Holcim in Dotternhausen
: Wann die Erörterung zur Genehmigung stattfindet – Warum die Gemeinde einen Anwalt einschaltet

Einen Termin für Diskussionen mit den Einwendern gegen die wasserrechtliche Erlaubnis für Holcim gibt es noch nicht. Wie der Stand ist und welche Verzögerung für Dotternhausen droht.
Von
Karin Mitschang
Dotternhausen
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  • Der Stausee auf dem Holcim-Areal am Plettenberg. Um die wasserschutzrechtliche Genehmigung gibt es Streit.⇥

    Der Stausee auf dem Holcim-Areal am Plettenberg. Um die wasserschutzrechtliche Genehmigung gibt es Streit.⇥

    NUZ Verein
  • Auch die Seilbahn für den Steinbruch von Holcim bei Dotternhausen ist ein Zankapfel in der Region.⇥

    Auch die Seilbahn für den Steinbruch von Holcim bei Dotternhausen ist ein Zankapfel in der Region.⇥

    Jennifer Dillmann
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Alle Bedenken sind eingereicht in Bezug auf neue Genehmigungen für die Firma Holcim am Plettenberg. Ende Oktober lief die Einspruchsfrist im Verfahren zur neuen wasserrechtlichen Erlaubnis für die Jahre 2024 bis 2029 ab. Nicht nur die Gemeinde Dotternhausen hat einen Geologen und einen Rechtsanwalt beauftragt, für sie als Träger öffentlicher Belange eine Stellungnahme abzugeben. Auch der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (NUZ) wurde – selbstredend – wieder aktiv.

Ein Erörterungstermin sei bisher noch nicht festgelegt, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen. Eine vorläufige Bewertung der Einwände gebe es noch nicht, schreibt Sprecherin Marisa Hahn. Der Termin solle binnen drei Monaten nach Ablauf der Einwendungsfrist (31. Oktober) angesetzt werden. Betroffen sind die Gemeinden Ratshausen, Hausen am Tann, Dotternhausen und Dormettingen.

Sorge um die Quellen

Wie diese Zeitung auf Anfrage von der Dotternhausener Bürgermeisterin Marion Maier erfahren hat, könnte das „wasserrechtliche Verfahren der Firma Holcim Einfluss auf die geplante Ertüchtigung der Quellen der Gemeinde Dotternhausen haben“. Sprich: Das Verfahren könnte dies verzögern. Hintergrund: Der Hochbehälter der Gemeinde Dotternhausen ist seit Oktober 2022 defekt. „Derzeit wird der Sanierungsumfang festgestellt“, schreibt Maier. Zur Sanierung des Hochbehälters würde auch die Ertüchtigung der Quellen und -leitungen gehören. Dieses Gesamtpaket kommt auf etwa zwei Millionen Euro.

Die Umweltvereinigung NUZ hat einiges gegen die Genehmigung „zur Anlegung, Unterhaltung und Nutzung von Oberflächen- und Grundwasserbecken beziehungsweise Seen und Ableitung aus diesen Seen in den Waldhausbach“. Große Sorgen machen Siegfried Rall und Norbert Majer vom NUZ-Verein die Auswirkungen einer ausgeweiteten Genehmigung auf die Trinkwasserquellen in den Gemeinden rund um den Plettenberg. Unter anderem, so argumentieren sie, müsste der Grundwasserstand genau geprüft werden, außerdem Größe und Ablauf aus Steinbruch-Stausee und Regenüberlaufbecken. Der Verein fordert dazu neutrale Gutachter.

Gemeinde nimmt am Verfahren teil

Auch verweisen die Aktivisten auf die Bedenken der Gemeinde Dotternhausen. Wie die Bürgermeisterin, die sich und die Gemeinde klar vom NUZ-Verein als solchem abgrenzt, mitteilt, ist die Gemeinde selbst Verfahrensbeteiligte „und sollte ihre Interessen unabhängig vom Landratsamt Zollernalbkreis als Verfahrensführer ins Verfahren einbringen“. Deshalb hatte sie Rechtsanwalt Dr. Thomas Burmeister und Prof. Johannes Giere, Baugrund-Hydrogeologe, als externe Berater beauftragt.

Ziele und Interessen der Gemeinde seien zum einen der Schutz der gemeindeeigenen Quellen und die „geordnete Bewirtschaftung des anfallenden Regenwassers“. Aber auch die Gewährleistung der Standsicherheit der entstehenden neuen und alten Böschungen sowie die „Rückgabe der Böschungsflächen mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen vor Steinschlag und Felssturzgefahr nach Ende der Steinbruchstilllegung“.

Neue Fließversuche

Im „Einwendungsschriftsatz“ der Gemeinde Dotternhausen hat diese Maier zufolge auch gefordert, dass zur genauen Ermittlung des Einzugsgebiets ihrer Quellen weitere Fließversuche durchgeführt werden, schreibt die Bürgermeisterin auf Anfrage. Etwa mit einer Einfärbung könnte so festgestellt werden, von wo nach wo das Niederschlagswasser fließt und welches am Ende im Grundwasser landet.

Der NUZ-Verein hat zudem Bedenken wegen erheblicher Hochwassergefahr angemeldet. Da „die jetzigen Dämme schon heute teils durch die mehrfach jährlich auftretenden, starken Gewitterregenmassen nicht standhalten können“, überflutet würden und damit gewaltige Mengen Wasser anfallen würden. Bei einer Erweiterung der wasserrechtlichen Genehmigung und der Süderweiterung des Steinbruchs steige die Gefahr für Überflutungen bis nach Dautmergen.

Wassermassen stellen Gefahr dar

Auch der beauftragte Geologe Giere wies im Gemeinderat Dotternhausen darauf hin, dass sich in einem geplanten Wall im Holcim-Steinbruch am Rückhaltebecken bei Starkregen mehr Wasser sammeln könne. Die aufgefangenen Wassermassen müsse man auch „beherrschen“. Denn steht das Wasser lange im Becken, drohen dessen Hänge irgendwann zu rutschen.

Der NUZ-Verein verlangt zumindest klare Auflagen seitens der Behörden für eine Genehmigung: „Es müssen die heute vorhandenen Alternativmöglichkeiten und Lösungen genau abgewogen werden.“ Diese seien konkret vorhanden mit dem Holcim-eigenen Steinbruch in Straßberg. Die Deilinger Rohstoffsicherungsflächen stünden ebenfalls im Hintergrund, die vom kleineren Vorgängerzementwerk schon eingehend untersucht wurden, aber wohl wegen fehlenden Kapitals einst auf Eis gelegt worden seien. „Holcim hätte aber die Kapitalmittel einer solchen Erschließung“ inzwischen, schließt der NUZ-Verein in seinem Einwand.

Kritik an Seilbahn

Zur Betriebserlaubnis der neuen Förder-Seilbahn am Steinbruch der Firma Holcim in Dotternhausen hat der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (NUZ) die Genehmigungs- und Messunterlagen beim Regierungspräsidium (RP) Freiburg angefordert. Wie Norbert Majer vom NUZ berichtet, laufen die Widerspruchsfristen zur Erlaubnis der seit 2020 laufenden, neuen Seilbahn seit Ende Oktober und bis Ende November. „Klagen können letztlich nur Betroffene selbst und Gemeinden.“

Lärmschutzmaßnahmen seien – entgegen der Meinung etlicher Bewohner von Dotternhausen – erfolgreich gewesen, hatte das RP festgestellt. Daher darf die Seilbahn an Werktagen wieder bis 22 Uhr fahren. Allerdings mit gedrosselter Geschwindigkeit von 4,8 Metern pro Sekunde. Schon seit Installation der Bahn zwischen dem Abbaugebiet auf dem Plettenberg und dem Dotternhausener Zementwerk gibt es Beschwerden über den Lärm, der von der Konstruktion ausgeht.

Brummen und Klopfen

Der NUZ-Verein sieht im Lärm, der von der Seilbahn offenbar durch Brummen und Klopfen ausgeht, nicht nur eine gesundheitliche Beeinträchtigung für Anwohner. Die Geräuschkulisse an vielen Stunden des Tages senke auch den Wert der dortigen Immobilien. Die Bahn sei eine Fehlkonstruktion: von Personenseilbahn zu Materialseilbahn. Vor 2020 waren Stahlgittertragmasten verbaut, die weniger Schwingungen als Hohlmasten erzeugten. Dies sei schlicht unterschätzt worden, schreibt die Umweltvereinigung.