Städtepartnerschaft Meßstetten/Luynes: Delegation erkundet die Partnerstadt

Die imposante Kulisse im Innenhof von Schloss Blois bietet sich bestens fürs traditionelle Erinnerungsfoto an: Die Meßstetter Luynes-Fahrer samt ihrer französischen Freunde.
Volker Bitzer/Stadt Meßstetten- Städtepartnerschaft Meßstetten/Luynes feierte 40-jähriges Jubiläum.
- Besuch im Loiretal mit Schloss Blois und „Haus der Magie.“
- Cadre Noir: Besuch der berühmten Reitschule.
- Mittagessen in Höhlenrestaurant und Weingut Ackerman.
- Partnerschaftsabend im Gemeindesaal, neuer Termin im September.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Loiretal gehört zu Frankreichs beliebtesten Urlaubszielen. Mehr als 400 Schlösser, Burgen und Herrenhäuser reihen sich wie Perlen auf einer Kette entlang des Flusses samt dessen Nebentälern. Mittendrin liegt Luynes. Die außergewöhnliche Schlösser-Dichte, die wohl auf der ganzen Welt ihresgleichen sucht, hat politisch-historischen Hintergrund. Zu Zeiten des Hundertjährigen Krieges war die Loire noch Grenzfluss und somit natürliches Bollwerk zum von England besetzten Norden.
Dass zu einem Loiretal-Aufenthalt und somit zu einem Partnerschaftstreffen folglich auch immer eine Schlossvisite gehört, darauf haben sich die Meßstetter und ihre französischen Freunde eingestellt, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt Meßstetten heißt. Dieses Mal führte der Trip ins Châteaux Royal de Blois. Die Anlage, die sich heutzutage mittig in die Stadt einfügt, gilt mit seiner architektonischen und historischen Synthese als einzigartiges feudales Gebäude im Loiretal. Wie hier Baustile unterschiedlicher Epochen unter der Ägide von sieben Königen und zehn Königinnen verschmelzen, davon überzeugten sich die Meßstetter bei einer Führung selbst.
Auf den Spuren des Steppenwolfs
Nach ein paar Stunden zur freien Verfügung war das nächste Ziel gerade einmal gut 100 Meter vom Schloss entfernt. Ob sich Hermann Hesses Steppenwolf-Protagonist Harry Haller auch so gefühlt haben muss, als er durchs „Magische Theater“ wandelte und nach dem Sinn des Daseins suchte? Jedenfalls durften die Meßstetter und ihre französischen Gastgeber die scheinbare Widersprüchlichkeit des Lebens im „Haus der Magie“ hautnah erfahren. Am Ende verließ ein jeder das „Maison de la magie“ mit seinem beeindruckenden Nachlass des großen Jean Eugène Robert-Houdin mit der tiefgreifenden Erkenntnis, dass es trotz Ratio und physikalischen Gesetzen nur schwerlich Antworten auf alle Fragen gibt – es lebe die Illusion.
Dicht terminiert war der Samstag, an dem es um kurz nach 8 Uhr losging. Cadre Noir – das ist, wie der Name vermuten lässt, die französische Kaderschmiede im Pferdesport. Die berühmteste Reitschule des Landes, die auf 211 Jahre Geschichte zurückblickt, entstand – wie so vieles – aus militärischer Notwendigkeit heraus. Heute pflegt das Reiter- und Ausbildungskorps die französische Reitkunst auf sportlicher Ebene. Stolz werden die unzähligen Auszeichnungen und Trophäen im Foyer der Reithalle präsentiert. Drinnen werden die Besucher mit einer Lichtershow begrüßt, bevor die Dressurreiter mit ihren Tieren zu Musik von Beethoven bis Smetana ihr Können zur Schau stellen.
Abstecher zum Weingut
Ein wahres Erlebnis war das Mittagessen in „Les caves de Marson“, einem Restaurant, das in eine Höhle gebaut ist. Die Gasträume sind auf insgesamt drei nebeneinander liegenden Ebenen, die durch riesige Gänge verbunden sind. Gleich am Eingang des Lokals steht ein Steinofen, an dem der Maitre de fouées diese regionale Spezialität zubereitet. Fouées ähneln den hierzulande bekannten Dinnete und munden mit verschiedenen Brotaufstrichen oder einfach gesalzener Butter vorzüglich. Dazu gibt es noch Bohnen-Eintopf mit Kuttelwurst und den obligatorischen Tischwein.

Die Meßstetter Delegation hatte bei bestem Wetter schöne Stunden über den Dächern Frankreichs.
Volker Bitzer/Stadt Meßstetten„Nach dem Essen sollst Du ruh’n oder tausend Schritte tun“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Warum nicht beides nach dem üppigen Mahl? Nach einer kurzen Busfahrt erkundete man mit einer deutschen Stadtführerin das Städtchen Saumur. Dieses beherbergt auch das 1811 gegründete Weingut Ackerman, heute bekannt für Crémant de Loire. Bis es aber soweit war, hatte der traditionsreiche Betrieb viele Tiefen zu überwinden. So überzogen die Rivalen aus der Champagne den Gründer Jean-Baptiste Ackermans mit Prozessen, die über seinen Tod hinaus andauerten. Die Folgen sind noch heute spürbar: So dürfen die Crémants aus Saumur nicht mit „méthode champenoise“ beschrieben werden, sondern müssen als „méthode traditionnelle“ bezeichnet werden. Das tut laut Pressemeldung den feinen Weinen aber keinerlei Abbruch – davon durfte sich die Reisegruppe Luynes-Meßstetten überzeugen. Die leckeren Tröpfchen sollten aber zunächst verdient sein. Beim Rundgang durch einen kleinen Teil der insgesamt sieben Kilometer langen, in den Fels gehauenen Gänge, Hallen und Kathedralen unter Tage, tauchten die Gäste ein in die Geschichte der Schaumweinproduktion und der Historie von Ackerman, der auch als Pionier des Flaschengärungsverfahrens gilt. Dann hieß es verkosten, drei Cremants wurden kredenzt.
Altersspanne von zwei bis 90 Jahren
Das Highlight an diesem Tage war der Partnerschaftsabend im Gemeindesaal, den „des halles de Luynes“. Das Dreigänge-Menü, das die benachbarten Restaurant-Köche auftischen ließen, war ein Genuss für den Gaumen. Nix nouvelle cousine, weder überladen noch etepetete, sondern bodenständig-lecker, aber mit der erwarteten Raffinesse. Die drei Speisen zeigten, warum es „Leben wie Gott in Frankreich“ heißt.
Da wurde in diesen Tagen wieder bewusst, warum sich ein Besuch in Meßstettens Partnerstadt lohnt. Traumhafte Schlösser, gute Küche, vor allem aber herzliche Gastfreundschaft. Sehr breit war die Altersspanne der diesjährigen Reisegruppe – von der zweijährigen Laetitia bis zum 90-jährigen Jens Körner. Der Senior ist sogar einer der Gründerväter der Städtepartnerschaft, wenn man so möchte. Schon bei der Besiegelung des Vertrags zwischen Luynes und Meßstetten im Jahre 1984 war der ehemalige Rektor des Meßstetter Gymnasiums mit dabei.
Neuer Termin im September
Weil es keinen offiziellen Festakt mit Ansprachen gab, dafür umso mehr Zeit in den Familien, nutzte Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft am Montagmorgen vor der Heimreise die Minuten des Abschieds, um „Merci“ zu sagen. Sich zu bedanken bei vorbildlichen Gastgebern und allen Mitreisenden, welche die „Jumelage“ am Leben halten. Er bedankte sich beim französischen Partnerschafts-Komitee und insbesondere Jean-Claude Gasser, der mit seinem perfekten Deutsch als bewährter Reiseführer und Organisator nicht wegzudenken ist. Ebenso galt ein Dank jenen, die auf deutscher Seite die Fäden ziehen: Christina Eppler und Thorsten Steidle – beide leben die Städtepartnerschaft mit Leib und Seele. Ein Wiedersehen gibt es im kommenden Jahr. Der Meßstetter Schultes und sein französischer Amtskollege Bertrand Ritouret vereinbarten den Zeitraum 17. bis 21. September für den Gegenbesuch der französischen Freunde auf dem Großen Heuberg.
211
Jahre alt ist die Reitsportschule „Cadre Noir“, in der die Reisegruppe aus Meßstetten unter anderem zu Gast war während des Besuchs in Luynes.
