Sanierung B463 im Zollernalbkreis: Es gibt keine perfekte Lösung für alle: So verlaufen die Umleitungen
Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera“, brachte es Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer am Dienstagabend auf den Punkt. Er begrüßte rund 400 Besucher in der Turn- und Festhalle in Laufen. Dem Ort, dem eine 16-monatige Umleitung durch die Sanierungsarbeiten am Tunnel, an Brücken und an Fahrbahnen bevorsteht.
Sperrung in den Faschingsferien gab Ausblick auf Stau während den Bauarbeiten
Dass allgemein in der Bevölkerung wenig Begeisterung herrscht, dürfte jedem klar sein. Auch den Männern, die die Maßnahme und auch die Umleitungsstrecken im Einzelnen erläuterten und damit den Unmut der Bürger auf sich zogen. Und weil die verkehrstechnischen Beeinträchtigungen von Juli 2024 bis November 2025 die Gesamtstadt Albstadt, die Gesamtstadt Balingen und die Region betreffen werden, fanden sich sowohl Balingens Bürgermeister Emilio Verrengio als auch die Albstädter Bürgermeister Udo Hollauer und Steve Mall zur Informationsveranstaltung ein.
„Um niemanden über Gebühr zu belasten“, so Oberbürgermeister Tralmer, habe man die ursprüngliche Planung modifiziert und alle denkbaren Alternativen erörtert. Das Stadtoberhaupt nahm Bezug auf die Variante, dass einige Zeit lang der Verkehr, der sonst im Tunnel in Laufen fließt, durch den Ort in der Balinger Straße umgeleitet wird, wozu man diese Straße zuvor baulich verbreitern müsse. Ein Schachzug, der nicht bei jedermann gleich gut ankommt.
Warum wird der Laufener Tunnel saniert?
Warum man den Tunnel auf der B 463 in Laufen überhaupt ertüchtigen muss, darauf ging Baureferatsleiter Gunther Junginger vom Regierungspräsidium (RP) Tübingen näher ein: „Wir bauen, weil es notwendig ist, und nicht, um jemanden zu ärgern.“ Die gesamte Technik im Tunnel ist veraltet: von der Beleuchtung über die Lüftung, den Wechselverkehrszeichen, Notrufnischen, der Videoüberwachung, den Lautsprecheranlagen und Brandmeldeanlagen bis hin zu Sensoren. Nach 20 Jahren bedarf es hier eines technischen Updates, um die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer weiter gewährleisten zu können.
Auch baulich liegt so manches im Argen. An den Blockfugen kommt es immer wieder zu Eisbildung, das Betriebsgebäude muss infolge der modernen Technik erweitert werden, es geht um Löschwasserleitungen, Entrauchungsanlagen oder die Sanierung der Wände und des Fahrbahnbelags. Die Liste ließe sich noch erweitern. Alles in allem müsse man hierfür realistischerweise 16 Monate Bauzeit ansetzen, so der Vertreter des RP, das für den Erhalt und die Instandsetzung von Bundesstraßen und Ingenieurbauwerken wie Tunneln im Zollernalbkreis zuständig ist.
Mehrere Arbeiten zugleich
Damit man die Anwohner, Pendler, Zulieferer und Gewerbetreibenden nicht immer wieder Umleitungsstecken zumuten müsse, will man in Albstadt notwendige Baumaßnahmen bündeln und deshalb gleichzeitig auch einen Ersatzneubau für die Brücke über die Eyach in Laufen in Angriff nehmen, die Brücke über den Meßstetter Talbach in Lautlingen sanieren und Fahrbahndeckenerneuerungen von Dürrwangen bis Laufen, von Laufen bis Lautlingen und innerhalb Lautlingens in Verbindung mit Wasserleitungs- und Stromverlegungsarbeiten durchführen.
Es wurde ein großes Maßnahmenpaket geschnürt, welches einer guten Koordination bedarf. Deshalb hat das beauftragte Ingenieursbüro Schothauer und Wauer im vergangenen Jahr an 15 Knotenpunkten Verkehrszählungen durchgeführt und, basierend darauf, ein Verkehrsführungskonzept mit Änderung der Vorfahrtsregelung an vier Knotenpunkten sowie Einrichtung von zwei Voll-Lichtsignalanlagen, zehn Teil-Lichtsignalanlagen und drei Fußgängerlichtsignalanlagen erarbeitet, wie es bei den Planern heißt.
Bei der letzten Hauptprüfung habe die Brücke über die Eyach nur noch die Note 3,3 erhalten, erläuterte Jürgen Grauer vom RP, den man übrigens während der nächsten beiden Jahre immer wieder vor Ort im Baubüro antreffen dürfte. Die 3,3 klinge im ersten Moment gar nicht so schlecht, bedeute aber laut Richtlinien für die Verkehrssicherheit des Bauwerks: „nicht ausreichender Zustand“. Eine „ungenügend“ gäbe es für die 3,5. Da lohne sich laut Grauer auch keine Sanierung mehr, sondern müsse ein Ersatzbauwerk her. Und dabei muss man die Laichzeit der Fische berücksichtigen. Bautätigkeiten dürfen hier nur zwischen Juli und September ausgeführt werden.
Bahnübergang ist keine Option
Und überhaupt gilt es – bei uns in Deutschland – jede Menge Gesetze und Verordnungen einzuhalten, welche die Planung solch einer Maßnahme nicht gerade erleichtern. Eine Umleitungsstrecke über den Bahnübergang: ausgeschlossen. Mehrfach wurde während der Diskussion mit den Bürgern diese Lösung gefordert, bis Baureferatsleiter Junginger klare Worte fand: Die Deutsche Bahn ließe in dieser Beziehung nicht mit sich verhandeln. Ganz im Gegenteil. Er zitierte eine Aussage von Seiten der Bahn: „Wenn auch nur ein einziger Lkw auf dem Bahnübergang stehen bleibt, dann wird dieser Bahnübergang für alle Zeiten gesperrt.“
Eine innerörtliche Umleitung durch Laufen? Im Begegnungsverkehr von Lkw muss die Straße eine Breite von mindestens 6,35 Metern aufweisen, aber in der Balinger Straße sind es lediglich 5,2 bis 5,5 Meter. Hier kommt nun die Stadtverwaltung Albstadt ins Spiel, die vor der Tunnelsanierung die Durchgangsstraße verbreitert, sich die geschätzten Kosten von 400 000 Euro mit der Stadt Balingen und dem Zollernalbkreis teilen will, und nach Abschluss der Maßnahme alles wieder zurückbauen. Allerdings fallen dadurch Parkplätze entlang der Balinger Straße weg, was ebenfalls für Verärgerung bei den Bewohnern und Gewerbetreibenden Laufens sorgt.
Alle müssen durch Laufen
Der Plan sieht momentan wie folgt aus: Ab Juli 2024 wird zwei Monate lang der Verkehr aus Richtung Lautlingen über Margrethausen, Pfeffingen, Zillhausen und Stockenhausen nach Dürrwangen umgeleitet. Anschließend gibt es für zehn Monate eine Durchfahrt durch Laufen über die Balinger Straße in beide Richtungen, dann wird für vier Monate wieder wie zu Beginn umgeleitet, wobei es in Lautlingen zu einer leicht veränderten Verkehrsführung kommt.
Zu Beginn und gegen Ende der Sanierungsarbeiten wird sogar für jeweils zwei bis drei Wochen, während der Umlegung der Glasfaserkabel in der Behelfsbrücke, der gesamte Verkehr weiträumig umgeleitet.
Umleitungspläne während der 16 Monate
Juli bis August 2024: Zwei Monate soll der Verkehr aus Richtung Lautlingen über Margrethausen, Pfeffingen, Zillhausen und Stockenhausen nach Dürrwangen umgeleitet werden.
September 2024 bis Juni 2025: Zehn Monate lang fließt der Verkehr in beide Richtungen durch die Balinger Straße in Laufen.
Juli bis Oktober 2025: Bis zu vier Monate soll der Verkehr aus Richtung Lautlingen über Margrethausen, Pfeffingen, Zillhausen und Stockenhausen nach Dürrwangen umgeleitet werden. In Lautlingen wird eine andere Verkehrsführung als zuvor gewählt.
Jeweils zwei bis drei Wochen zu Beginn und am Ende der Bauarbeiten wird der gesamte Verkehr aus beiden Richtungen über Pfeffingen umgeleitet. Die Glasfaserkabel an der Behelfsbrücke werden nämlich umgelegt.
60
Kilometer Kabel und vielleicht sogar noch mehr werden im Tunnel in Laufen neu verlegt. Das entspricht einer Strecke von Albstadt bis an den Bodensee.







