Versorgung im Zollernalbkreis: Hohenberggruppe reaktiviert Wasserwerk für rund 6,3 Millionen Euro

Einige neue Gesichter sind unter den ordentlichen Mitgliedern des neuen Verwaltungsrates des Zweckverbandes Wasserversorgung Hohenberggruppe um ihren Vorsitzenden, Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft. Mit auf dem Bild auch Verbandsrechner Daniel Bayer, die Technische Betriebsführerin Saskia Moser-Danhel und die verabschiedete Ex-Bürgermeisterin aus Schwenningen, Roswitha Beck.
Volker Bitzer/Stadt Meßstetten- Hohenberggruppe investiert 6,3 Mio. Euro in Wasserwerk-Neidinger Mühle, Wiederinbetriebnahme 2027.
- Förderung: 2,781 Mio. Euro vom Landes-Umweltministerium.
- Wasserwerk Hammer modernisiert für 2,72 Mio. Euro, Förderantrag steht.
- Neubau Wasserwerk Langenbrunn für 8,712 Mio. Euro, Einweihung 2023.
- Wasserturm Häsenbühl betroffen, Machbarkeitsstudie notwendig.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Wasserversorgung der Städte und Gemeinden im über 100.000 Einwohner umfassenden Verbandsgebiet war in jüngster Vergangenheit zeitweise auf Kante genäht. Vor allem die trockenen Jahre 2022 und 2023 zeigten der Hohenberggruppe ihre Grenzen auf. Zwar kam immer Wasser aus dem Hahn, aber knapp wurde es bisweilen. 165 Liter pro Sekunde – das ist augenblicklich das Wassermaximum des so genannten Dargebots, das die Hohenberggruppe durch die Leitungen schicken kann. Demgegenüber steht der rechnerische Maximalbedarf von 158 Litern Wassern pro Sekunde, den die Hochbehälter Hirschbühl (120 l/s), Baienberg (15 l/s) und Rauher Bühl (60 l/s) abdecken.
Die Reaktivierung des Wasserwerks „Neidinger Mühle“ soll Abhilfe schaffen. Seit über zehn Jahren ist die Anlage außer Betrieb. Ein Strukturgutachten aus dem Dezember 2011 sagte aus, dass die Anlage aufgrund rückläufigen Wasserbedarfs nicht mehr gebraucht wird. Eine Fehleinschätzung, wie sich heute zeigt. Weil die Anlagen aber aus den 1970er-Jahren sind, müssen sie nun zunächst ausgetauscht werden, damit das Wasserwerk entlang der Donau auf den heutigen Stand der Technik kommt. Wie diese aussieht, das erläuterte Ingenieur Matthias Dreher von der Empfinger Ingenieurgesellschaft Dreher+Stetter, welche die Hohenberggruppe seit Jahren fachlich begleitet. Die Mitglieder der Verbandsversammlung staunten nicht schlecht, als ihnen in den „Lammstuben“ in Hartheim das große Vorhaben und die Kosten aufgezeigt wurden.
„Mühle“ geht 2027 in Betrieb
Rund 6,3 Mio. Euro (einschließlich Reserve) muss der Zweckverband für die Wiederinbetriebnahme sowie die Neukonzeption der Aufbereitungstechnik im Wasserwerk in die Hand nehmen. Erfreulich: Der eingereichte Förderantrag wurde vom Landes-Umweltministerium bewilligt und die Hohenberggruppe darf sich über 2,781 Millionen Euro Zuschuss freuen. Kann die angepeilte Zeitschiene für dieses Projekt gehalten werden, so dürfte die „Neidinger Mühle“ im Frühjahr 2027 wieder in Betrieb gehen. Das Wasserwerk würde dann 60 l/s einspeisen. Zusammen mit dem Wasserwerk Langenbrunn (120 l/s) und der Niederdruck-Schiene Hammer (15 l/s) würde das Dargebot also auf 195 l/s steigen und das Pumpwerk Beuron (bislang 30 l/s) wäre reine Reserve.
Sehr technisch wurde es nochmals beim zweiten Großprojekt: der Neukonzeption der Fördereinrichtungen im Wasserwerk Hammer im Bäratal. Vier der sieben Pumpen stammen noch aus den 1960er-Jahren, entsprechend gering ist mittlerweile deren Wirkungsgrad. Ganz zu schweigen von der Betriebssicherheit, sollten eine oder gar mehrere Pumpen ausfallen. 2,72 Millionen Euro, so das veranschlagte Investitionsvolumen, möchte die Hohenberggruppe deshalb in die Modernisierung des Wasserwerks stecken. Das Konzept sieht nicht nur neue und regelbare Pumpen, sondern auch Druckstoßkessel, Messtechnik und Elektronik auf Höhe der Zeit vor. Ein Förderantrag auf Zuschussmittel wurde auch hier gestellt. Jedoch: „Aufgrund des von der Ampel ausgebliebenen Haushalts 2025 sind wir vom Fördergeber informiert worden, dass Anträge vor dem vierten Quartal 2025 nicht bewilligt werden“, informierte der Verbandsvorsitzende, Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft, die Versammlung.
Waldhof-Projekt und die Wasserversorgung
Wie bedeutsam Investitionen in eine moderne und digital-sichere Infrastruktur der Wasserversorgung sind, verdeutlichte der Verbandschef nicht nur anhand zunehmender Trockenperioden, sondern auch mit Blick auf die Weltpolitik und die damit einhergehende Bedrohungslage. Energieversorger und eben auch Wassernetze würden zunehmend ins Visier von Hackern und Cyberangriffen geraten, so Frank Schroft. Im Zuge der Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit ist die Hohenberggruppe sogar ganz konkret betroffen.
Sollte die Bundeswehr das seit Jahren heiß diskutierte Absprunggelände Waldhof zwischen Dormettingen und Rosenfeld realisieren, müsste der dortige, verbandseigene Wasserturm Häsenbühl (100 Kubikmeter Speichervolumen) weichen. Dieser ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die Wasserversorgung zwischen der Hohenberggruppe, dem Zweckverband Wasserversorgungsgruppe Kleiner Heuberg und dem Zweckverband Wasserversorgung Hohenzollern. Die Anlage samt Versorgungsleitungen, die auf der geplanten Landebahn liegen, müsste an anderer Stelle neu errichtet werden. „Der Wasserturm Häsenbühl ist unentbehrlich; die Komplexität der Thematik habe ich dem Staatsministerium Baden-Württemberg ausführlich schriftlich dargelegt“, erklärte Frank Schroft, der für den weiteren Fortgang nun auf eine Machbarkeitsstudie durch ein qualifiziertes Ingenieurbüro drängt.
Größte Maßnahme der Geschichte
Bis ins letzte Detail aufgeschlüsselt sind die Wasser- und andere Bilanzen im Jahresabschluss 2023, den Daniel Bayer erläuterte. Der Verbandsrechner, zugleich auch Meßstetter Stadtkämmerer, ging dabei nochmals auf die wichtigsten Punkte ein. So freilich auch auf die bislang größte Investitionsmaßnahme in der Geschichte der Hohenberggruppe: den Neubau des Wasserwerks Langenbrunn mit rund 8,712 Mio. Euro. Dieses wurde im Sommer 2023 feierlich eingeweiht und ist das Rückgrat des Zweckverbandes.
Verwaltungsrat formiert sich neu
In der Folge der jüngsten Kommunalwahl müssen auch die Organe des Zweckverbandes Wasserversorgung Hohenberggruppe neu gewählt werden. Wiedergewählt wurden Verbandsvorsitzender Bürgermeister Frank Schroft (Meßstetten), als Erster Stellvertretender Vorsitzender Bürgermeister Thomas Miller (Rosenfeld) und als Zweiter Stellvertretender Vorsitzender Bürgermeister Benedikt Buggle (Böttingen).
Weitere ordentliche Mitglieder des Verwaltungsrates sind: Bürgermeister Markus Hugger (Spaichingen), Oberbürgermeister Dirk Abel (Balingen), Bürgermeister Gerhard Reichenegger (Wehingen), Bürgermeister Christian Abert (Kolbingen), Bürgermeister Oliver Schmid (Geislingen), Bürgermeister Karl-Josef Sprenger (Schömberg), Bürgermeister Ewald Hoffmann (Schwenningen), Bürgermeister Fabian Biselli (Denkingen), Bürgermeister Maik Lehn (Stetten a.k.M.), Bürgermeister André Kielack (Gosheim).
Stellvertretende Mitglieder sind: Stadtrat Alexander Efinger (Spaichingen), Stadtrat Klaus Hahn (Balingen), Bürgermeister Albin Ragg (Deilingen), Bürgermeister Thomas Leibinger (Bubsheim), Bürgermeister Jens Keucher (Sulz), Bürgermeister Anton Müller (Dormettingen), Stadtrat Ernst Berger (Meßstetten), Bürgermeister Jörg Alisch (Nusplingen), Ortsvorsteher Bruno Pozzi (Stetten a.k.M.-Storzingen), Bürgermeisterin Marion Maier (Dotternhausen).
Verabschiedet aus dem Gremium wurde Schwenningens Ex-Bürgermeisterin Roswitha Beck. Der Verbandsvorsitzende Frank Schroft dankte der einst ersten Frau im Kreise des Verwaltungsrates für ihr langjähriges Engagement seit 2016 und überreichte ihr einen Geschenkkorb.
