Virtuosen und historische Instrumente: Brahms-Tage in Albstadt begeistern Publikum

Die Brahms-Tage in Albstadt-Lautlingen fanden großen Zuspruch.
Siegfrid Braun- Die Brahms-Tage in Albstadt-Lautlingen boten sechs Konzerte an einem Wochenende.
- Kurator Michael Wendeberg spannte den Bogen von Bach bis Kurtág und las Briefe von Brahms.
- Der historische Bechstein-Flügel von 1860 prägte den Klang – die Stadt stellte ihn bereit.
- Junge Künstler überzeugten: Hagar Sharvit, Sarah Jégou-Sageman, Killian White, Giuseppe Guarrera.
- Finale „Wien, mein Wien“ mit Kreisler, Strauss und Liedern jüdischer Komponisten begeisterte das Publikum.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit sechs Konzerten an einem Wochenende haben die Brahms-Tage in Albstadt ein eindrucksvolles Zeichen für die kulturelle Strahlkraft der Stadt gesetzt. Im Mittelpunkt stand zwar Johannes Brahms, doch das von Pianist und Kurator Michael Wendeberg entwickelte Festivalkonzept spannte einen weiten musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara und Robert Schumann, Franz Liszt und Antonín Dvořák bis hin zu Anton Webern, Arnold Schönberg, Béla Bartók und György Kurtág.
Die Idee für das Festival entstand vor rund einem Jahr. Michael Wendeberg, der sich seit Langem dafür einsetzt, die bedeutende Jehle-Sammlung historischer Musikinstrumente einem größeren Publikum bekannt zu machen, gewann Siegfried Braun als Mitstreiter für das Projekt. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung im ehrenamtlichen Kulturengagement gelang es Braun, wichtige Partner zu begeistern. Die Stadt Albstadt stellte nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern auch den historischen Bechstein-Flügel von 1860 aus der Sammlung. Unterstützung kam zudem von der Sparkasse Zollernalb, die als langjähriger Förderer des Vereins Spitzenklänge die Finanzierung des Festivals ermöglichte.
Historischer Bechstein-Flügel
Jedes der sechs Konzerte stand unter einem eigenen Motto und entwickelte eine ganz besondere Atmosphäre. Maßgeblich dazu trugen die sorgfältige Werkauswahl, die von Michael Wendeberg eindrucksvoll vorgetragenen Briefe von Johannes Brahms sowie Clara und Robert Schumann und das hohe künstlerische Niveau aller Mitwirkenden bei. Das Publikum honorierte die Aufführungen mit langanhaltendem Applaus und großer Begeisterung. Viele Besucher ließen sich kein Konzert entgehen oder bedauerten, nicht alle Veranstaltungen besuchen zu können.
Neben Brahms war ein weiterer Hauptdarsteller des Festivals der historische Bechstein-Flügel von 1860 aus der Jehle-Sammlung. Das imposante Instrument, das durch die jahrzehntelange Pflege der Klavierbauerfamilie Jehle erhalten wurde, beeindruckte mit seinem nuancenreichen und kraftvollen Klang.
Wendeberg zeigt sich vielseitig
Wendeberg erwies sich dabei als vielseitiger Künstler. Ob als Solist in den Intermezzi von Brahms, als Partner des italienischen Pianisten Giuseppe Guarrera bei den ungarischen Tänzen zu vier Händen, als sensibler Liedbegleiter der Mezzosopranistin Hagar Sharvit, als Duopartner der Geigerin Sarah Jégou-Sageman oder als Kammermusiker im Brahms-Trio op. 101 und Mendelssohns Klaviertrio Nr. 2 – stets überzeugte er durch musikalische Tiefe und gestalterische Vielfalt.
Besonders hervorzuheben ist die Auswahl der jungen Künstlerinnen und Künstler, die Wendeberg für das Festival gewinnen konnte. Jeder von ihnen überzeugte mit außergewöhnlichem Können und großer Bühnenpräsenz.
Die israelische Mezzosopranistin Hagar Sharvit begeisterte mit ihrer warmen, ausdrucksstarken Stimme und ihrer großen stilistischen Bandbreite. Die Lieder von Clara und Robert Schumann gestaltete sie mit großer Innigkeit, während sie die Zigeunerlieder von Brahms temperamentvoll und mit beeindruckender Bühnenpräsenz interpretierte. Auch in Mahlers Rückert- und Wunderhorn-Liedern überzeugte sie durch feine Nuancierungen und intensive Ausdruckskraft.
Außergewöhnliche Musiker
Die französische Geigerin Sarah Jégou-Sageman beeindruckte durch ihren strahlenden Ton und ihre technische Souveränität. Gemeinsam mit Michael Wendeberg brachte sie Werke von Bach, Bartók, Ravel und anderen Komponisten auf höchstem Niveau zur Aufführung. Besonders Ravels virtuoses „Tzigane“ geriet zu einem musikalischen Höhepunkt, den beide Künstler mit bemerkenswerter Leichtigkeit meisterten.
Der junge irische Cellist Killian White überzeugte mit seinem warmen, klangschönen Ton und großer musikalischer Reife. In Werken von Robert Schumann, Antonín Dvořák, Johannes Brahms und Anton Webern zeigte er eindrucksvoll die Vielseitigkeit seines Instruments.
Auch der italienische Pianist Giuseppe Guarrera setzte starke Akzente. Neben seiner sensiblen Zusammenarbeit mit den anderen Musikern beeindruckte er als Solist mit Werken von Schumann, Brahms und Schönberg. Seine fulminante Interpretation von Liszts Mephisto-Walzer sorgte für besondere Begeisterung beim Publikum.
Hommage an Wien
Ein glanzvoller Höhepunkt war schließlich das Abschlusskonzert unter dem Titel „Wien, mein Wien“, das an die zweite Heimat von Johannes Brahms erinnerte. Mit den beliebten Alt-Wiener Tanzweisen von Fritz Kreisler entführten Jégou-Sageman und Guarrera das Publikum in die Atmosphäre eines Wiener Kaffeehauses. Es folgten Rachmaninows virtuose Bearbeitung von „Liebesfreud“, Johann Strauss’ „Rosen aus dem Süden“ für Klaviertrio sowie drei Lieder jüdischer Komponisten, eindrucksvoll interpretiert von Hagar Sharvit und Michael Wendeberg.
Spätestens nach den letzten Tönen war klar: Die Brahms-Tage haben Albstadt ein Festival beschert, das musikalische Exzellenz, historische Instrumente und künstlerische Leidenschaft auf außergewöhnliche Weise miteinander verbunden hat. Der überwältigende Zuspruch des Publikums macht Hoffnung auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Konzertreihe.
