CSD in Balingen
: Wie sich die Veranstalter auf Gegenwind vorbereiten

Am Samstag wird die Balinger Innenstadt bunt. Mit Polizei, Ordnern und einem Awareness-Team wollen die Organisatoren des CSD für Sicherheit sorgen.
Von
Sophie Holzäpfel
Balingen
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2024 gab es in Albstadt den ersten CSD im Zollernalbkreis. 2025 wird er in Balingen stattfinden – stößt aber auf mehr Hürden als im Vorjahr.

2024 gab es in Albstadt den ersten CSD im Zollernalbkreis. Am Samstag wird er in Balingen stattfinden – stößt aber auf mehr Hürden als noch im Vorjahr.

CSD Zollernalb
  • Der erste CSD in Balingen findet am 6. September mit Parade und Kundgebung statt.
  • Sicherheitsmaßnahmen: Polizei, Ordner und Awareness-Team im Einsatz.
  • Veranstalter erhalten Drohungen, arbeiten eng mit Behörden zusammen.
  • Sponsorenabsagen häufen sich, nur sieben Unterstützer für die Veranstaltung.
  • Ziel: Sichtbarkeit und Akzeptanz für queere Menschen im Zollernalbkreis schaffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ob er sich nicht schäme? Ob er nachts noch ruhig schlafen könne? Es sind Vorwürfe, keine Fragen, die dieser Tage immer wieder auf ihn und die anderen Organisatoren des ersten Christopher Street Days (CSD) in Balingen einprasseln. Daran seien sie schon gewöhnt, sagt SPD-Stadtrat Dominik Ochs. Und dennoch: Etwas hat sich in diesem Jahr verändert. „Dass wir öffentlich auf der Straße angegangen werden, das ist neu.“

Mails, Drohungen via Instagram, Briefe: „Das übliche Maß an Wahnsinn eben.“ Jüngst habe jemand einen Großteil der bunten CSD-Sticker abgerissen, die das Organisations-Team in der Stadt verteilt hatte. Sie quollen aus Ochs privatem Briefkasten. Einschüchtern lassen sie sich davon nicht, betont der Balinger. Sie arbeiten eng mit der Polizei und dem Ordnungsamt zusammen. Die Sicherheit der Teilnehmenden am Samstag, 6. September, habe oberste Priorität. Aber wie wollen sie für den Schutz der Menschen garantieren? Und was haben sie aus dem Eklat im Vorjahr bei der Veranstaltung in Albstadt gelernt?

Keine Gegendemonstration angekündigt

Ein knappes Jahr ist es her, dass sich unter dem Motto „Nein zum Genderwahnsinn“ etwa 70 Teilnehmende bei der Demonstration in Albstadt versammelt hatten. Sie waren den Aufrufen der identitären „Zollern-Jugend aktiv“ und der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ gefolgt. „Letztes Jahr war die Gegendemo im Vorfeld angekündigt“, sagt Ochs. Bisher sei das noch nicht der Fall.

Überhaupt sei der Gegenwind aus der rechten und rechtsextremen Szene dieses Jahr gering. Dennoch rechnen die Organisatoren fest mit einer Gegendemonstration. Allerdings nicht ausschließlich aus rechtspolitischer Ecke. Denn in den vergangenen Monaten stoßen immer mehr queere Menschen auf starke Ablehnung von Mitgliedern christlicher Freikirchen, warnt Ochs.

Aber: Auch davon lassen sie sich nicht einschüchtern, betont er. In Balingen bekommen die Veranstalter von der katholischen Seelsorgeeinheit Balingen und von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Unterstützung. Der ökumenische Queer-Gottesdienst in der Stadtkirche bildet den Auftakt für den CSD.

Über das genaue Sicherheitskonzept will Ochs nicht zu viel verraten. „Damit sich die Gegenseite nicht darauf vorbereiten kann.“ Die Veranstalter arbeiten wie bereits 2024 mit eigenen Ordnern: „Unser Schlüssel ist deutlich höher als vom Balinger Ordnungsamt vorgegeben.“ Zudem wird ein eigenes Awareness-Team unterwegs sein. „Das Thema Sicherheit beschäftigt uns eigentlich schon das ganze Jahr“, sagt Ochs. Kevin Paal, der die Jusos Zollernalb leitet, ist hauptsächlich dafür zuständig. Er hat dafür an einem Treffen teilgenommen und sich intensiv mit Experten ausgetauscht. Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und der Polizei Balingen sei sehr eng, so Ochs. Die Organisatoren rechnen mit 300 bis 500 Teilnehmenden am Samstag.

Sponsoren sagen ab

Noch früher als mit dem Sicherheitskonzept haben sich die Veranstalter mit dem Sponsoring befasst. Bereits im Oktober haben sie erste Anfragen an die großen Firmen verschickt. Ohne Erfolg. Unternehmen, die sich zuvor noch voller Überzeugung zum „Pride Month“ bekannt hatten, wollten plötzlich nicht mehr mit dem CSD in Verbindung gebracht werden. „Wir standen Anfang März ohne etwas da“, berichtet der Stadtrat. 127 Firmen habe er angeschrieben. Lediglich sieben Sponsoren, die sie finanziell unterstützen, konnte er gewinnen. „Ich habe jede Firma mindestens dreimal angeschrieben, von den meisten habe ich entweder keine Antwort oder eine Absage bekommen.“ Damit stünden sie nicht allein da, sagt Ochs. Auch in anderen Städten werde es zunehmend schwieriger, Sponsoren zu finden.

Ochs glaubt, dass das vor allem mit der Verrohung der Debatte zusammenhängt. „Sowas fängt immer bei den Großen an.“ Etwa bei dem amerikanischen Staatsoberhaupt: Donald Trump geht gezielt gegen Diversity-Programme und queere Menschen vor. Die Auswirkungen seien auch in Europa spürbar, so Ochs. Denn der Anti-Queer-Kurs der US-Regierung führe dazu, dass amerikanische, namhafte Unternehmen mit deutschen Niederlassungen das Sponsoring für den CSD absagen. Es sei nicht mehr mit den firmeninternen Richtlinien vereinbar, heiße es dann. Diese Entwicklungen verdeutlichen nur die Dringlichkeit der Veranstaltung am Samstag, sagt Ochs.

Laut und bunt

Die Veranstalter lassen sich nicht unterkriegen. Vergangenes Jahr habe sich über Instagram ein schwules Pärchen bei ihm gemeldet, erinnert sich der Balinger. „Sie haben uns geschrieben, dass sie sich bei dem CSD in Albstadt zum ersten Mal getraut haben, händchenhaltend über den Marktplatz zu gehen.“  Es sind Nachrichten wie diese: Sie sind der Grund, warum die Veranstalter tun, was sie tun. „Weil wir wollen, dass Pärchen wie dieses das immer können.“ Dafür seien sie bereit, alles zu geben, betont der SPD-Stadtrat. Was er sich für den CSD am Samstag wünscht? „Gutes Wetter, viele bunte Leute, eine friedliche Veranstaltung.“

Der erste CSD in Balingen

Der Christopher Street Day findet am Samstag, 6. September, in Balingen statt. Los geht’s um 17.30 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz, anschließend zieht eine Parade durch die Innenstadt. Ein Team um Peter Demmer (Immerwaslos e. V.), Dominik Ochs und Kevin Paal (beide Jusos Zollernalb) organisiert den ersten CSD in der Eyachstadt. Ziel ist es, queeren Menschen im Zollernalbkreis Sichtbarkeit zu geben. Die klare Botschaft? Ihr seid nicht allein.