CMT in Stuttgart: Wie Balingens Gartenschau die Massen begeistern soll
Gertrud Mayer muss erstmal durchatmen, als sie Messehalle sechs auf der Stuttgarter CMT betritt. „So viel los“, schnauft sie. Die 51-Jährige öffnet den Rucksack, den ihr Mann auf dem Rücken trägt, und holt eine Flasche Wasser raus. Durchatmen, etwas trinken. Dann schauen, was geboten wird.
Viel Zeit für die Pause bleibt ihr nicht. In Halle sechs, der Oskar-Lapp-Halle, dreht sich alles um Tourismus. Die Mayers wollen dieses Jahr verreisen. Wohin, wird heute entschieden. Sie wollen sich inspirieren lassen, Prospekte schauen, mit Anbietern reden, es gibt viel zu tun an diesem Nachmittag.
Es geht nicht nur ihnen so: Menschenmassen tummeln sich an den Ständen, reden, schauen sich um. Vom Bodensee bis zur Ostsee sind Tourismusbüros und Hotels aus ganz Deutschland vertreten. Die Anbieter buhlen um die Aufmerksamkeit der Besucher und werden dabei kreativ. Ein Akkordeon-Spieler, der „Schwarze Natascha“ zum Besten gibt, will den Leuten den Südschwarzwald schmackhaft machen, die Burg Katzenstein im Landkreis Heidenheim wirbt mit einer mannshohen Ritterrüstung.
Die Mayers, die aus Freiburg angereist sind, zieht es erstmal zum Stand des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben. Nachher, so sagen sie, wollen sie sich auch noch über die Gartenschau in Balingen informieren.
Am großen Eck-Stand in Halle sechs stehen Niko Skarlatoudis und seine Kolleginnen. Ihr Bereich ist mit Blumen verziert, das Motto „Balingen blüht auf“ soll sichtbar sein. Es sind kleine Vorboten, für das, was die Besucher in der Eyachstadt von Mai bis September erleben können: die Gartenschau mit Floristik, Kunst und mehr als 1000 Veranstaltungen – darunter Partynächte, Konzerte und Theaterabende.
Hinzu kommen Events wie der Kultursommer oder das „Bang your head“-Metalfestival. „So einen Sommer gab es in Balingen noch nie“, betont Skarlatoudis, der bei der Stadt für Marketing und Veranstaltungen verantwortlich ist. 300 000 Leute sollen sich das Spektakel ansehen, mindestens. Wenn es nach Skarlatoudis geht, sogar 500 000. „Wir können das schaffen“, betont er.
Kooperation mit Verkehrsverbund
Auf der CMT will er mit seinem Team Kontakte knüpfen: Radio, Zeitung, Fernsehen. Aber natürlich auch Besucher dafür begeistern, dieses Jahr zur Gartenschau zu kommen. Wie das klappt? „Bislang ziemlich gut“, berichtet Skarlatoudis. Die Hauptzielgruppe ist klar definiert – und zwar alle, die bis zu 150 Kilometer entfernt von Balingen wohnen, so Skarlatoudis. Wer eine Karte hat und aus dem Gebiet des Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (Naldo) kommt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos anreisen.
Man wolle fürs Umland so attraktiv wie möglich sein – und zeigen, dass die Stadt deutlich mehr zu bieten hat als nur dieses eine Event. „Die Besucher sollen nicht sagen: Ich war auf der Gartenschau“, betont Skarlatoudis. „Sie sollen sagen: Ich war in Balingen.“ Deshalb kämpfe er mit Angeboten und Kooperationen darum, dass die Leute nicht nur für einige Stunden in die Stadt kommen. Sie sollen über Nacht bleiben und am nächsten Tag den Zollernalbkreis entdecken.
Dabei seien auch die altbekannten Rivalitäten zwischen Balingen und Albstadt hintenanzustellen. Wenn er es sich Besucher malen könnte, so Skarlatoudis, gehen sie einen Tag auf die Gartenschau und am nächsten Morgen wandern sie auf dem Albtrauf und schauen sich danach Albstadt an. „Wir haben in der Region so viel zu bieten“, sagt Skarlatoudis und deutet auf den Nachbarstand der Burg Hohenzollern.
Auch Innenstadt soll profitieren
Dann kommt Helmut Reitemann vorbei. Der Balinger OB ist an diesem Nachmittag ebenfalls auf der CMT und schaut, wie sich sein Team so schlägt. Reitemann mustert den Stand, dann sagt er: „Die Gartenschau ist für uns eine Riesen-Chance.“
Nicht nur der Tourismus solle profitieren, sondern die gesamte Innenstadt. Die Nähe des Gartenschau-Geländes zum Zentrum komme auch Händlern und Gastronomen zugute. Nicht nur während den fünf Monaten: Durch das Event werde die City intensiver mit den bisherigen und neuen Grünanlagen, die entlang der Eyach und der Steinach entstehen, verknüpft. Das Freizeitgelände bleibt und werde die Stadt nachhaltig beleben.
Die Mayers verweilen unterdessen am Stand der Tourismus-Gesellschaft Sachsen. Ob sie sich nachher noch das Balinger Angebot zu Gemüte führen? „Wenn wir noch Zeit finden, auf jeden Fall. Hier wird ja so viel geboten“, sagt Gertrud Mayer.
Region zeigt sich von ihrer besten Seite
Fazit Silke Leibold, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Zollernalbkreis (WFG), zuständig auch fürs Standortmarketing, hat die Trends des Tourismus im Blick und zeigt sich mit der CMT-Präsenz der Region zufrieden: Ob Albstadt, Balingen oder Hechingen, „das ist ein hochattraktiver Auftritt, da bleiben die Leute stehen“. Viele Besucher hätten sich im Vorfeld gut informiert: „Die Menschen kommen sehr selektiv, haben klare Vorstellungen.“

