Solarpark in Albstadt: Solarpark soll bis Oktober fertig sein
Etwa 80 Hektar groß soll der landesweit größte Solarpark werden. Das entspricht 100 bis 112 Fußballfeldern, je nach Größe der Felder. Entstehen soll der Solarpark oberhalb von Neckarzimmern, was im Neckar-Odenwald-Kreis liegt. Ganz so groß sollen die Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Lautlingen nicht werden. Fast 30 Hektar sind im Gewann „Haslen“ und im Bereich „Oberer Berg“ geplant. Seit Jahren steckt die Stadt Albstadt in der Planung. Kürzlich stimmte der Gemeinderat den Bebauungsplänen mehrheitlich zu und auch der Gemeinsame Ausschuss Albstadt/Bitz hatte keine Einwände gegen die Änderung des Flächennutzungsplans.
Nicht blind vor sich hin digitalisieren
Vor etwa zwei Jahren wurde der Aufstellungsbeschluss gefasst, erinnert sich Silke Wolf, die das Projekt begleitet. Dass jetzt die Bebauungs- und Flächennutzungspläne beschlossen werden konnten, sei für derartige Verfahren ein zügiger Ablauf. Silke Wolf muss es wissen. Ist sie Diplomingenieurin Architektur und Stadtplanung und arbeitet bei der Stadt als Bauleitplanerin. Sie kennt Aufstellungsverfahren, die beispielsweise aufgrund von geologischen Gutachten und Grundstückskäufen gut und gerne fünf Jahre gedauert haben. Gerade bei Änderungen von Flächennutzungsplänen könne der Ablauf kaum auf unter zwei Jahre reduziert werden. Zumindest nicht, wenn man die Vorplanung mit berücksichtigt.
Bau noch in diesem Jahr
Bei den Solarparks in Lautlingen geht es jetzt nur noch um Formalitäten. Das Regierungspräsidium muss die Beschlüsse bestätigen und die Pläne werden ausgelegt. Das soll nächste Woche geschehen, so Wolf. Mit großem Widerstand rechnet die Stadtplanerin nicht, schließlich lagen die Pläne teils bereits aus. Ein Bürger hatte sich bislang diesbezüglich gemeldet. Mehr Kritik gab es aus den Gremien, doch auch hier war die Mehrheit letztlich für die Änderungen und sprach sich damit für die beiden Solarparks aus.
Wie geht es jetzt weiter? „Der Bauantrag für den südlichen Park steht“, sagt Wolf. Der Investor wolle noch dieses Jahr damit fertig werden. Die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen sei der Investor, die wpd GmbH bereits im Februar angegangen. Im Sommer, im Juni und Juli, sollen die „lautstarken Arbeiten“, wie es Silke Wolf beschreibt, erfolgen. Die Rede ist von Bohrungen, damit die Metallständer für die Photovoltaikanlage verankert werden können. Zusätzlich muss die Straße ausgebaut und geschottert werden. Bis Oktober soll der Solarpark Süd stehen.
Fläche größtenteils von Wald umgeben
Das Plangebiet hat eine Größe von etwa 12,79 Hektar und befindet sich rund eineinhalb Kilometer südlich des Siedlungsgebiets von Lautlingen, 850 Meter westlich der Kreisstraße 7151 und 650 Meter nördlich der K 7143. Südlich grenzt der Teilbereich an die Gemarkung der Stadt Meßstetten, Gemarkung Hossingen. Die Fläche wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Im Norden und Süden grenzt der Teilbereich an landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Im Osten und Westen des Teilbereiches befinden sich Waldflächen. Es handelt sich um einen Südhang. Auf der Fläche befinden sich vereinzelt Gehölze.
Nördlicher Solarpark kommt später
Die Flächen gehören einem Eigentümer und werden von einem Pächter bewirtschaftet. Mit dem Eigentümer und Pächter besteht Einigung für die zukünftige Nutzung.
Der nördliche Solarpark im Bereich „Oberer Berg“ wird vermutlich noch etwas auf sich warten lassen. Dafür wurde noch kein Bauantrag gestellt, verrät die Stadtplanerin. Die Fläche befindet sich etwa 600 Meter südlich des Siedlungsgebiets von Lautlingen und 350 Meter westlich der K 7151. Die Fläche wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Der Bereich ist von allen Seiten mit Wald umwachsen. Lediglich im Westen grenzt der Bereich geringfügig an landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Es handelt sich um einen Nord-/Osthang. Die Fläche des Bebauungsplanes beträgt etwa 16,89 Hektar.
Maximal vier Meter Höhe
Für beide Solarparks sind Module geplant, die eine Höhe von vier Metern nicht überschreiten dürfen. Die nördliche Anlage soll 10,2 Megawatt Strom erzeugen. Der erzeugte Strom wird vom Betreiber ins Netz gespeist. Unter welchen Konditionen und wie viel sie einspeisen dürfen, müssen die Betreiber selbst mit den jeweiligen Stromanbietern verhandeln. „Das ist nicht immer einfach“, sagt Silke Wolf.
Stadt profitiert mehrfach
Die Stadt indessen profitiert von diesem Vorhaben mehrfach. Baden-Württemberg hat sich in seinem Klimaschutzgesetz zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 Klimaneutralität mit Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Es bleiben also nur noch wenige Jahre Zeit, um dieses Ziel zu erreichen. Daher ist es zwingend notwendig, den Ausbau der erneuerbaren Energien radikal zu beschleunigen, heißt es vonseiten des Staatsministeriums. Entsprechend den Bestrebungen des Gesetzgebers den Anteil aus erneuerbaren Energien erzeugten Stromes bis zum Jahr 2035 auf 100 Prozent (bis zum Jahr 2030 auf 80 Prozent) zu erhöhen, plant der Vorhabenträger (wpd) die Errichtung von Freiflächenphotovoltaikanlagen auf der Gemarkung Lautlingen, teilt die Stadt mit, die damit einen Teil beiträgt.
Pachteinnahmen sollen in Stifung fließen
Doch damit nicht genug: Der Stadt bleibt ein nicht unerheblicher Anteil an den Gewerbesteuereinnahmen. Zudem versprach der Eigentümer des Geländes bereits zu Beginn der Planung seine Pachteinnahmen in eine Stiftung einzubringen. Diese Stiftung soll Lautlingen unterstützen.
Darüber hinaus erfüllt die Stadt mit den Solarparks Lautlingen die Vorgaben des Regionalverbands Neckar-Alb. Demzufolge muss Albstadt etwa 27 Hektar für erneuerbare Energien bereitstellen.
Anfragen für PV-Freiflächenanlagen nehmen zu
Die Landesregierung hat in ihrem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg (KlimaG BW) vom 7. Februar 2023 ambitionierte Ziele für die Energiewende gesteckt. Zur Erreichung der Netto-Treibhausneutralität sollen die Gesamtemissionen bis 2040 verringert werden, bis 2030 um mindestens 65 Prozent. Dazu sei es notwendig, mindestens 0,5 Prozent der Fläche außerhalb des Siedlungsbereichs in jeder Region Baden-Württembergs für die Energieerzeugung mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu bebauen.
Das Interesse an solchen Anlagen ist groß. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte im Januar die Ergebnisse der Ausschreibung für PV-Freiflächenanlagen: „Noch nie gab es bei einer Ausschreibung von Freiflächenanlagen eine derart große Beteiligung. Mit einer eingereichten Gebotsmenge von 5,48 Gigawatt und 574 Geboten wurde die Ausschreibungsmenge von 1,61 Gigawatt fast dreieinhalbmal überzeichnet.“ Damit ist dies der Gebotstermin mit sowohl der höchsten Anzahl an Geboten als auch der mit der größten Gebotsmenge in dieser Technologie, schreibt die Bundesnetzagentur in einer Pressemitteilung.
Auch die Stadt Albstadt hat neben den Solarparks in Lautlingen weitere Anfragen erhalten. Sei es von Solarfirmen, Investoren und Eigentümern. Auch deswegen hat der Gemeinderat im Herbst Kriterien für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen beschlossen. Wichtig sind der Stadt unter anderem die Umweltverträglichkeit. Hinzu kommen Auflagen durch den Regionalplan. Die Stadt selbst habe ebenfalls Flächen im Blick, die für Solaranlagen infrage kommen. Ins Detail kann Silke Wolf noch nicht gehen.


