Mellifera erklärt Schwarmzeit: Wie ein neues Bienenvolk entsteht

Wenn Bienen ausschwärmen und sich irgendwo niederlassen, dann ist das ein echtes Spektakel. Umso mehr, wenn man weiß, welch spannendes Naturphänomen dahintersteckt.
Mellifera e. V.Mit den immer längeren Tagen, steigender Temperatur und angeregt durch das reichhaltige Angebot von Nektar und Pollen beginnt für Honigbienen eine ganz besondere Phase: die Schwarmzeit. Sie dehnen ihre Brutnester im Frühjahr weit aus, und der Wabenbau geht voran.
Immer mehr Sommerbienen wachsen nach dem Winter wieder zu stattlicher Größe heran, sodass sie sich nun vermehren möchten. Als Erstes ziehen Bienenvölker dafür Drohnen auf. Sie wachsen in etwas größeren Zellen in den kühleren Randbereichen heran. Sind die Drohnen geschlüpft und voll entwickelt, machen sie sich in Scharen um die Mittagszeit in der Landschaft auf die Suche nach jungen Königinnen.
Aufwärmen zum Ausschwärmen
Reichlich Pollen und Nektar bringen die Sammlerinnen ins Bienenvolk, immer größer wird die Brutkugel dadurch, welche von einem dicken Pollenkranz umgeben ist. Die voll bepackten Sammlerinnen werfen ihre Last schnell in die nächstbeste Zelle, um sich alsbald wieder in die Blütenkelche zu stürzen. Aufgeräumt wird später. Die Brutzellen sind bald besetzt, zwischen ihnen glitzert immer wieder Nektar. Je kleiner die Behausung, desto eher kommt der Moment, in dem die Königin kaum mehr eine freie Zelle findet, um sie zu bestiften.
Haben im Frühjahr noch wenige Bienen viele Larven versorgt, hat sich das Verhältnis nun umgekehrt: Die Ammenbienen finden kaum mehr eine offene Brutzelle, in der eine Larve gefüttert werden kann. Hinter großen Flächen verdeckelter Zellen vollzieht sich in tausenden Puppen die Metamorphose zur fertigen Biene.
Platzmangel mit Folgen
Demeter-Imker Michael Reiter beschreibt, wie sich das Verhalten der Bienen in der anklingenden Schwarmzeit verändert, wenn die Bienen keinen Futtersaft für die Brut mehr erzeugen, weil keine offene Brut mehr vorhanden ist: Sie hören auf, Waben zu bauen, sie sammeln kaum mehr.
Der Pollen staut sich gewissermaßen in den Bienen und kommt nicht mehr für das Volksganze zur Wirkung. Zumindest nicht für dieses Volksganze, denn die Bienen bereiten sich auf diese Weise auch darauf vor, nach dem Schwärmen eine neue Wohnung mit Waben auszubauen. Sie stellen ihren Körper komplett um: Etwa 80 Prozent der Bienen aktivieren ihre Wachsdrüsen, während das sonst etwa zehn bis 20 Prozent sind.
Die Geburt eines neuen Volks
Die Königin bestiftet erste Weiselzellen, deren Larven zu Königinnen bestimmt sind, und der Zusammenhang in diesem Bienenvolk fällt allmählich weiter auseinander, bis es die endgültige Teilung mit Auszug des Schwarms vollzieht.
Der Schwarmakt wird von den Bienen frühestens ab der Verdeckelung der ersten Weiselzelle vollzogen. Ein Versuch an Melliferas Vereinssitz an der Fischermühle hat gezeigt, dass Bienen dabei ihren Auszug mehrere Wochen hinziehen können und in dieser Zeit Weiselzellen wieder zurückbauen, neu ansetzen und sich auf diese Weise immer einen Auszug in wenigen Tagen vorbehalten.
Zauber eines Neubeginns
Auch ist es möglich, dass plötzlich einsetzende Volltracht die Prioritäten eines Bienenvolks umschwenken lässt, wenn der Schwarmprozess noch nicht weit fortgeschritten ist. Verhindert eine für das Schwärmen ungünstige Witterung nur für einige Tage den beschlossenen Auszug eines Bienenschwarms, erfolgt der Schwarmabgang am nächsten sonnigen und warmen Tag. Und dann? Obdach, Waben, Vorräte, Nachkommen - bei ihrem Auszug hinterlässt die alte Stockmutter ihrem Tochtervolk alles und gibt sich einem totalen Neuanfang hin.
Spätestens jetzt kommen wesensgemäß Imkernde in Schwarmstimmung und schwingen sich mit den Bienen in wilde und wundervolle Abenteuer, von denen sie noch lange erzählen werden, berichtet der Verein von seinen Erfahrungen.
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Auf diese Leistung dürfen sie stolz sein: Für ihre erfolgreiche Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben hat OB Dirk Abel Schülerinnen und Schüler aus Balingen und Umgebung ausgezeichnet. Lesen Sie hier weiter:
Initiative zeigen seit 35 Jahren
Mellifera e. V. mit Sitz in Rosenfeld setzt sich seit über 35 Jahren in ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland für eine ökologische und wesensgemäße Bienenhaltung sowie den Schutz der Bienen und ihrer Lebensräume ein. Dazu wurden im Laufe der Jahre unter dem Dach des Vereins verschiedene Initiativen gegründet.
Zu den Initiativen des Vereins zählt unter anderem die wesensgemäße Bienenhaltung. Diese orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere. Es wird davon ausgegangen, dass das gesamte Bienenvolk einschließlich seiner Waben ein Organismus ist. Mehr Informationen gibt es unter www.mellifera.de.
