Abschied im Zollernalbkreis
: „Streuobst-Papst“ ist im Ruhestand – aber noch nicht ganz

Markus Zehnder hat im Zollernalbkreis seit 1992 unzählige Baumfachwarte geschult und Tausenden Schulkindern den Obstbau nähergebracht.
Von
Gert Ungureanu
Zollernalbkreis
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„Am Duft kann man ihn erkennen“: Markus Zehnder (rechts) freut sich zusammen mit seinem Nachfolger Achim Beck, dass der „Muskateller Luiken“ gut angewachsen idt und viele Früchte trägt.

„Am Duft kann man ihn erkennen“: Markus Zehnder (rechts) freut sich zusammen mit seinem Nachfolger Achim Beck, dass der „Muskateller Luiken“ gut angewachsen ist und viele Früchte trägt.

Gert Ungureanu
  • Markus Zehnder, seit 1992 Experte für Streuobst im Zollernalbkreis, ist in den Ruhestand gegangen.
  • Er bildete Baumfachwarte und Streuobstpädagogen aus und brachte Schülern den Obstbau näher.
  • Seit 1991 wurden im Kreis 9500 Bäume gepflanzt – unterstützt von Kommunen und Förderprogrammen.
  • Klimawandel setzt Streuobstbäumen zu; Hitze und Dürre beeinflussen Wachstum und Erntezeiten.
  • Zehnder bleibt aktiv: Schulungen zur Obstsortenbestimmung und Fachwissen auch im Ruhestand.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alte regionale Obstsorten sind seine Leidenschaft: Seit April 1992 ist Markus Zehnder auf den Streuobstwiesen des Landkreises unterwegs, bildet Baumfachwarte und Streuobstpädagogen aus. Zum 1. September 2025 ist der „Streuobst-Papst“ in den Ruhestand gegangen, unterstützt seinen Nachfolger Achim Beck aber vorerst noch. Denn im Herbst steht eine weitere Schulung für Baumfachwarte an. Die nunmehr 18. übrigens. Und die Vorbereitungen wären für den Garten- und Landschaftsbaumeister Beck ganz ohne Unterstützung zu stressig.

Die Leidenschaft für Streuobst hat Zehnder, ein gebürtiger Schramberger, erst im Zollernalbkreis entdeckt. Davor war er bei der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg tätig gewesen. Schon damals, in den Wäldern, habe er sich für den Erhalt bedrohter Baumarten starkgemacht.

Der Obstbau hat in der Region Tradition

Im Zollernalbkreis habe er Kontakte zu den örtlichen Obstbauvereinen geknüpft. „Die älteren Baumfachwarte haben von besonderen Sorten erzählt“, sagt er, „und sie haben mir die Bäume gezeigt.“ Davon habe er dann Veredelungsreiser geschnitten, habe die alten Sorten in einer regionalen Baumschule vermehren lassen. Er weiß: Auf den Hängen der Zollernalb hat der Obstbau eine lange Tradition: „Die ersten Obstbauberater wurden bereits 1889 beim damaligen Oberamt eingestellt.“

Wir treffen uns auf der städtischen Streuobstwiese hinter dem Heselwanger Friedhof. Für Markus Zehnder ist es eine besondere Streuobstwiese, weil hier alles angefangen hat: Hier hat er nach seinem Amtsantritt mit der Altkronenpflege begonnen und später die ersten historischen Sorten gepflanzt. Ein Glücksfall sei es, dass sich die größten Streuobstwiesen im Landkreis in kommunalem Besitz befinden. Kommunen und Landkreis würden die Pflanzaktionen kräftig unterstützen. Zum Beispiel durch Übernahme der Materialkosten.

Die Stationen von Markus Zehnder

Auf die ersten Pflanzaktionen in Heselwangen folgten weitere in Hechingen, Bisingen, Rangendingen, Grosselfingen und Albstadt. Seit 1991 werden Neupflanzungen vom Landkreis gefördert – insgesamt wurden auf den Streuobstwiesen und im Bereich einiger Schulen 9500 Bäume gepflanzt. Mit Aktionen wie dem „Schwäbischen Hanami“ oder dem „Grünen Klassenzimmer“ wird kräftig geworben. Für den Streuobstunterricht an den Schulen im Kreis gibt es seit 2013 ein Förderprogramm: 301 Schulklassen haben bereits teilgenommen, rund 6000 Schüler haben gemostet und gelernt, welche Pflanzen man essen kann, welche Insekten auf den Streuobstwiesen leben.

Der 65-jährige Obstfachmann weiß aus Erfahrung: Das Lernen hört nie auf. Auch frisch geschulte Fachwarte müsse man „ähnlich wie beim Autofahren in die Praxis einführen“. Hauptaufgabe des Kreisobstberaters sei es, zu vernetzen: Privatleute, Vereine, Kommunen und Landkreis.

Vor einem jungen Baum, der sich unter der Last der rot-gelben Äpfel biegt, macht er Halt: „Am Duft kann man die Muskateller Luiken erkennen“, sagt er und nimmt eine Frucht vom Boden. Die „Fässlesbirnen“ etwas weiter an einem stattlichen Baum geben „die besten Hutzeln und einen guten Schnaps“. Eine besondere Freude ist es für den Streuobst-Profi, wenn er einen Baum entdeckt, „von dem man nicht wusste, dass es ihn überhaupt noch gibt“. Zum Beispiel die „Normannische Ciderbirne“, die man aus einer Baumschule in der Normandie eingeführt hatte, nachdem im eisigen Winter 1884/85 die Obstbäume auf der Alb erfroren waren. Ein robuster Baum, sagt er, mit schlanker Krone und kleinen Birnen. Gut geeignet, um am Straßenrand gepflanzt zu werden.

Und der Klimawandel?

Wie das aktuelle Obstjahr ausgefallen sei? Die Apfelernte sehr gut, sagt er. Bei den Birnen sei es unterschiedlich, aber ordentlich. Die Kirschernte sei ganz toll gewesen, auch Zwetschgen habe es viele gegeben. Der Klimawandel? Der sei sehr wohl zu spüren: Anhaltende Dürre mache den Bäumen zunehmend zu schaffen. Und die Hitze treibe das Obst früher zu Blüte und Reife.

Viel Wissen über alte Streuobstsorten ist in dem Buch „Streuobstbau“ enthalten, das Zehnder zusammen mit Friedrich Weller herausgebracht hat und das bereits in der vierten Auflage erscheint. Im Ruhestand zurücklehnen und entspannen? Kommt für einen wie Markus Zehnder nicht in die Tüte: Er will weiterhin – und landesweit – Schulungen anbieten. Zum Beispiel zur Sortenbestimmung.