Kirche im Zollernalbkreis
: So viele Pfarrstellen fallen weg

Im Kirchenbezirk Balingen hat der „Pfarrplan 2030“ ebenfalls Auswirkungen. Welche konkret, das erklärt Co-Dekanin Dorothee Sauer.
Von
Sebastian Buck
Balingen
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In den Kirchen im Zollernalbkreis, hier die Stadtkirche von Balingen, wird sich einiges ändern, wenn der Pfarrplan 2030 umgesetzt wird.

Vera Bender

Demnächst wird es ernst. Die evangelische Kirchenbezirkssynode Balingen tagt am Freitag, 8. März. Neben allerlei Formalitäten wird vor allem auch über den „Pfarrplan 2030“ gesprochen. Der ist landesweit von der Landeskirche vorgegeben und eigentlich eingeübte Praxis. „Seit dem Jahr 2000 gibt es den alle sechs Jahre“, erklärt Dorothee Sauer als Co-Dekanin des Kirchenbezirks Balingen, zu dem im Grunde der gesamte Zollernalbkreis und obendrein auch noch Sigmaringen gehören.

„Man gleicht dabei die Pfarrstellen der Anzahl an Gemeindegliedern an“, erklärt Sauer die Notwendigkeit. Und da die Anzahl der Kirchenmitglieder auch in Baden-Württemberg respektive innerhalb der Landeskirche Württemberg zurückgeht, ist hier eben eine Anpassung nötig. Und die Austrittszahlen sind alarmierend, wenn man einschlägigen Statistiken Glauben schenkt: 380 000 Austritte aus der evangelischen Kirche verzeichnet das Statistikportal „Statista“ im Jahr 2022 – Rekordwert seit 1992. Gottlob für den Kirchenbezirk Balingen ist dieser starke Rückgang eher in den Städten zu beobachten als auf dem Land. So ist auch das Gefühl von Co-Dekanin Sauer. Zu den Kirchenaustritten komme ja auch der demografische Wandel dazu, die Gemeindeglieder sterben förmlich weg, gleichzeitig gibt es weniger Geburten und Taufen.

Gefahr von Vakaturen zu groß

Dementsprechend müssen auch die Pfarrstellen angepasst werden. „Ohne diese Anpassung würde die Zahl der Vakaturen ständig zunehmen, was besonders in ländlich orientierten Bereichen der Landeskirche zu vermehrten Problemen führen würde, weil vorwiegend dort eine immer größer werdende Zahl von Pfarrstellen nicht besetzt werden könnte“, schreibt etwa die Landeskirche in einer erklärenden Präsentation zum Pfarrplan 2030.

Die Zahl der Gemeindeglieder wird bis 2030 hochgerechnet, erklärt wiederum Dorothee Sauer und so wird ausgerechnet, wie viele Stellen es im Kirchbezirk bis 2030 geben kann. „Man sieht ja, wie viele in den Ruhestand gehen und wie viele anfangen zu studieren“, sagt Sauer mit Blick auf den Plan und die verfügbaren Pfarrer. Konkret gibt es im Balinger Kirchenbezirk aktuell 35,5 Pfarrstellen, diese werden bis 2030 auf 27 eingedampft. Das kleine Wörtchen „bis“ ist hier aber entscheidend.

Fünf Jahre Zeit für Umsetzung

Denn die Pfarrstellen werden eben bis zum Jahr 2030 auf 27 reduziert. Beispielsweise, wenn Geistliche in den Ruhestand gehen, werden entsprechende Stellen nicht mehr nachbesetzt. „Sozialverträglich“ werde der Pfarrplan umgesetzt, nennt Co-Dekanin Sauer das Vorgehen. Innerhalb der fünf Jahre – von 2025 bis 2030 – wird der Plan umgesetzt. „Es wird keiner von seiner Pfarrstelle weggejagt“, stellt Sauer klar. Trotzdem wird es in einigen Bereichen durchaus Härten geben, weil die ersten Pfarrer schon direkt mit Jahresbeginn 2025 in Rente gehen, obwohl dort dann die errechnete Zahl an Gemeindegliedern noch nicht erreicht ist. „Wir wollen die 27 Stellen so auf der Fläche verteilen, dass es funktioniert“, verspricht Dorothee Sauer. Wenngleich, das räumt die Co-Dekanin natürlich ein, das „ein großer Einschnitt“ sein wird. „Das ist natürlich nichts, was direkt Freude macht“, zeigt sie sich verständnisvoll, wenn aus einzelnen Ecken des Kirchenbezirks entsprechende Klagelieder angestimmt werden ob des neuen Pfarrplans 2030. Mit Tumulten oder wütenden Wortmeldungen rechnet Dorothee Sauer in der Tagung der Kirchenbezirkssynode allerdings nicht.

Es sei alles dementsprechend vorberaten und schon seit einem Jahr tage der sogenannte Pfarrplan-Sonderausschuss, von dem Sauer die Vorsitzende ist. Klar ist, dass sich Änderungen ergeben werden, die Distanzen werden größer werden. Um alles passend zu machen, wird man sicherlich auch auf die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden untereinander angewiesen sein. Doch darin sieht Co-Dekanin Sauer auch Chancen, wie sie sagt. Man müsse künftig „über Gemeindegrenzen hinweg arbeiten“, stellt sie klar.

Das Verhältnis erhöht sich deutlich

Durch den Pfarrplan 2030 wird sich auch die Zahl der Gemeindeglieder, die auf eine Pfarrstelle entfallen, erhöhen. Waren es bisher innerhalb der Landeskirche 1480 Gläubige pro Vollzeit-Pfarrstelle, werden es mit der finalen Umsetzung des neuen Plans 1800 sein – das jedenfalls prognostiziert die Landeskirche selbst in einer umfangreichen und im Netz frei zugänglichen Präsentation. Diese Veränderung wird sich auch im Zollernalbkreis, respektive im Dekanatsbezirk Balingen bemerkbar machen. Demnächst, also am 8. März, tagt die Kirchenbezirkssynode von 17 bis 21 Uhr und segnet den Pfarrplan 2030 final ab. Dann wird die Landessynode den Pfarrplan im Herbst dieses Jahres beschließen – umgesetzt wird der dann ab Januar 2025. Mit spürbaren Auswirkungen für alle Gläubigen und Kirchgänger – auch im Zollernalbkreis.