Tierheim in Albstadt-Tailfingen: Sind Tierheime zu streng bei der Vermittlung? Das sagt der Tierschutzverein Zollernalb

Lena Wissmann und Katze Lucy verstehen sich blendend. Bei der Vermittlung legen die Mitarbeiterinnen des Tierheims in Tailfingen viel Wert darauf, dass das Verhältnis zwischen Halterin und Katze passt. ⇥
Maik Wilke„Wir wollen die Tiere nicht einfach loswerden“
Das betont auch Dr. Günter Wiebusch, Vorsitzender des Tierschutzvereins Zollernalbkreis als Träger des Tierheims. Das Argument, Tierheime seien überfüllt und müssten daher froh sein, die Tiere zu vermitteln, greife nicht: „Wir wollen die Tiere nicht einfach loswerden, sondern sie an die richtigen Menschen vermitteln.“ Wären die Ansprüche geringer, würden viele Hunde und Katzen früher oder später wieder im Tierheim landen. Das gilt es zu vermeiden, sagt Wissmann: „Wir wollen die Tiere nur einmal vermitteln.“
Fast alle Katzen sind Freigänger – Wohnlage ist entscheidend
Die Ansprüche seien folglich aus gutem Grund hoch. Gerade bei Katzen ist die Wohnlage möglicher Halterinnen und Halter ein entscheidendes Kriterium. „Nahezu alle unserer Katzen sind Freigänger. Ältere Hauskatzen sind die Ausnahme“, sagt Wissmann. Der Radius des Reviers eines Freigängers kann bis zu 2000 Quadratmetern betragen – das birgt viel Freiheit, aber ebenso viele Gefahren. Viel befahrene Straßen stehen einer Vermittlung daher im Weg. Wenn das der einzige Grund für eine Absage ist, haben Wissmann und Dr. Wiebusch durchaus Verständnis für den Unmut der Interessierten. Doch im Sinne des Tiers müssen sie so entscheiden – und es gibt andere Fälle, wo mehr nicht passt als die Wohnlage.
Viele Gespräche im Vorfeld
Immer wieder kommt es vor, dass „Tierliebhaber“ ihr eigenes Wohl in den Vordergrund stellen. „Wenn jemand im vierten Obergeschoss eine Freigänger-Katze halten und den Balkon entsprechend umgestalten möchte, geht das weit an der Realität und an Tierwohl vorbei“, berichtet Dr. Günter Wiebusch und schüttelt mit dem Kopf. Auch das Alter spielt eine Rolle. „Einer betagteren Frau werden wir keine Babykatze vermitteln“, sagt Wissmann. Lediglich in Ausnahmen kann das vorkommen. „Dann sprechen wir aber vorab mit den Verwandten der Frau, um sicherzustellen, dass jemand bei der Pflege der Katze unterstützen oder sich im Todesfall komplett um die Katze kümmern kann.“
Gespräche im Vorfeld sind ohnehin der Schlüssel für eine erfolgreiche Vermittlung. Wenn möglich, sollten sich künftige Halterin oder Halter und das Tier zwei bis drei Wochen vor der Vermittlung täglich sehen. Das schafft Vertrauen und Bindung – und es zeigt dem Tierheim, dass die Interessenten es ernst meinen. Die Tierpfleger haben ein gutes Gespür und hören genau zu: Wenn sich Aussagen der künftigen Tierbesitzer widersprechen, ist ein Aspekt nicht gegeben: ein Vertrauensverhältnis zwischen Tierheim und Halter. „Wir pflegen auch nach der Vermittlung einen guten Kontakt zu vielen Haltern“, sagt Lena Wissmann.
Zu jeder Vermittlung gehört eine Nachkontrolle. Nach einem halben Jahr besuchen die Mitarbeiterinnen des Tierheims Tailfingen das neue Zuhause der Tiere und schauen, ob Hund oder Katze beim neuen Halter glücklich sind. „Wenn die Tiere uns kurz freudig begrüßen, und dann gleich zum Herrchen oder Frauchen gehen, ist das das schönste Zeichen für uns“, sagt Dr. Wiebusch.
Personalkosten sind die höchsten Ausgaben
Die monatlichen Ausgaben des Tierheims Zollernalbkreis sind im Vergleich zu Vor-Corona von 3000 Euro auf 4000 Euro monatlich gestiegen. Über Futterspenden freue man sich natürlich immer, doch oft sind Geldspenden wichtiger: „Die Personalkosten sind der größte Posten. Eine gute Betreuung durch die Pflegerinnen kommt den Tieren direkt zu Gute – aber wir können die Mitarbeiterinnen nicht mit Tierfutter bezahlen“, sagt Dr. Günter Wiebusch, Vorsitzender des Tierschutzvereins als Träger des Tierheims.
Alle Informationen zum Tierheim und wie man spenden kann, finden Interessierte unter www.tierheim-tailfingen.de.




Tiere in Albstadt und Balingen:Tierhliebhaber sein und Tierhalter sein sind keine Synonyme
Darauf zu verzichten, Hund oder Katze bei sich aufzunehmen, ist in bestimmten Fällen tierlieber als eine Haltung unter schlechten Bedingungen.