Absprunggelände bei Geislingen: Ist das ein gutes Geschäft, Herr Pistorius?

SPD-Bundestagsabgeordneter Robin Mesarosch (rechts), der selbst Mitglied der BI ist, übergibt das Schreiben an Verteidigungsminister Boris Pistorius.
BI Waldhof- Bürgerinitiative Waldhof kritisiert geplantes Absprunggelände bei Geislingen.
- Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius von SPD-Abgeordnetem Robin Mesarosch überreicht.
- Gründe gegen das Projekt: fruchtbarer Boden, archäologische Funde, ungeeigneter Boden, Fluglärm, Windverhältnisse.
- Bundeswehr widerspricht in Teilen, Gutachten werden noch erstellt.
- BI hinterfragt wirtschaftlichen Nutzen für Baden-Württemberg.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Widerstand gegen das geplante Absprunggelände auf dem Waldhof-Areal reißt nicht ab. Die Bürgerinitiative wendet sich in einem Brief direkt an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Bundestagsabgeordneter Robin Mesarosch (SPD) überreichte diesen am Mittwoch in Berlin. Das Schreiben liegt auch der Redaktion der SÜDWEST PRESSE vor.
Die Bürgerinitiative macht aus ihrem Unmut keinen Hehl: „Gäbe es einen Wettbewerb zum Thema ‚Welche Fläche ist am wenigsten geeignet als Flugplatz und Absetzgelände für Fallschirmspringer der KSK-Einsatztruppen und der US-Streitkräfte?‘ würde das Land Baden-Württemberg mit großem Abstand den ersten Preis gewinnen“, heißt es in dem Brief. Die Bürgerinitiative nennt mehrere Gründe, weshalb das Waldhof-Areal bei Geislingen aus ihrer Sicht für diesen Zweck ungeeignet ist.
Fruchtbarer Humus
So wird unter anderem der für die Landwirtschaft kostbare Boden angeführt. Ein Thema, das auch im September beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Sprache kam. „Auf dem Waldhof handelt es sich um fruchtbarste Böden mit einem extrem hohen Humusgehalt von neun Prozent, die durch den Bau des Flugplatzes aus der Nahrungsmittelproduktion komplett herausfallen würden“, heißt es im Brief an Pistorius. Die Initiative beruft sich dabei auf Auswertungen des Diplom-Agraringenieurs Ulrich Steimle, der den Waldhof derzeit bewirtschaftet. Der fruchtbare Humus-Boden habe bei der Begehung im September auch bei Kretschmann Eindruck hinterlassen, unterstreicht die Initiative, die behauptet, dass diese Flächen ein Jahr lang 2500 Haushalte mit Getreide versorgen könnten.
Ein weiterer Grund gegen das geplante Absprunggelände: Die archäologischen Schätze, die sich hier unter der Erde befinden. Auch hierzu fügte die Initiative in ihrer Mail an unsere Redaktion ein Schreiben bei, dieses Mal vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen in Stuttgart. Auf Anfrage teilte dieses der BI mit, dass sich archäologische Zeugnisse von der Jungsteinzeit bis in die Römerzeit auf dem Planungsgebiet befänden. Bestünde Gefahr, dass diese durch die Absprung-Pläne zerstört würden, müssten sie durch Rettungsgrabungen gesichert werden. Grabungen, die laut BI zu Verzögerungen und hohen Kosten führen würden.
Für eine Naturpiste ungeeignet?
Apropos Boden: Dieser sei grundsätzlich für eine geplante Naturpiste ungeeignet. Denn unter dem Humus befindet sich eine Tonschicht, die trotz Entwässerungseinrichtungen das Abfließen des Wassers erschwert. Die Folge: Mit schwerem Gerät bleibt man in der Erde schnell stecken. Im Brief an den Verteidigungsminister meint die BI dazu: „Eine sogenannte Graspiste wird nicht reichen. Die Landebahn wird sehr viel tiefer ausgehoben und befestigt werden müssen, um ein Steckenbleiben der Flugzeuge zu verhindern.“
Auch Kritikpunkte wie Fluglärm, Beeinträchtigungen für den Verkehr, potenzielle Auswirkungen auf die beiden anliegenden Hühnerhöfe oder Natur- und Artenschutz-Belange listet die Initiative in ihrem Schreiben auf. Auch die hohen Windgeschwindigkeiten (13,5 Knoten im Jahresdurchschnitt) und wechselnde Windverhältnisse machten das Waldhof-Areal als Übungsgelände untauglich, heißt es.
Auf Gutachten warten
Zumindest was die Windgeschwindigkeit angeht, hatte ein Sprecher der Bundeswehr bereits widersprochen. Im Rahmen der Testflüge im vergangenen Sommer teilte dieser mit, dass Sprünge auch bei Windgeschwindigkeiten von bis 15 Knoten möglich seien. Zu den anderen Kritikpunkten hieß es bereits damals: Man müsse die diversen Gutachten, die derzeit noch angefertigt werden, und deren Ergebnisse abwarten.
Zurück zum Pistorius-Schreiben: Der große Gewinner des geplanten Absprunggeländes sei das Land Baden-Württemberg, dem das betroffene Areal gehöre, so die BI. Es erhalte die Kaufsumme für die Flächen, die Folgekosten würden hingegen vom Bund getragen. Die Verfasser des Schreibens verknüpfen ihr Fazit mit einer Frage an den Verteidigungsminister: „Aus Sicht des Landes Baden-Württemberg ein prima Geschäft. Aus Ihrer Sicht auch?“
