Automat in Rosenfeld
: Hier rollt Saatgut statt Kaugummi raus

Ein Projekt der besonderen Art hat der Verein Mellifera in Rosenfeld umgesetzt. Aus einem alten Kaugummi-Automaten wurde ein Saatgut-Spender.
Von
swp
Rosenfeld
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 Der Saatgutautomat steht an der Kirche in Rosenfeld.

Der Saatgut-Automat steht vor der Kirche.

Nick Leukhardt/Mellifera
  • Mellifera stellt einen Saatgut-Automaten vor der Kirche in Rosenfeld auf.
  • Für 1 Euro erhält man heimisches Saatgut und eine Anleitung.
  • Projekt fördert insektenfreundliche Blüten für regionale Bienenarten.
  • Simon Marquart hofft auf bunte Blumen statt grüner Wiesen.
  • 600 Bienenarten in Deutschland; viele sind auf spezifische Pflanzen angewiesen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Lass es blühen für Biene, Mensch und Natur“ steht an der Vorderseite des roten Automaten. Eingefasst ist er in ein leuchtend karamellbraunes Holzgestell, an der linken Seite ist eine braun-gelb gestreifte Schachtel mit einer ausgesägten Holzbiene angebracht. Bei diesem Konstrukt, welches einem seit jüngster Zeit an der Rosenfelder Hauptstraße direkt ins Auge sticht, handelt es sich um einen Saatgut-Automaten. Oder auch einen „Samenspender“, wie Mellifera ihn scherzhaft betitelt. Der Rosenfelder Verein, welcher sich für den Schutz von Bienen und anderen bestäubenden Insekten einsetzt, hat den Automaten vor der Rosenfelder Kirche aufgestellt, um insektenfreundliche Blüten in die Gärten der Region zu bringen.

Heimisches Saatgut für heimische Bienen

Ein Euro muss in den Automaten eingeworfen werden, dann kann die Kurbel gedreht werden und mit einem klackernden Geräusch purzelt eine kleine Plastikkugel in das Ausgabefach, erklärt der Verein in seiner Pressemitteilung. Darin enthalten: Zwei Gramm gebietsheimisches Saatgut sowie ein kleiner Zettel mit der passenden Ansaat-Anleitung. Das entscheidende Detail ist dabei das vorerst recht sperrig wirkende Wörtchen „gebietsheimisch“. Denn nur wenn Saatgut diese Bezeichnung hat, kann man sich sicher sein, dass die darin enthaltenen Pflanzen den Insekten im eigenen Garten auch wirklich helfen.

Denn der weit verbreitete Glaube, man müsse nur genug Blumen pflanzen und schon seien die Bienen gerettet, ist ein Irrtum. Ein Großteil der mehr als 600 in Deutschland vorkommenden Bienenarten sind auf bestimmte Pflanzengattungen oder sogar auf einzelne Arten spezialisiert. Und diese Blumen müssen dann auch zur richtigen Zeit blühen. Dann, wenn die Wildbiene schlüpft und mit ihrem Nestbau und der Verproviantierung ihrer Brut beginnt, müssen die passenden Pflanzen Pollen und Nektar liefern.

Bunte Blumen statt grüner Wiesen

Damit auch die spezialisierten Wildbienen in unserer Region genügend Nahrung finden, hofft Mellifera auf reges Interesse an ihrem „Samenspender“ vor der Rosenfelder Kirche. „Wir sind sehr gespannt auf die Rückmeldung zu unserem Projekt und würden uns sehr freuen, den Automaten regelmäßig nachfüllen zu müssen“, sagt Simon Marquart, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei Mellifera absolviert und im Zuge dessen den Saatgut-Automaten konstruierte. „Meine Hoffnung ist es, dass unsere Region noch farbenfroher wird und wir ganz viele verschiedene Blumen in den Gärten sehen – anstatt überall nur grüne Wiesen mit ein bisschen Löwenzahn.“

600

Bienenarten gibt deutschlandweit in etwa. Die meisten dieser Arten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.