Es gehe um nicht weniger als die Zukunft, um nicht weniger als das Leben der eigenen Kinder. Christopher Seng steht im Eingangsbereich der Zehntscheuer. Ein Blick in die Galerie zeigt: Eine neue Ausstellung hat dort Platz gefunden. Diese sucht in ihren Exponaten nach einer besseren Welt. „Der Krieg in der Ukraine, die Proteste im Iran, die Räumung von Lützerath“, zählt Seng auf. In all diesen Konflikten stecke die Sehnsucht nach Frieden. Damit passt die Sonderausstellung, die ab Freitag, 20. Januar, im städtischen Museum zu sehen sein wird, zum Jahresthema 2022/2023. Denn dieses lautet „Sehnsucht“.
„Ich habe versucht, die Sehnsucht nach einer besseren Welt als Inspiration darzustellen“, beschreibt Seng, unter anderem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums, die Sonderausstellung.
Das gelingt durch verschiedene Leihausstellungen, die in der Zehntscheuer sinnhaft ineinandergreifen. Sie alle haben eine gemeinsame Botschaft: Jeden Tag kann die Welt mit kleinen Schritten besser gemacht werden.

Zehntscheuer Balingen: Neue Ausstellung im Museum

„Frieden als Wort ist für viele Menschen abstrakt“, sagt Seng. Ukraine, Syrien, der globale Süden. „Frieden müsse man immer herstellen, wenn Krieg ist. Wie in einer Fabrik.“
Was Frieden tatsächlich alles sein kann, zeigen die verschiedenen Exponate, die Seng zur Sonderausstellung in der Galerie zusammengebracht hat. Einige stammen von der Landeszentrale für politische Bildung und seiner Servicestelle Friedensbildung. Dabei handelt es sich um verschiedene Aufsteller der Ausstellung „Frieden machen – gelungene Beispiele aus aller Welt“, kurz Peace Counts. Diese zeigen das, was in den alltäglichen Nachrichten, in denen von Konflikten und Krieg berichtet wird, oft zu kurz kommt: weltweit gelungene Beispiele von Friedensmacherinnen und Friedensmachern, die ihre eigenen Wege finden, Konflikte zu lösen und Versöhnung zu schaffen.

Gegen Gewalt und Kriminalität: Ausstellung in der Zehntscheuer

Eines dieser Beispiele heißt „Ball statt Revolver“. Es zeigt, wie Fairplay-Fußballturniere in Kolumbien zu weniger Gewalt und Kriminalität durch Gangs beitragen können. Ein anderes Beispiel wird mit „Radio Ushirika funkt dazwischen“ betitelt. Darin geht es darum, wie sich die lokale Bevölkerung in einem Gebiet mit Rebellen im Kongo durch die Verbreitung von Nachrichten und frühen Warnungen schützen kann.
Weitere Exponate der Sonderausstellung stammen von den Gymnasien in Ebingen und Meßstetten. In Gemälden haben die Schülerinnen und Schüler der dortigen Kunstleistungskurse ihre Interpretation von „Utopie und Dystopie des Friedens“ festgehalten. Viele Werke beschäftigen sich mit dem Klimawandel. Auch zwei Schülerinnen aus der Ukraine stellen jeweils ein Gemälde aus, in dem sie über den Krieg in ihrer Heimat gemalt haben.
Als einer der großen Friedensstifter falle vielen sofort Willy Brandt ein, sagt Seng im Rundgang durch die Zehntscheuer. Von der Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung konnte ebenfalls eine Leihausstellung gewonnen werden. Bilder zeigen das Wirken des einstigen SPD-Politikers für Frieden und Versöhnung in Europa.

„Gesucht: Eine bessere Welt“ – der Titel der Ausstellung

Ergänzt hat Seng die verschiedenen Schauen mit eigenen Beiträgen, zum Beispiel mit Texttafeln zu dem südafrikanischen Freiheitsaktivisten und ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela. „Auch er ist ein inspirierendes Beispiel, was mit persönlichem Einsatz erreicht werden kann.“
Für Seng persönlich hängt das Highlight der Ausstellung aber in einer anderen Ecke der Galerie. Dort sind Fotografien von Burkhard Bartel zu sehen, der in den 1980er Jahren die ersten Friedenswochen im Zollernalbkreis mitorganisierte. „Authentisch, lokal“, beschreibt Seng diesen Teil der Ausstellung. Und: Betrachtet er die Fotos, so muss er an die aktuellen Ereignisse in Lützerath denken. Ob es um Aktivismus für den Klimaschutz oder gegen den Nato-Doppelbeschluss geht, die Menschen, die sich engagieren, ähneln sich.
Auch Teil der Ausstellung ist ein Exponat der Bisinger Künstlerin Anastasia Gehring. Dieses zieht bereits am Eingang der Zehntscheuer die Aufmerksamkeit auf sich. In verschiedenen Bildformaten zeigt Gehring bunte Sonnenschirme am Strand. Das Meer ist darauf strahlend blau, der Strand makellos schön. Das sei die idealisierte, erfüllte Sehnsucht, sagt Seng. „Wenn wir alle mal am Strand liegen können.“ Ohne Konflikte, ohne Krieg.
Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 19. Januar, mit einer Vernissage (siehe Infokasten).
Ende Januar kommt dann aber noch eine weitere Leihausstellung hinzu. Diese stammt von der Erzdiözese Freiburg, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Deutschen Caritasverband. Sie zeigt Exponate zum Thema Klimamigration und Klimawandel. „Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, was uns das angeht“, sagt Seng. „Denn keine Insel geht unter, ohne dass sich die Menschen von dort ein neues Zuhause suchen.“