Flüchtlinge in Geislingen: Das Schloss als eine der letzten Optionen

Der rote Punkt zur Baufreigabe am Geislinger Wasserschloss ist nicht zu übersehen.⇥
Karin MitschangEs gibt derzeit wohl kaum eine Kommune in Deutschland, die sich nicht mit der Frage befassen muss: wohin mit den Geflüchteten? Immer mehr Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, suchen hier im Land Schutz, sie alle brauchen ein Dach über dem Kopf. Und genau das stellt Städte und Kommunen vor große Herausforderungen. Wohnraum ist knapp, deshalb müssen nun auch Unterbringungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, die vorher vielleicht noch kein Thema waren.
In Geislingen wird schon länger darüber spekuliert, dass das dortige Schloss als Flüchtlingsunterkunft in den Fokus gerückt sein könnte. Die Stadt hat versucht, mit den Gerüchten, die um dieses Thema kursieren, aufzuräumen. Dass Geflüchtete in das historische Gebäude einziehen könnten, wird zwar nicht ganz ausgeschlossen. Zumindest in absehbarer Zeit soll das aber noch nicht der Fall sein.
Privatquartiere weiter gesucht
„Das Schloss als Unterbringungsmöglichkeit wurde zwar in Erwägung gezogen, hat für uns aber keine Priorität“, sagt die stellvertretende Hauptamtsleiterin Theresa Schaitel. Bisher sei es gelungen, die ankommenden Menschen alle in städtischen oder privaten Wohnungen einzuquartieren.
Bei der Stadt hofft man, auch in Zukunft auf Unterstützung dieser Art zählen zu können. „Wir sind auch weiterhin auf der Suche nach Privatleuten, die Wohnungen zur Verfügung stellen.“ Wer Wohnraum zu bieten hat, darf sich gerne im Rathaus melden. Das Ziel müsse sein, eine Belegung von öffentlichen Gebäuden wie Sport- und Mehrzweckhallen oder eben auch dem Schloss zu vermeiden, unterstreicht Theresa Schaitel. Ob und wie lange das noch gelinge, müsse sich zeigen. „Es weiß ja niemand, wie sich die Lage noch entwickelt.“ Dass im Schloss wegen der Wohnraumproblematik Umbauarbeiten stattfinden, sei so nicht zutreffend. „Dort werden derzeit nur die Beete im Schlossgarten neu gemacht.“
Die Hallen freihalten
Für die Vereine und Schulen in Geislingen wäre es vor allem wichtig, dass die örtlichen Hallen nicht zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert werden müssen. Sport- und Mehrzweckhallen werden für deren Aktivitäten und Veranstaltungen nämlich dringend gebraucht.
Stand Ende Februar waren 43 ukrainische Geflüchtete in Geislingen untergebracht. Davon konnten 26 Menschen in Privatquartieren unterkommen, neun fanden im ehemaligen Schwesternhaus der Kirche Quartier. Städtischer Wohnraum wurde bisher für acht Personen zur Verfügung gestellt.
Betreuerin kümmert sich
Was sehr hilfreich ist: Für die Betreuung der geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer konnte die Stadt eine Frau gewinnen, die deren Sprache spricht. „Das ist natürlich ein Glücksfall“, sagt die stellvertretende Hauptamtsleiterin. Die Sprachbarriere ist damit kein so großes Problem mehr, denn die Betreuerin hilft „bei sämtlichem Papierkram“ und begleitet die Geflüchteten auch auf Amtsgängen und zu Arztterminen. Für die Menschen ist das eine große Hilfe, denn es macht ihnen das Ankommen in Geislingen erheblich leichter.
Mehr Themen im Zollernalbkreis
Für kommenden Montag haben Verdi und EVG zu einem Megastreik aufgerufen. Welche Auswirkungen das im Zollernalbkreis haben wird: Bahnkunden werden es schwer haben, Buskunden können noch hoffen. Hier lesen Sie mehr dazu:
Das Wasserschloss Geislingen
Im Jahre 1965 wurden im südöstlichen Flügel des historischen Gebäudes Zug um Zug Vereinsräume geschaffen, welche verschiedenen aktiven Vereinen zur Heimat wurden, die ihre Räumlichkeiten im eigenen Interesse erhalten. Die nordwestliche Hälfte des Wahrzeichens blieb zum Teil als Wohnungsraum erhalten und bekam durch den Einzug der Stadtbücherei weitere kulturelle Bedeutung. Im Übrigen dient dieser Teil heute dem Stadtarchiv.
Durch eine umfassende Außensanierung in den 70er-Jahren, die nur mit entsprechenden Landesmitteln möglich war, erhielt das Geislinger Schloss sein heutiges Gesicht und bleibt somit als Wahrzeichen der Stadt erhalten.
