Demo gegen Rechts: 2200 Bürger ziehen durch Balinger Innenstadt
Die Glocken der Evangelischen Stadtkirche läuteten um 17 Uhr den Beginn der Kundgebung ein. Bürger, Gewerkschaften, Vereine, Institutionen, Mitglieder der Kreis–Parteien, religiöse Vertreter und Politiker hatten sich auf dem Marktplatz in Balingen eingefunden, um gemeinsam ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut zu setzen und für demokratische Werte einzustehen.
Auf dem Marktbrunnen ergriff Versammlungsleiter Jochen Herth von der Kreis–SPD das Wort. Entsetzt und besorgt habe man auf die Enthüllungen zum Potsdam–Treffen im November reagiert, sagte Herth. Recherchen des Medienportals Correctiv zufolge sollen radikale Rechte bei diesem Geheimtreffen Pläne zur Deportation von Zuwanderern diskutiert haben. Auch AfD–Politiker sollen daran teilgenommen haben. „Wir haben die Schnauze voll von dieser rechtsextremen Soße“, sagte Herth. Die Demonstration richte sich gegen das Gesellschaftsbild der AfD.
Der Opfer gedacht
David Knoblich von den Kreis–Grünen rief anschließend zu einer Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus auf. Der 27. Januar ist Holocaust–Gedenktag. Die Würde des Menschen ist unantastbar — Artikel 1 des Grundgesetzes müsse immer wieder aufs Neue verteidigt werden, sagte Herth mit aller Deutlichkeit: „Nie wieder ist jetzt“.
Die Menschenmenge zog anschließend lautstark durch die Innenstadt. Teilnehmer skandierten unter anderem „Alle zusammen gegen den Faschismus“ und „Ganz Balingen Anti–AfD“. „Diesmal schweigen wir nicht“, „Liebe statt Hetze“ oder „Stand up for your rights“ war auf den Plakaten und Transparenten zu lesen. Unter den Teilnehmern waren auch die Landesministerin Nicole Hoffmeister–Kraut (CDU) und Bundestagsabgeordneter Robin Mesarosch (SPD).
Wieder am Marktplatz angekommen, richtete Balingens Oberbürgermeister Dirk Abel einige Worte an die Menschenmenge. Die große Teilnehmerzahl „straft diejenigen Lügen, die behaupten, dass hinter der hetzerischen Rhetorik eine schweigende Mehrheit steht“. Laut Polizeiangaben waren rund 2200 Bürger zur Demo gegen Rechts nach Balingen gekommen. „Damit setzen wir ein deutliches Zeichen“, so der Oberbürgermeister.
Demo verläuft friedlich
Die Asylpolitik stelle die Kommunen vor Herausforderungen, die Unterbringung von Geflüchteten in der derzeitigen Form sei auf Dauer nicht möglich und bei Kriminalität von Zuwanderern höre die Toleranz auf, sagte Abel. „Aber nichts davon rechtfertigt Rassismus.“ Für besonderes Entsetzen sorgen die enthüllten Deportations–Pläne: „Diese erinnern an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte“, sagte Abel.
Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sowie der islamischen Ahmadiyya–Gemeinde in Balingen schlossen sich dem Oberbürgermeister an. Die Religionsvertreter unterstrichen, dass menschenverachtende Ideologien nicht mit Glauben vereinbar seien. Kurz nach 18 Uhr war die Kundgebung beendet. Herth rief zum Abschluss zu einem symbolischen Akt auf: Die Teilnehmer sollten mit ihren Handy–Taschenlampen den Marktplatz nochmal erstrahlen lassen.
Die Demonstration verlief friedlich. Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE teilt das Präsidium in Reutlingen mit, dass es an diesem Abend aus polizeilicher Sicht keine Vorkommnisse gab.






Gut, dass sich Protest gegen Rechtsextremismus formiert. Doch der Auslöser, ein Bericht über angebliche Deportationspläne, könnte der AfD am Ende eher helfen als schaden. Das hat auch mit der Art und Weise zu tun, wie die Recherche präsentiert wurde.