Warnung aus Meßstetten
: Hohe Hitze sorgt für Wasserknappheit – „Die Bevölkerung sollte dringend Wasser sparen“

Die Trockenheit setzt den Quellen und Brunnen der Hohenberggruppe immer stärker zu. Weil der Wasserverbrauch trotz Sparappell hoch bleibt, warnen die Verantwortlichen vor Engpässen – und erklären, was im schlimmsten Fall passiert.
Von
swp
Meßstetten
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Trockenheit in Deutschland: Trockenheit in Deutschland DEU, Deutschland, Brev?rde: Das Bild zeigt eine von Rissen durchzogene, ausgetrocknete Erdfl?che in einer Wiese am Ufer der Weser bei Brev?rde in Niedersachsen. Obwohl das umliegende Gras noch gr?n ist, deutet der aufgebrochene Boden auf anhaltende Trockenheit hin ? und das bereits im Fr?hling. Im Hintergrund sind B?ume, h?gelige Landschaft und ein bew?lkter Himmel zu sehen. Die Szene macht die Auswirkungen von D?rreperioden und fehlenden Niederschl?gen in Deutschland sichtbar. Brev?rde Niedersachsen Deutschland *** Drought in Germany DEU, Germany, Brev?rde The picture shows a cracked, dried-out area of earth in a meadow on the banks of the Weser near Brev?rde in Lower Saxony Although the surrounding grass is sti

Die Hohenberggruppe skizziert eine ernste Lage:Je länger die Hitze andauert und Regen ausbleibt, desto mehr trocknet die Erde aus. Und auch die Grundwasservorräte schwinden. Daher der dringliche Appell: Wasser sparen!

IMAGO (Symbolbild)
  • Hohenberggruppe warnt vor Wasserknappheit in Meßstetten: Hitze und fehlender Regen senken Vorräte.
  • Wasserverbrauch bleibt hoch, trotz Appell. Mehrfach über 13.000 Kubikmeter Abgabe seit dem 25. Juni.
  • Quellen im Bäratal und Tiefbrunnen im Donautal liefern weniger, Pegel deutlich unter Normalstand.
  • Nachts laufen Pumpen durch, sonst drohen leere Hochbehälter – Luft in Leitungen und nur Tropfen am Hahn.
  • Keine Notversorgung vorhanden. Reaktivierung „Neidinger Mühle“ soll in etwa zwei Jahren Entlastung bringen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sonne, Sonne, noch mehr Sonne – und kein Regen weit und breit. Und damit einhergehende Juli-Temperaturen, die man eher auf Mallorca verorten würde, statt auf der Meßstetter Albhochfläche. Was bei vielen Freude auslöst und in die Freibäder und an die Badeseen der Region treibt, verursacht bei anderen immer tiefere Sorgenfalten auf der Stirn.

Etwa den Wasserverantwortlichen des Zweckverbandes Hohenberggruppe, die um die Knappheit dieses kostbaren Guts wissen. Sie warnen eindringlich: „Bitte Wasser sparen!“ Dem Wasserspar-Appell vor zwei Wochen, als Bruthitze allen zu schaffen machte, ist die Bevölkerung bisher kaum gefolgt.

Schichtbetrieb für die Wasserversorgung

Die sehr warmen Spätfrühlings- und Sommerwochen sind für die Wassermeister und ihre Kollegen beim Zweckverband Wasserversorgung Hohenberggruppe immer heiße Wochen, und das nicht nur wegen der Temperaturen. In dieser Zeit haben sie alle Hände voll zu tun, sogar nachts, um die Versorgungssicherheit für die 28 Verbandskommunen und somit das Trinkwasser für mehr als 100.000 Bürgerinnen und Bürger zu garantieren.

Christian Berger, technischer Betriebsführer des Zweckverbandes Wasserversorgung Hohenberggruppe, und Wassermeister Christoph Müller bestätigen, dass trotz des Aufrufs kein merklicher Rückgang beim Wasserverbrauch zu spüren ist. Gleich an mehreren Tagen schnellte ab dem 25. Juni die Wasserabgabe im Wasserwerk Hammer auf mehr als 13.000 Kubikmeter. Zudem lag der Verbrauch an den meisten Tagen bei mehr als 11.000 Kubikmetern. Das ist grenzwertig.

Wassersäule 1,60 Meter unter Normalpegel

Stark zurückgegangen sind die beiden Quellschüttungen im Bäratal: „Hier haben wir beispielsweise im Winter 45 Liter in der Sekunde, in normalen Sommern rund 25 und jetzt gerade noch 20 Liter“, verdeutlicht Wassermeister Christoph Müller den heiklen Zustand. Seine langjährige Erfahrung zeige, dass erst gegen Oktober der Grundwasserspiegel wieder auf „Normalstand“ sei, vorausgesetzt, es hat reichlich geregnet. Ähnlich die Zustände bei den Tiefenbrunnen im Donautal: Eine Wassersäule von 7,20 Meter sei normal, aktuell liege der Pegel unter 5,60 Meter, warnt Müller.

Wassermeister Christoph Müller und seine Kollegen haben derzeit viel Arbeit, um die Wasserversorgung im gesamten Netz der Hohenberggruppe sicherzustellen.

Wassermeister Christoph Müller und seine Kollegen haben derzeit viel Arbeit, um die Wasserversorgung im gesamten Netz der Hohenberggruppe sicherzustellen.

Foto: Hohenberggruppe

Der Wasserverbrauch steigt bei Hitze immens an. Dabei sollte man das kostbare Nass einsparen oder zumindest äußerst sensibel und verantwortungsvoll damit umgehen. Doch stattdessen scheint es vielerorts recht unbekümmert zuzugehen: Da werden Blumen gegossen, der Hof nass abgestrahlt, Sport- und Tennisplätze bewässert, der private Rasen gesprengt, das Auto gewaschen und nicht zuletzt unzählige Pools befüllt – gemäß dem Motto: „Das Wasser kommt ja aus dem Wasserhahn.“ Dass diese Selbstverständlichkeit aber gerade in den extrem warmen Sommermonaten an manchen Tagen Spitz auf Knopf steht? Das glaubt kaum einer.

Dabei gibt es längst Beweise dafür. Am 29. Juni verteilte die Hohenberggruppe rekordverdächtige 13.447 Kubikmeter Wasser an ihre Mitgliedskommunen. Die 13.000er-Marke wurde in diesen Tagen mehrfach überschritten. Je länger aber eine Trockenphase andauert und langer, ausgiebiger Regen ausbleibt, desto größer ist die Gefahr, dass die Bürgerinnen und Bürger irgendwann sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzen. Vor allem Kommunen wie Meßstetten, Bubsheim, Schömberg und Stetten a.k.M., die wenig Eigenwasser haben und ihren Löwenanteil von der Hohenberggruppe beziehen,  könnten davon betroffen sein.

Wenn Luft statt Wasser aus den Rohren kommt

Fakt ist, so Christian Berger: „Wir können nur so viel Wasser verteilen, wie es die Quellen und Tiefenbrunnen hergeben und wir aufbereiten können.“ Nur mit immenser Anstrengung können nachts die Hochbehälter unter Volllast (die Pumpen laufen 24 Stunden durch) aufgefüllt werden. Zudem sind die Wassermeister und ihre Kollegen nachts nicht nur in Rufbereitschaft, sondern sehr häufig im Dauereinsatz. Ist das nächtliche Komplett-Auffüllen der Hochbehälter nicht mehr möglich, weil deren Reserven schon während des Tages teils gezogen werden, dann ist Schluss. „Es kommt Luft durch die Rohre“, erklärt Berger. Das ist schlecht für das Leitungssystem, und der Verbraucher erlebt zu Hause sein blaues Wunder: Statt des gewohnten Wasserstrahls tropft es nur noch aus dem Hahn.

Christian Berger ist der technische Betriebsführer der Hohenberggruppe. Er hofft sehr auf einen ausgiebigen Regen, damit sich die natürlichen Wasserspeicher im Bära- und Donautal wieder auffüllen.

Christian Berger ist der technische Betriebsführer der Hohenberggruppe. Er hofft sehr auf einen ausgiebigen Regen, damit sich die natürlichen Wasserspeicher im Bära- und Donautal wieder auffüllen.

Foto: Hohenberggruppe

Bisher keine Rückversicherung bei der Wasserversorgung

Eine Rückversicherung, also eine Art Notversorgung beispielsweise über die Bodensee-Wasserversorgung, hat die Hohenberggruppe nicht. Es war in der Vergangenheit nicht im Interesse des Stuttgarter Unternehmens, hier Kasko-Dienste für andere Wasser-Zweckverbände zu leisten. Aus gutem Grund setzt die Hohenberggruppe deshalb auf eigene Kräfte und konkret auf die Reaktivierung des Wasserwerks „Neidinger Mühle“. Ist dieses in etwa zwei Jahren erneut im Verbund, stehen mehr als 60 Liter Wasser pro Sekunde zusätzlich zur Verfügung. Die Situation dürfte sich also entspannen.

Noch ist es aber nicht so weit. Und da an diesem Wochenende die Temperaturen vielerorts wieder deutlich über 30 Grad steigen, gilt nach wie vor der dringliche Appell an die Bevölkerung: „Bitte sparen Sie Wasser in diesen Trockenzeiten.“