Flüchtlingsinfo in Balingen
: So reagieren die Stadträte auf den Abend

Die Infoveranstaltung des Landratsamtes für Anrainer des Balinger Vermessungsamtes schlägt ein paar Wellen. Jetzt reagieren einige Stadträte in der Sitzung des Verwaltungsausschusses.
Von
Sebastian Buck
Balingen
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Landrat Günther-Martin Pauli (von links), Sozialdezernent Georg Link und Thomas Zizmann, Leiter des Amts für Zuwanderung und Integration, stellten sich den Fragen der Balinger.⇥

Gert Ungureanu

Sie sei schon „getroffen“, formulierte es Nathalie Hahn (SPD) in der jüngsten Sitzung des Balinger Verwaltungsausschusses. Das war ihre Reaktion auf die tags zuvor abgehaltene Infoveranstaltung des Landratsamts für Anwohner, die alsbald in der Nähe des Balinger Vermessungsamts Flüchtlinge einquartiert bekommen (wir berichteten). 30 bis 40 an der Zahl werden es wohl sein.

Dass Bürgerinnen und Bürger teils wütend und Türen–knallend den Saal verlassen hätten, habe sie nicht für möglich gehalten. Oberbürgermeister Dirk Abel sah den Abend in der Retrospektive dann doch nicht so dramatisch an, wie er betonte: „Dass die Betroffenen damit nicht glücklich sein werden, das war mir klar.“ Allerdings könne man mit der Heftigkeit der Reaktionen „in Balingen ja noch zufrieden sein“.

Kein Vergleich zu Killer

Vergleicht man es etwa mit den Reaktionen in Burladingen–Killer, als einst Landrat Günther–Martin Pauli rüde niedergebrüllt worden war, oder auch in Albstadt, wo urplötzlich Rauch auf der als Flüchtlingsunterkunft auserkorenen Kreissporthalle aufstieg, sich später nicht als Feuer, sondern als Rauchpatrone herausstellte. Dennoch zeigen die Beispiele, dass die Reaktionen auf derlei Ankündigungen und Informationsveranstaltungen auch weitaus heftiger ausfallen können.

Auch Sevgi Turan–Rosteck (Grüne) hatte die Atmosphäre als weniger aufgeheizt erlebt wie Ratskollegin Hahn. „Es sind alle ernst genommen worden, der Austausch war offen“, befand sie. Man dürfe, appellierte sie, „die Menschen nicht als Gefahr“ wahrnehmen. Damit die Integration gelinge, hatte Nathalie Hahn noch die Anregung, auch gerade für die Flüchtlingsarbeit nochmals gezielt Ehrenamtliche über den städtischen Newsletter anzusprechen. „Helfende Hände jedweder Art werden gebraucht“, sagte Hahn.

Konkrete Maßnahmen

Erwin Feucht (Grüne) kam dann noch auf konkrete Maßnahmen zu sprechen. Vieles habe beim Sicherheitsgefühl ja auch „mit Beleuchtung“ zu tun, respektive dem Fehlen selbiger. „Vielleicht kann die Stadt da was machen“, spielte Feucht den Ball in Richtung Verwaltung, die versprach, hier Möglichkeiten sprichwörtlich auszuleuchten. Hahn hatte dann noch eine Art Schlusswort parat: „Natürlich war es eine andere Veranstaltung wie in Killer. Trotzdem müssen wir schauen, dass es dort ruhig bleibt“, forderte sie. Das konnten dann auch alle so unterschreiben.