Herr-der-Ringe-Konzert in Balingen: Elbengesang und Ork-Kämpfe
Das war wirklich ein Konzert für eingefleischte Fans. Und die kamen am Donnerstagabend teilweise von weit her. Aus Gießen oder Stuttgart etwa, viele aus den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen, manche aus Böblingen. Sie alle strömten in die Balinger Stadthalle. Oder vielmehr nach Mittelerde. Denn hier spielte die Musik.
So viele Pfarrstellen fallen weg
Vom Auenland bis nach Mordor. Die musikalische Reise mit den Melodien aus den beiden Trilogien „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ ging kreuz und quer durch Mittelerde, brachte ausdrucksvoll den Kampf zwischen Gut und Böse zu Gehör und alles, was sich sonst noch dazwischen abspielt. Die Cinema Festival Symphonics traten mit Großem Orchester, Chor und Solisten auf und verdeutlichten schon beim Auftakt, wie mystisch und episch die Geschichte des Hobbits Frodo Beutlin ist, der tapfer den Kampf gegen den übermächtigen Sauron aufnimmt, um die Völker von Mittelerde vor der Dunkelheit zu bewahren.
Leinwandprojektion
Wenn man überhaupt etwas an der Präsentation dieser fantastischen Musik hätte aussetzen wollen, dann war es die Projektion von Orchester und Chor auf der überdimensionalen Leinwand auf der Bühnenrückwand, was bewirkte, dass man die Akteure nicht nur doppelt, sondern gleich drei- oder vierfach sah. Quasi ein Bild-im-Bild-Effekt. Nur manchmal konnte man die herrliche Landschaft der sorgsam ausgewählten Drehorte in Neuseeland auf der Leinwand genießen – die mächtigen Bergkuppen, die manchmal die Wolken durchbrechen, oder die ursprünglichen Wälder, in denen man tatsächlich Elben vermuten könnte.
Wechselvolle Geschichte
Wer die mit 17 Oscars ausgezeichnete Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ nach der Buchvorlage von J. R. R. Tolkien oder die Trilogie „Der Hobbit“, die zwar danach entstand, aber in der Zeit davor spielt, nicht kennt, für den war es einfach nur eine etwas andere Musik, die hervorragend gespielt wurde. Doch wahre Kenner der von Peter Jackson geschaffenen Meisterwerke verbinden mit dem Gehörten bestimmte Szenen. Und hier spricht man von zwei Mal zwölf Stunden wechselnder Protagonisten, Geschehnisse und Locations.
Die neun Gefährten
Und dennoch sah man bestimmte Ereignisse deutlich vor sich – oder zumindest vor seinem geistigen Auge. Wenn sich die Gefährten auf den Weg machen, die Gemeinschaft des Rings: vier Hobbits, ein Zauberer, zwei Menschen, ein Elb und ein Zwerg. Es herrscht Aufbruchstimmung und Hoffnung. Dann wieder wird die Musik bedrohlicher, Paukenschläge hämmern immer wieder. Der weiße Zauberer Saruman treibt die Kriegsmaschinerie an. In Isengart werden Uruks und Orks herangezüchtet.
Flöten und Streicher
Dann wieder leiten Flöten und Streicher die typische Melodie der Hobbits ein. Ob Bilbo Beutlin gemütlich im Auenland auf einer Bank vor seinem Erdhaus sitzt und Pfeife raucht oder ob sein Neffe Frodo Beutlin sich gemeinsam mit Freund Samweis Gamdschie auf den Weg macht. Es hat so etwas von Frieden und heiler Welt. Doch sie ist bedroht. Und wieder hört man die Trompeten und Posaunen. Das Schlagwerk kommt zum Dauereinsatz. Die Orks machen sich auf den Weg. Sie wollen die freien Völker in Mittelerde unterwerfen, sie dem bösen Sauron ausliefern, sie töten.
Akustische Kampfhandlungen
Man findet sich akustisch zwischen den Kampfhandlungen wieder. Ob in Gondor oder Rohan. Und dann nimmt das Gänsehautgefühl zu. Es ist der liebliche Gesang der Elben, der den Zuhörer in den Bann zieht. Worte, die keiner versteht, wenn man nicht Elbisch kann. So mystisch, so zauberhaft. Es ist der Gesang von Galadriel, der Königin der Waldelben, in dessen Reich die neun Gefährten gelandet sind. Doch nein. Einer fehlt. Der graue Zauberer Gandalf.
Gandalf und der Balrog
Und da ist sie, unverkennbar, die Melodie, welchen Gandalfs Kampf mit dem Balrog, dem Dämon des Schreckens, beschreibt. Von den Tiefen Morias bis auf den Gipfel. Es ist ein erbitterter Kampf. Wieder ein Kampf Gut gegen Böse. Das Hauptmotiv, das doch so viele Schattierungen hat. Und dann tritt die nächste Sängerin auf. Der Elbengesang der Arwen erklingt. Mit all ihrer Liebe zu Aragorn, dem eigentlichen König der Menschen.
Komponist Howard Shore
Die Musiker spielen unermüdlich die fantastische Filmmusik, die von Howard Shore für die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ komponiert wurde. Für den ersten und den dritten Teil sahnte Shore dafür jeweils einen Oscar ab. Souverän meistern die Orchestermitglieder die manchmal melancholischen und dann wieder archaischen Passagen, verleihen den musikalisch zugeordneten Themen der Orte und Personen Ausdruck. Immer wieder ertönt der liebliche Chorgesang, mal nur die tiefen Männerstimmen, mal nur die hohen Frauenstimmen und dann wieder beides. Sie entführen tatsächlich in eine andere Welt, in eine Fantasy-Welt, nach Mittelerde. Gefühlt befindet man sich mitten im Geschehen. Fiebert mit den Protagonisten mit, die aber gar nicht zu sehen sind, sondern allein durch die Musik in den Köpfen der Zuhörer zum Leben erweckt werden.
Solisten glänzen
Ganz besondere Höhepunkte sind es, wenn Justina Ilnicka in ihrem weißen Kleid, Adriana Grochowska in schwarzer Robe oder Gregor Rozkwitalski die Bühne betreten und ihren Sologesang erklingen lassen, während Dirigent Woiciech Rodek quasi die Geschichte von Freundschaft, Abenteuer, Mut, Besessenheit und Kampf lenkt. Bis es ein letztes Aufbäumen gibt. Frodo ist endlich am Ziel, am Schicksalsberg. Wenn er jetzt den „einen Ring“ in die heiße Lava des Vulkans wirft, hat Sauron keine Macht mehr. Und während seine Gefährten und mit ihnen die verbliebenen Kämpfer Rohans und Gondors sich den übermächtigen Orks und Uruk-hais in einer letzten, schier hoffnungslosen, Schlacht stellen, kann Frodo diese letzte Tat nicht vollbringen. Der Ring hat bereits von ihm Besitz ergriffen. Das Orchester gibt alles. Es ist diese Melodie, die das Schicksal der freien Völker Mittelerdes entscheidet. Und da kommt das Wesen Gollum ins Spiel. Er will den Ring für sich haben, beißt ihn Frodo vom Finger – und stürzt bei seinem Freudentanz mitsamt seines „Schatzes“ in die glühende Lava. Sauron ist besiegt. Das Böse ist besiegt.
Das Publikum im gut besetzten großen Saal spendet frenetischen Applaus und die Akteure freuen sich sichtlich darüber. Spontan stimmen sie noch eine Melodie an. Sie ist ganz anders als alles zuvor und doch passt sie zum Konzert. „I see fire“ – im Original von Ed Sheeran für den zweiten Teil von „Der Hobbit“ mit dem Untertitel „Smaugs Einöde“ gesungen – reißt nochmals Musiker und Sänger mit. Bei den Zuhörern gibt es kein Halten mehr.
Interessante Informationen
„Der Herr der Ringe“ wurde 30-mal für den Oscar nominiert und konnte davon 17 Oscars gewinnen. Unter anderem für die Musik.
Angekündigt ist ein weiterer Film von „The Lord of the Rings“ mit dem Untertitel „The War of the Rohirrim“. Dieser soll im Dritten Zeitalter von Mittelerde spielen und die Geschichte von Helm Hammerhand in den Mittelpunkt stellen, dem neunten König von Rohan, dessen Name später der gleichnamigen Fluchtburg gegeben wird.
Komponist Howard Shore reiste selbst zu den Dreharbeiten von „Der Herr der Ringe“ nach Neuseeland, um die Atmosphäre einzufangen. Neben dem Orchester legte Shore auch viel Wert auf den Einsatz von Chören, die die mystische Atmosphäre der Filme unterstützen sollen.



