Tafel in Albstadt: Großer Andrang trifft auf immer weniger Lebensmittel
Manuela Heider, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, ihre Kollegin Ulrike Münster und Susanne Feil, Fraktionsvorsitzende der Grünen, besuchten neulich die Albstädter Tafel in der Bühlstraße 7 in Ebingen. Schon von weitem war die Schlange der wartenden Kunden zu sehen, obwohl die Tafel erst eine halbe Stunde später öffnet. „Dies sei ganz und gar nicht ungewöhnlich“ erläuterte Harald Gerstenecker, Marktkoordinator der Albstädter Tafel. Denn auch die Kundinnen und Kunden wissen, dass nicht alle gespendeten Lebens- und Verbrauchsmittel bis zum Ladenschluss reichen.
Secontique: Hier werden langzeitarbeitslose Menschen in den Arbeitsmarkt integriert
Zwar versuche man mit einem ausgetüftelten Einlasssystem für Chancengerechtigkeit zu sorgen, sodass zumindest ein Wechsel der Wochentage und der Vormittags- und Nachmittagseinkaufszeiten reguliert werden, aber letztendlich hat immer die erste Person, die den Laden betritt, die beste Auswahl. „Was aber die beste Auswahl ist, steht erst am Vortag fest, wenn die Transporter mit den gespendeten Waren kommen. Eine klassische Warenwirtschaft mit planbaren Größen kann es daher bei uns nicht geben“ erläutert Gerstenecker den Gästen. Eine spontane Einkaufsregel muss an jedem Tag entschieden werden, die besagt, wie viele Artikel von welchen Produkten die Kundinnen und Kunden überhaupt einkaufen dürfen. „Dies zu verstehen, im Gegensatz zu einem Einkauf bei einem Discounter oder einem Einzelhandelsgeschäft, fällt vielen Kunden schwer.“ Diskussionen um den Einkauf seien an der Tagesordnung.
„Kein einfacher Job für die vielen Ehrenamtlichen“, berichtet Anja Lüders, Ehrenamtskoordinatorin bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. „Schließlich wollen die Ehrenamtlichen helfen, das ist ja ihre zentrale Motivation. Wenn man dann aber jemandem vielleicht die zweite Packung Mehl verweigern muss, das ist schon sehr bedrückend.“
Anzahl der Tafel-Kunden explodiert
Die Tafel ist ein überwiegend ehrenamtliches Projekt und möchte eine Brücke schlagen zwischen Mangel und Überfluss. „Viele Menschen sind empört darüber, dass einerseits eine hohe Anzahl an Lebensmitteln vernichtet wird, es aber andererseits Menschen gibt, die Not leiden müssen. Genau an dieser Stelle möchten unsere Ehrenamtlichen aktiv werden und mitwirken, damit dies zumindest lokal wieder etwas ins Lot kommt“, resümiert Lüders.
Zu dieser eh schon schwierigen Situation ist nun vor einigen Monaten eine neue Problematik hinzugekommen. Die Anzahl der Tafelkundinnen und -kunden ist regelrecht explodiert. Gründe hierfür liegen einerseits darin, dass die Teuerungsraten seit 2021 in nahezu allen Lebensbereichen viele Menschen mit geringen Einkommen noch stärker unter Druck setzen und die Tafel für sie eine der wichtigsten Optionen darstellt, günstige Lebensmittel zu erhalten. Andererseits hat die Zunahme an geflüchteten Menschen auch zu mehr Besucherinnen und Besuchern im Tafelladen geführt. Hinzu kommt die vielfache Annahme, dass die Tafel die Versorgung sicherzustellen habe.
Es ist und bleibt ein Ehrenamtsprojekt
Lüders betont deshalb ganz deutlich, dass die Tafel keinen Auftrag von der Stadt Albstadt und gar dem Landkreis hat, eine flächendeckende Versorgung von armutsgefährdeten oder in Armut lebenden Menschen oder von geflüchteten Menschen sicherzustellen. Es ist und bleibt ein Ehrenamtsprojekt, das versucht, Lebensmittelverschwendung zu verhindern und zugleich einkommensschwachen Menschen diesen Überfluss zuzuführen.
„Unsere Lebensmittelspenden sind nicht mit dem Anstieg der Kundinnen und Kunden mitgewachsen und auch die strukturellen Gegebenheiten der Albstädter Tafel können kaum so vielen Bedürftigen einen Einkauf ermöglichen.“ Mit diesen Worten führt Gerstenecker die Stadträtinnen durch die kleinen und engen Räumlichkeiten der Tafel. „Bei unserem letzten Besuch im November haben wir das zwar bereits gesehen und waren etwas schockiert, obwohl wir die Tafel außerhalb der Öffnungszeiten besucht hatten, aber die Situation nun im realen Kontext mit Kunden und im Verkauf zu erleben, macht die Enge nochmal ganz anders deutlich“, sagt Manuela Heider.
Um in dieser außerordentlichen Notsituation überhaupt handlungsfähig zu bleiben, sah sich die Tafel gezwungen, die Berechtigungen zum Einkauf drastisch einzuschränken. „Wenn zu viele Menschen zu viele Lebensmittel einkaufen wollen, gibt es faktisch keine andere Möglichkeit. Ansonsten hätten wir „Wildwest-Methoden“ unter den Kunden befördert und auch die ehrenamtlich Tätigen einem unzumutbaren Stress aussetzen müssen. Der Kampf um die knappen Ressourcen kann nicht über das Recht des Stärkeren in der Warteschlange ausgetragen werden“ betont Lüders. Aber die Entscheidung, wer nun weiterhin einkaufen darf, erzwingt ein Ranking in der Armut.
Die Albstädter Tafel ist ein Projekt der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. Das Team würde sich wünschen, dass sich die Stadt Albstadt wie auch der Landkreis Gedanken machen, wie die Tafel künftig für die vielen einkommensschwachen Bürger und Bürgerinnen ein angemessenes Angebot machen kann. Denn viele, die bisher Klienten waren, sind nun von dieser Möglichkeit abgeschnitten, da die Einkaufsberechtigungen nicht weiter verlängert werden können. Mit diesem Wunsch verabschiedeten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tafelladens die Stadträtinnen und bedankten sich für deren Interesse und natürlich für deren tatkräftige Unterstützung! Die Stadträtinnen wiederum zeigten sich nach ihrem Einsatz beeindruckt davon, wie höflich und wertschätzend das ehrenamtliche Personal die Kunden behandelt, und dass die meisten Klientinnen, die sie bedient hatten, aus der Ukraine stammen.
Spenden für den Tafelladen willkommen
Der Tafelladen ist mehr denn je auf Spenden angewiesen. Wer die vielen bedürftigen Menschen unterstützen will, kann dies auch über eine Geldspende machen: Caritas Alb-Donau, Bank für Sozialwirtschaft, Swift-BIC: BFSWDE33XXX, IBAN: DE97 3702 0500 0001 7892 00 , Verwendungszweck: Albstädter Tafel


