Zirkus in Albstadt
: Zirkus Charles Knie gastiert drei Tage lang in Tailfingen

Die größte Wasserbühne Europas und jede Menge preisgekrönte Artisten präsentiert der Zirkus Charles Knie drei Tage lang auf Langenwand.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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Die Artisten des Zirkus Charles Knie freuen sich auf ihre fünf Auftritte in Tailfingen. Bis Montag gastiert der Zirkus auf Langenwand.

Rena Weiss

Auf zehn Meter Höhe stehen vier Männer auf einem dünnen Seil. Sie balancieren ihr Gewicht mithilfe von langen Stangen. Doch nicht nur sie sind darauf angewiesen, dass sie die Balance halten. Jeweils das eine Ende einer Stange hat jeder der Männer auf der Schulter liegen, darauf stehen zwei Artistinnen, die ihren Partnern in nichts nachstehen. Auch sie tragen eine Stange auf ihren Schultern, auf denen eine weitere Artistin balanciert. Eine derartige Pyramide auf dem Hochseil sei eine Seltenheit, sagt Zirkusdirektor Sascha Melnjak.

Zirkus Charles Knie in Albstadt

Er selbst liebt solch spektakuläre Darbietungen und möchte damit auch sein Publikum begeistern. Zu sehen ist die Truppe Robles auf dem Hochseil beim Zirkus Charles Knie, der am Samstag, 5. August, drei Tage lang in Tailfingen auf Langenwand gastiert. 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass bis dahin alles reibungslos klappt. Am Freitag waren sie noch damit beschäftigt, das Zelt aufzubauen. Etwa zwölf Stunden dauert es, bis alles steht. Noch bis Donnerstag war der Zirkus in Horb.

Zwölf Nationen sind in der Manege vertreten. Melnjak legt Wert darauf, die Crème de la Crème auf die Bühne zu bringen, beispielsweise der Clown César Dias. „Er ist ein Meister seines Fachs“, schwärmt der Zirkusdirektor. Er habe ihn beim Monte–Carlo–Festival gesehen. Das ist das berühmteste Zirkusfestival der Welt und zeichnete auch den Zirkus Charles Knie aus. Für Sascha Melnjak ist es auch eine Art Arbeitnehmerbörse. Wer ihm dort gefällt, versucht er auch für sein Publikum zu gewinnen und ins Programm zu integrieren.

100.000 Liter Wasser für die größte Wasserbühne Europas

Das entstand während der Pandemie. Zwei Jahre musste der Zirkus pausieren und danach wollte der Zirkusdirektor den Menschen etwas Besonderes bieten, sagt er. Das neue Konzept: Die größte transportable Wasserbühne Europas bildet das Zentrum. Mit 100.000 Liter Wasser wird sie befüllt und umrahmt die Darbietungen der Artisten mit Fontänen, die bis zu 15 Meter hoch sind. Dieses Konzept komme an: Seit der Premiere im Juni vergangenen Jahres könne der Zirkus fast 90 Prozent Auslastung verbuchen. Das haben andere Programme nicht erreichen können, sagt Melnjak.

Worum der Zirkus nicht kam, war eine Preiserhöhung. Denn auch das fahrende Volk muss die gestiegenen Kosten für Energie und Co. begleichen. „Früher hat man gesagt, der Zirkus ist das Theater des Volkes.“ Das soll der Zirkus Charles Knie auch heute noch sein. Doch die gestiegenen Kosten können nicht eins zu eins auf die Eintrittspreise umgelegt werden. Allein die Stromkosten umfassen pro Tag bis zu 700 Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 15.000 Euro. Das liege natürlich auch an den Gehältern, der allesamt ausgezeichneten Artisten. Hier soll allerdings nicht gespart werden. Um die Kosten einzunehmen, müssen es etwa 1000 Zuschauer pro Vorstellung sein, 1300 passen ins Zelt. In Albstadt sind etwa 2500 Tickets verkauft worden, für fünf Vorstellungen. Noch Luft nach oben, doch es sei eine gute Tendenz, verrät Sascha Melnjak.

Hier zeigt sich, dass auch ein traditionsreiches Unternehmen wie ein Zirkus mit der Zeit gehen muss, fügt er hinzu. Der Ticketverkauf findet fast ausschließlich online statt. „Früher war die Abendkasse mit drei Personen besetzt, heute würde wahrscheinlich eine reichen.“ Dafür häufen sich die Fragen der potenziellen Besucher. „Ein Mitarbeiter beantwortet nur E–Mails und kümmert sich um den Online–Ticketverkauf.“ Dabei geht es unter anderem darum, ob es bei niedrigen Temperaturen, wie es sie derzeit gibt, eine Heizung gibt. Ja, sagt Sascha Melnjak. Vor allem für Sonntag ist die Heizung wieder aus dem Lkw gepackt worden. „Das hatte ich im August noch nie gehabt.“ Doch der Wetterbericht sagt 13 Grad vorher.

Kalt wird es aber nicht, Gänsehaut könnten die Zuschauer angesichts der Wasser–, Laser– und Akrobatikdarbietungen trotzdem bekommen. Am Samstag, Sonntag und Montag gibt es Vorstellungen. Weitere Informationen gibt es auf www.zirkus–charles–knie.de.

Info Der Zirkus verzichtet für sein neues Konzept auf die Arbeit mit exotischen Tieren. Allerdings werden Windhunde, kleine und große Pudel und Papageien zu sehen sein. „Unseren Tieren geht es sehr gut“, sagt Melnjak. Sie werden von geschulten Tiertrainern gefördert und gehalten.