch ganz im Stil des Popstars selbst trat um 18.30 Uhr schließlich Kirchenmusikerin Theresa Hinz zusammen mit ihrer Band vor die Leute. Gekleidet in schwarzem Glitzerblazer und silbernen Cowboystiefeln – ein Outfit, das bei Taylor-Swift-Konzerten quasi zum Dresscode gehört – stimmte Hinz zu „Love Story“ an, einer der bekanntesten Songs der Sängerin und zugleich das Thema des Abends: die Liebe zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu Gott.
Liebe ist nicht immer nur Romantik
Es ist eine Prämisse, die die Menschheit im Grunde verbindet, doch nicht immer sichtbar und schon gar nicht immer bedingungslos spürbar ist. „Liebe ist das, was uns Christinnen und Christen vereint“, sagte Ruth Buchschuster zu Beginn des Gottesdienstes. Sie leitete zusammen mit Ulrike Erath durch den Abend und diskutierte mit ihr die Songs von Taylor Swift, deren Bedeutung und auch die Verbindung zum Christentum.

Gefilmt und fotografiert wurde natürlich auch rege.
Lea IrionIm Song „Daylight“ („Tageslicht“) etwa singt Swift darüber, dass sie Liebe immer als etwas Rotes, Feuriges wahrgenommen und dann realisiert habe, dass Liebe in Wahrheit golden ist – wie das Tageslicht. Daraus zog Erath die Verbindung zur Bibel, wo es im ersten Johannesbrief heißt: „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“ Die Liebe sei auch nicht immer nur der Romantik zuzuschreiben, diskutierten Erath und Buchschuster: Liebe sei auch Wärme, sei Frieden, sei das, was Menschen durchdringe und antreibe.
Und dann tauschte man Armbändchen
Zum Vaterunser schlug Erath den Besucherinnen und Besuchern vor, einander an die Hand zu nehmen und gemeinsam zu beten. Eine Bitte, der alle gerne nachkamen – und teilweise sogar die Hände der Nachbarbank suchten. Das Thema des Abends, die Liebe, das schien angekommen zu sein. Besonders schön: der Friedensgruß. Denn in Vorbereitung auf den Gottesdienst fädelten und knüpften und bastelten die Mitglieder der Kirchengemeinde bunte Armbändchen. Auf Taylor Swifts Konzerten hat es sich zum festen Ritual etabliert, eigene Freundschaftsarmbänder mitzubringen und mit anderen zu tauschen.

Bunte Freundschaftsarmbänder wurden verteilt, verschenkt, getauscht.
Lea IrionSo auch in der Heilig-Geist-Kirche: Erath und Buchschuster ließen kleine Flechtkörbe umhergehen und die Menschen einander ein Armbändchen mitsamt eines liebevollen „Friede sei mit dir“ schenken. Kaum jemand war in diesen Minuten ohne ein Lächeln auf den Lippen zu sehen. Erath musste den Friedensgruß zwar damit einleiten, wahrscheinlich nicht genügend Armbänder parat zu haben, denn mit so großer Resonanz hatte die Kirchengemeinde ja doch nicht gerechnet. Doch wer schon mit einem Armbändchen kam, verzichtete vielleicht auf eines – oder schenkte und tauschte ein mitgebrachtes weiter.
Nach dem Gottesdienst hatten die Besucherinnen und Besucher zwei Optionen: zu weiteren Songs bleiben, mitsingen, mittanzen – oder ins Gemeindehaus zu gehen und zu Snacks und Getränken miteinander ins Gespräch zu kommen. Beidem wurde nachgekommen, und zwar in großer Zahl. Kaum jemand ergriff die Flucht aufs heimische Sofa. Und egal, wen man fragte – das war der beste Gottesdienst seit langem, war der Tenor. Dekanatsreferent Achim Wicker zeigte sich begeistert, Kirchenmusikerin Hinz kam aus dem Strahlen nicht mehr raus, und Pastoralreferentin Ulrike Erath ist sich sicher, dass es diese Gottesdienste jetzt öfter geben wird. „Es kam sogar jemand aus Ravensburg!“
Was lässt sich also aus diesem Abend mitnehmen? Vielleicht, dass Popkultur und Religion einander näher sein können, als man denkt. Und dass Veränderung manchmal dort beginnt, wo Menschen im Kleinen neue Ideen zulassen. In Balingen ist das gelungen – nicht radikal, aber spürbar. Als Einladung, Kirche anders zu denken.


Taylor-Swift-Gottesdienst:Ich bin Atheistin – aber dieser Gottesdienst hat mich bewegt
Glaube? Eigentlich kein Thema für Autorin Lea Irion. Doch der Taylor-Swift-Gottesdienst in Balingen hat etwas in ihr verändert, schreibt sie in ihrem Kommentar.