Der junge Mann dreht sich vom Bildschirm weg. Er hat verloren. Er überlegt, ob er noch eine Wette platzieren soll. Doch ein Freund zieht ihn weg – genug gespielt für heute. Diese gespielte Szene in einem Werbespot eines Wettanbieters hat nichts mit der Realität zu tun. Denn in den Wettbüros in Albstadt, Balingen und Co. wird niemand kommen, um einen Spielsüchtigen zu warnen. Wer spielsüchtig ist, spielt oft allein. Der Werbespot suggeriert falsche Sicherheit.
Und das vermitteln auch die vielen Fußballbundesliga-Profis, die (wohl vom Verein und deren Sponsorenverträgen gezwungen) in der Werbung auftreten. Dass ihre Leistung auf dem Platz die Sportwetter nur interessiert, damit sie einen Haken auf dem Tippschein machen können, scheint egal zu sein. Nicht falsch verstehen: Für den Großteil derjenigen, die neben dem sportlichen Ereignis auch mit kleineren oder mittleren Einsätzen Sportwetten platzieren, ist die Suchtgefahr überschaubar. Doch es geht bei Schutz vor Sucht immer um einen kleinen Teil – und dieser sollte besser geschützt werden.
Mehr Aufmerksamkeit, mehr Präsenz. Der Gesetzgeber muss die Spielsüchtigen schützen, statt von den Einnahmen zu profitieren. Diese Einnahmen fließen ohnehin zum Teil wieder in Beratungs- und Hilfsangebote. Und die Falle der Verschuldung schnappt schnell zu. Nach ein paar falschen Einsätze versuchen Spieler, die Verluste mit höheren Beträgen auszugleichen – die Rechnung geht nicht auf.

Man gewöhnt sich schnell an hohe Summen

Denn selbst wenn ein kurzfristiger Ausgleich geschafft wird dank einer erfolgreichen Wette, gewöhnt man sich schnell daran, höhere Summen einzusetzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Wette schiefgeht, und dann sind die Verluste ungleich höher. Die Schulden sind die eigentliche Falle – sie erhöhen den Druck auf den Süchtigen, der sich an die Wand gedrängt fühlt. Familie und Freunde werden belogen, das Problem lange verheimlicht. Zu lange. Oft können Martin Weise und Beratungsstellen wie die Diakonie spät eingreifen.

Verbot von Nikotinwerbung als Vorbild

Dabei gibt es ein Vorbild, an dem sich die Politik leicht orientieren könnte: die Nikotinsucht. Das Werbeverbot für Tabakerzeugnisse „hat sehr schnell einen spürbaren Effekt gehabt“, sagt Martin Weise. Erst mit Corona und der dadurch entstandenen Unsicherheit stieg die Zahl junger Raucher wieder. Ob ein Werbeverbot für Sportwetten helfen könnte? Mit den Stars des Fußballs zu werben, hilft sicher nicht. Und nur Flyer in die hinterste Ecke der Wettbüros zu legen, darf nicht reichen. Die Gefahr der Spielsucht gehört raus aus dem Kleingedruckten.