Obsternte 2025
: Der volle Ertrag auf der Zollernalb ist bundesweit beachtlich

Man muss bei Rankings punkten, wo es nur geht. Und sei's bei Äpfeln und Birnen: Beim Obstertrag pro Baum nimmt der Zollernalbkreis in diesem Jahr deutschlandweit eine Spitzenposition ein!
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Das ist wohlgemerkt nur der zweite Ernteertrag eines Frühapfel-Mittelstammes aus der Region. Dieses Jahr hat so ziemlich alles gestimmt bei den Rahmenbedingungen, und der Ertrag ist auch im Zollernalbkreis ein voller. An der Apfelsorte im Bild haben sich übrigens schon unzählige Pomologen versucht. Leider ergebnislos.

Das ist wohlgemerkt nur der zweite Ernteertrag eines Frühapfel-Mittelstammes aus der Region. Dieses Jahr hat so ziemlich alles gestimmt bei den äußeren Rahmenbedingungen, und es hat auch nicht gehagelt. An der Bestimmung der Apfelsorte im Bild haben sich übrigens schon unzählige Pomologen versucht. Leider ergebnislos.

Ernst Klett
  • Der Zollernalbkreis erzielt 2025 bundesweit Spitzenwerte beim Obstertrag pro Baum.
  • Optimale Wetterbedingungen, kein Hagel und Regen im Juli sorgten für eine Rekordernte.
  • Neue Herausforderungen: Misteln und der "Ungleiche Holzbohrer" setzen Obstbäumen zu.
  • Frühäpfel wie "Jakob Fischer" und "Discovery" aus der Region im Handel erhältlich.
  • Markus Zehnder beendet nach 33 Jahren als Obstexperte seine Tätigkeit im Landkreis.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was für ein Spätsommer im schwäbischen Streuobstparadies! Nahezu ausnahmslos hängen die Bäume voll mit Früchten. Die in dieser Woche lancierte Nachricht der bundesweiten Rekordernte insbesondere an Äpfeln lässt sich in der Region Neckar-Alb nur bestätigen. Und der Zollernalbkreis ragt dabei sogar extraweit hervor: Das Obst rund um den Zoller ist von der Menge her im Deutschlandvergleich ziemlich weit vorne!

Das funktioniert jetzt nicht wie beispielsweise bei den Anglern oder den Jägern, die gern mit entsprechendem Latein reagieren und den Fang beziehungsweise den Jagderfolg jeden Tag noch extremer werden lassen. Nein, die kühne Behauptung mit dem bundesweiten Ranking hat Hand und Fuß. Markus Zehnder, der scheidende Fachberater des Landratsamtes Zollernalbkreis für Obst- und Gemüsebau, erklärt, wie man Ende August dazu kommt, dem Landkreis einen deutschlandweiten Spitzenplatz beim Obstertrag zu geben. Das Stichwort lautet „Ernteermittlung“.

Zehnder hat schließlich keinen reinen Bürojob in Balingen gehabt. Der Fachberater ist sehr oft aushäusig. Es sind ständig Beratungen vor Ort fällig, aber auch zum Beobachten fährt der Experte längs und quer durchs riesige Kreisgebiet. Das ist während der Obstblüte der Fall, und ebenso regelmäßig in der anschließenden Zeit. Kontrolliert werden müssen die Bestände unter anderem auf mögliche Krankheiten. Von denen gibt es leider immer mehr und immer wieder neue, weil sich das Klima ändert. Wer das hartnäckig leugnet, unterhalte sich mit einem Landwirt, einem Wein- oder einem Obstbauer!

Im Juli startet Markus Zehnder zur sogenannten Ernteermittlung. Das wird nicht über den Fachberater-Daumen gepeilt, sondern streng nach Vorschrift und exakt durchgezogen. Einzelne Bäume mit unterschiedlichen Standorten werden nach einem bundesweiten System unter die Lupe genommen: Die Früchte werden tatsächlich Stück für Stück gezählt. Zugegeben, der Gesamtbehang wird nach dem Abzählen einzelner Äste hochgerechnet. Markus Zehnder unterstreicht, dass man von diesem Ergebnis her zuverlässig auf die Erträge blicken könne. Wenn man nicht wie die Angler und Jäger – aber so etwas machen Obstbauern nicht.

Kein Vergleich zur Saison 2024

Schon im vorigen Monat war ersichtlich, dass 2025 ein Superjahr werden wird im Streuobstparadies und selbstverständlich genauso in den Hausgärten. Ein sogenannter „Vollertrag“ ist zu erwarten. Die Ernte, sagt Markus Zehnder, wird sehr gut im Vergleich zu 2024. Das freilich ist kein Kunststück. Denn im vorigen Jahr musste man aufpassen, dass einem nicht die Äpfel vom Baum gestohlen wurden, so wenig hat es damals gegeben.

Noch sind sie grün, die Gewürzluiken an diesem Hochstamm. In einiger Zeit werden sie schön weinrot sein. Dass es wieder ach so viele sein werden, stimmt den Besitzer nicht unbedingt überglücklich, auch wenn es sich um eine begehrte, weil uralte Sorte handelt.

Noch sind sie grün, die Gewürzluiken an diesem Hochstamm. In einiger Zeit werden sie schön weinrot sein. Dass es wieder ach so viele sind, stimmt den Besitzer nicht unbedingt überglücklich, auch wenn es sich um eine begehrte, weil uralte Sorte handelt.

Ernst Klett

Aber das ist heuer kein Thema. Es hat, wenn man so zurückschaut, alles gestimmt. Dabei war zunächst die Angst umgegangen, dass es wieder nichts wird. Denn im Frühjahr war teilweise extremes Schietwetter, und blühende Bäume kann man sich schenken, wenn es so nasskalt ist, dass die Insekten das Bestäuben verweigern. Aber Wildbiene & Co. müssen doch erfolgreich zu Potte gekommen sein. Die nächste Befürchtung: Es ist viel zu heiß! Der Juni war schier gar nicht erträglich für Mensch und Tier, und auch dem Obstertrag schadet eine solche Hitzeperiode. Doch der Juli mit seinem vielen Regen hat alles wieder gutgemacht: Die Früchte wurden größer und größer. Danach erneut viel Sonnenschein und teilweise nochmal Regen – so muss es sein im Obstparadies. Vor allem aber: Von Hagel und Sturm ist man dieses Jahr auf der Zollernalb verschont geblieben! Unterm Strich ergibt das den besagten Vollertrag.

Es sind nicht die Misteln allein, die Ärger machen

Seit einer kleinen Ewigkeit predigen die Fachwarte den Obstbaumbesitzern, sie müssten unbedingt auf die Misteln achten. Die mag man sich gern über den Hauseingang hängen. An einem Apfelbaum aber können die Schädlinge über die Jahre für den Garaus sorgen. Also weg damit. Das sagt sich, man muss es einräumen, leichter, als dass man es umsetzt. Insbesondere bei alten Hochstämmen sollte man besser einen Fachmann heranlassen und nicht selbst in luftige Höhen klettern.

Allerdings gibt es neuerdings schon wieder einen Fiesling, mit dem man früher nur sehr selten hat rechnen müssen: Der Ungleiche Holzbohrer (der Name ist nicht erfunden) tritt in der Regel nur lokal begrenzt auf, aber das macht es nicht besser, wenn man betroffen ist. Man erkennt sein schändliches Wirken daran, dass das Laub vorzeitig gelb wird und der ganze Ast verdorrt. Den Bohrer-Befall erkennt man, wenn man lange genug hinschaut, ebenso an winzig kleinen Löchern im Holz. Was hilft? Kräftig heraussägen!

Dabei ist es nicht allein die Menge. Fachberater Zehnder singt angesichts der geernteten Frühäpfel bereits ein Loblied auf die Qualität des Obstes. In ausgewählten Edeka-Märkten des Zollernalbkreises kann man jetzt vor allem „Jakob Fischer“ und die Sorte „Discovery“ von heimischen Wiesen kaufen, die ausgesprochen aromatisch sind. Aber aufgepasst, liebe Laien: Es handelt sich um Früh-, also keine Lageräpfel!

Was bringt der Zentner Obst?

Wenn das Angebot enorm ist, drückt das in der Regel die Preise. Aber nicht unbedingt bei einem mit viel Arbeit verbundenen Naturprodukt! Die Frühäpfel sind für knapp über einem Euro das Kilo zu haben. Wie es n einiger Zeit bei der Haupternte sein wird, kann man derzeit verlässlich nicht sagen. Er habe noch keinen Zentnerpreis vernommen, sagt Markus Zehnder. Aber der Fachmann prophezeit, dass es sicher weniger Euros fürs Obst geben wird als im Vorjahr.

Die Äste brechen schon

Dass es heftig viel Obst gibt, hat man vor kurzem beim Steinobst gemerkt. Wurden Sie ebenfalls angegangen, dass sie lieben Mitmenschen doch bitte nochmal zwei Kilo Zwetschgen abnehmen sollten? Auf den Streuobstwiesen erkennt man das Ausnahmejahr an geborstenen Ästen. Das kommt auffallend oft vor, weil der Regen eben doch nicht gereicht hat: Das Holz ist wie der Boden zu trocken und kann sich nicht dehnen. Das führt zu vielen Brüchen.

Insgesamt 33 Jahre ein Ruf wie Donnerhall

Markus Zehnder hatte diese Woche seinen fröhlichen Ausstand bei den Kolleginnen und Kollegen im Landratsamt. Der Südwest-Presse-Leserschaft ist er seit Ewigkeiten bekannt als idealer Gesprächspartner bei Themen rund ums Obst und ebenso Gemüse. Das beinahe Ewige lässt sich benennen: Insgesamt 33 Jahre war der Schramberger Fachberater bei der Zollernalbkreisbehörde! Längst hat er sich weit über das Kreisgebiet einen exzellenten Ruf als wichtiger Experte für Streuobstwiesen verschafft. Bei seiner Arbeit hat Markus Zehnder immer Wert darauf gelegt, dass er sein Wissen weitergibt: Die Fachwarte-Dichte auf der Zollernalb dürfte überdurchschnittlich hoch sein. Auch wenn der 65-Jährige trotz des offiziellen Ruhestands noch ein bissle gering beschäftigt weitermacht, gibt es inzwischen doch einen Nachfolger auf der Fachberaterstelle: Es handelt sich um Achim Beck, der bislang schon einschlägig tätig gewesen ist im Landratsamt.

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