Auenland-Konzept-Store: Balingens Hundeladen sagt Adieu – doch in Binsdorf geht es weiter

Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Anna (links) und Sarah Jetter schließen ihren „Auenland-Konzept-Store“ in der Balinger Innenstadt.
Sophie Holzäpfel- Auenland-Konzept-Store in Balingen schließt nach 18 Monaten – geplant als Pop-up-Projekt.
- Geschäft in Binsdorf bleibt Hauptstandort, mit bundesweitem Versand und Beratung.
- Überfall auf Sarah Jetter kurz vor Schließung – Kasse wurde ausgeraubt, sie blieb unverletzt.
- Pop-up-Store brachte mehr Aufmerksamkeit, neue Kunden und Freundschaften.
- Zukunftspläne: Weitere Pop-up-Stores möglich, Fokus vorerst auf Binsdorf.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hin und wieder gibt es Menschen, die so viel Freude in sich tragen, dass es schwierig ist, sie in einem Tief zu erleben. Anna und Sarah Jetter sind zwei dieser Menschen. Das Mutter-Tochter-Gespann – das sich eine tückisch ähnliche Stimmfarbe teilt – sitzt an einem Montagnachmittag im Büro in Binsdorf und erwartet einen Anruf von der Presse. Es gibt viel zu erzählen.
Denn die beiden entstammen demselben Familienbetrieb: dem „Auenland-Konzept“, einer „Manufaktur für feine Tiernahrung“, wie sie sich selbst titeln. Es war die Mutter von Anna Jetter, die den Betrieb im Jahr 2002 gründete, und inzwischen führt Annas Tochter Sarah die Geschicke in dritter Generation. Doch zuletzt waren die Dinge ein wenig turbulenter.
„Ich habe sowieso den schönsten Job der Welt“
„Wir sind mittlerweile erholt“, sagt das Mutter-Tochter-Gespann unisono. Am vergangenen Freitag gingen die Lichter ihres Pop-up-Stores in Balingen für immer aus. Die Schließung an sich war geplant, das haben Pop-up-Stores so an sich: Sie sollen Aufmerksamkeit erzeugen, die Leute zum Hineinschauen animieren, aber nicht auf ewig bleiben. Es ist ein inzwischen deutschlandweit bewährtes Konzept, und auch für die Jetters hat es sich gelohnt. Ursprünglich sollte es den Auenland-Konzept-Store in der Friedrichstraße nur für drei Monate geben. Jetzt, am Ende, waren es 18 Monate.
Über das Auenland-Konzept
Das Auenland-Konzept ist eine kleine Futtermanufaktur in Binsdorf, die 2002 gegründet wurde. Dort werden täglich Menüs für Hunde und Katzen hergestellt, die aus naturbelassenen Zutaten bestehen und ohne industrielle Massenproduktion auskommen.
Der selbsterklärte Anspruch der Betreiberinnen ist es, Tiernahrung herzustellen, die in Zusammensetzung und Verarbeitung möglichst nah am Selbstgekochten bleibt. Neben dem Verkauf über den eigenen Onlineshop bietet das Unternehmen Beratung an und versendet die Produkte bundesweit.
Eine intensive Zeit, insbesondere für Sarah Jetter, die den Laden in Eigenregie leitete. Sechs Tage die Woche stand sie zuletzt im Auenland-Store in Balingen und bediente Kunde um Kunde. Von „ackern“ könne man da schon sprechen, sagt Anna Jetter, und Sarah lacht ein wenig. „Aber man macht es ja auch für die Family, und ich habe sowieso den schönsten Job der Welt“, ergänzt die 22-Jährige und lacht jetzt laut. Es zu bestreiten wäre sinnlos, denn jeden Tag mit Welpen zu tun zu haben, kann sich ja nur positiv auf das Gemüt auswirken.
Deswegen habe man auch „Rotz und Wasser geheult“, als es jetzt dem Ende zuging. Auf den letzten Metern aber geschah dann noch etwas, womit wirklich niemand gerechnet hatte: Sarah Jetter wurde am helllichten Tag überfallen. Eine Vierergruppe lockte die 22-Jährige unter einem Vorwand in den hinteren Bereich des Ladens, während sie die Kasse ausraubten. Ein Schock für die Familie, den Sarah Jetter inzwischen aber gut hinter sich bringen konnte. „Ich wurde ja nicht verletzt“, sagt sie knapp eine Woche nach dem Vorfall. Gut gehen könne es einem ja aber trotzdem nicht damit, wenn das Urvertrauen in andere Menschen von jetzt auf gleich dermaßen erschüttert wird.
Als Nächstes vielleicht nach Metzingen?
Eine Achterbahn der Gefühle seien diese 18 Monate indes schon immer gewesen, aber im besten Sinne, sagt auch Anna Jetter. „Wir waren schon überrascht, wie viel Aufwand das dann doch wurde“, resümiert sie. Aber der Effekt habe gesessen: mehr Aufmerksamkeit, neue Kundinnen und Kunden, in erster Linie aber viele neue Freundschaften habe man knüpfen können. Und wer weiß? Vielleicht trauen sich die Jetters ja mal wieder an einen Pop-up-Store. Aber nicht in Balingen, gerne etwas Größeres. Metzingen? München? Stuttgart?
Die Zeit wird es zeigen, betont das Mutter-Tochter-Gespann. Jetzt gilt es erstmal, die volle Konzentration wieder auf das Hauptlager in Binsdorf zu richten. Dort bekomme man übrigens weiterhin alles, was man auch im Auenland-Konzept-Store in der Friedrichstraße bekommen hätte. Und in der Zwischenzeit wollen die beiden noch mal Dankeschön sagen. „Ein dickes Danke an Balingen“, sagt Sarah Jetter. Sie seien sehr positiv überrascht gewesen. Denn natürlich sei man anfangs in die Planungen eingestiegen und habe sich überlegt: ein Hundeladen? In Balingen? Ob das nur gut geht?
Das tat es – und noch viel besser als ursprünglich gedacht. Kein Wunder, sagt Sarah, sei man jetzt „saumäßig traurig“, dass der Pop-up-Store ja doch ein Ablaufdatum hatte. Aber an Ideen mangelt es in der Binsdorfer Manufaktur wohl nicht. Dort pflegt man ein gesundes Selbstbewusstsein: „Wir sind einfach ein geiler Laden!“

