Bei jedem Schritt mit den schweren Skistiefeln knacken die Eiskristalle. Die Sonne reflektiert sich auf dem weißen Meer. Skifahren auf schneebedeckten Bergen ist auf der Schwäbischen Alb noch ein gewohnter Anblick. Nicht erst dieser Winter zeigt jedoch: Die Schneetage werden weniger. Das bekommt auch der Turn- und Sportverein Nusplingen zu spüren, der den Skilift Hart betreibt und Loipen spurt.
In der aktuellen Saison konnte der Lift noch keinen Tag geöffnet werden. Die wenigen Schneetage im Dezember reichten nicht aus, sagt Jochen Wizemann, Leiter der Ski-Abteilung. Vergangene Saison sah es nur geringfügig besser aus: Etwa eine Woche lag genug Schnee. 2020/2021 war indes eine schneereiche Saison gewesen.

Kein Skifahren möglich, dank unbeständigem Wetter

Das Wetter wird unbeständiger. Darauf stellt sich die Ski-Abteilung ein. Ein im vergangenen Jahr erstelltes Loipenkonzept und die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer ermöglichen schnelles Handeln, sobald genügend Schneeflocken liegen bleiben. Bislang waren bis zu 40 Zentimeter Schnee nötig, um mit dem Pistenbully Loipen zu ziehen. Mit einem nun angeschafften Motorschlitten mit Spurgerät kann nicht nur bei weniger Schnee die Strecke präpariert werden, sondern auch in weniger Zeit und mit geringerem Benzinverbrauch. „Mit dem Bully sind wir sieben bis acht Stunden unterwegs, jetzt nur noch drei bis vier“, freut sich Jochen Wizemann. Hinzukommt eine Skating-Spur. Während früher nur klassische Loipen gespurt werden konnten, können dank des neuen Spurgeräts auf der Gesamtlänge von 35 Kilometern inzwischen klassische und Skating-Spuren präpariert werden. Zudem verbraucht der Motorschlitten etwa sechsmal weniger Diesel.
Das spart natürlich Geld. Die Loipen zieht der Verein auf Spendenbasis und erhält Zuschüsse von den Gemeinden, in denen die Loipen sind: Nusplingen, Schwenningen und Bärenthal. Für ihre Skikurse wird eine Gebühr zwischen 27 und 36 Euro verlangt – je nach Alter. Die Skikurse sind die Haupteinnahmequelle für die Abteilung, um das Betreiben des Lifts, das Loipenspuren sowie die Skihütte zu finanzieren. Dafür werden Kinder und Erwachsene von erfahrenen Skilehrern trainiert, betont der Vorsitzende. „Wir bringen zudem Leidenschaft mit und wollen, dass unsere Teilnehmer etwas lernen.“

Skikurse sind nach wie vor beliebt

Deswegen wird die Teilnehmerzahl pro Kurs auch nicht erhöht. Mit maximal 30 Teilnehmern pro Kurs sei gewährleistet, dass die Grundlagen des Skifahrens gelernt werden können. An Anfragen mangelt es dem Verein nicht. Mehr als 120 Anmeldungen jährlich gehen beim TSV Nusplingen ein. Davon sind durchschnittlich etwa zehn Erwachsene an einem Kurs interessiert.
Allerdings zeigt sich auch hier die Unbeständigkeit des Wetters: Die Anmeldungen werden der Reihe nach eingeteilt. Wer spät dran ist, kommt möglicherweise erst in der vierten Gruppe unter. Liegt die ganze Saison über jedoch nur an einem Wochenende Schnee, kann die Ski-Abteilung nur einen Kurs mit 30 Teilnehmern stattfinden lassen. Die Anmeldungen gehen daher immer früher ein: „Die ersten bekommen wir schon im August.“
Eine Beschneiungsanlage kommt für den Verein nicht infrage. Neben dem Klimaaspekt – für künstlichen Schnee wird Frischwasser verschwendet – rechnet es sich nicht. Der kleine Verein müsste einen Beschneier über Jahrzehnte abbezahlen, so Wizemann.
Der Verein setzt daher auf ehrenamtliche Unterstützung, wie bei der Hütte. Diese wurde erst in Eigenleistung renoviert. Geheizt wird sie mit Holz, sodass auch die gestiegenen Energiepreise keine Rolle spielen. Doch die Fixkosten wie für Holz und die jährliche TÜV-Untersuchung bleiben. Deswegen wurden die Liftpreise um 50 Cent erhöht. „Wir hatten aber die vergangenen fünf Jahre keine Preiserhöhung mehr.“ So soll sich der Skilift auch künftig finanziell tragen können.

Team präpariert Strecke mit Herzblut

Der gesamte Ski-Ausschuss hofft indes auf schneereiche Monate. Dann geht es ganz schnell. Das Ausschussteam präpariert die Strecke teils noch vor der Arbeit damit er am Nachmittag unter der Woche von einem engagierten 14-köpfigen Rentnerteam und am Wochenende zudem vom Ausschuss betrieben werden kann. „Wir haben drei Neuzugänge“, sagt der Vorsitzende zum Unter-der-Woche-Team. „Alle sind mit Herzblut dabei.“
Das Skifahren auf der Schwäbischen Alb gibt er nicht auf, „wir müssen eben spontan sein und die wenigen Schneetage optimal nutzen“.

Skiliftpreise rund um die Schwäbische Alb

Die größten Kostentreiber für Skilifte sind die Energiepreise. Hinzukommt, dass die Lifte auf der Schwäbischen Alb meist kleiner sind, von Vereinen oder Privatpersonen als Nebenerwerb betrieben werden. Dass ein variables System wie beim Liftverbund Feldberg angewendet wird, ist daher keine Option. Dort sind die online ausgezeichneten Preise von der Auslastung der Anlagen abhängig. Der Mindestpreis für eine Erwachsene-Tageskarte beträgt 39 Euro. Die Liftbetreiber auf der Alb seien deutlich kleiner und hätten nicht die entsprechenden technischen Möglichkeiten für ein variables System, so Louis Schumann, Geschäftsführer des Tourismusverbands. Kunstschnee werde auf der Schwäbischen Alb nicht produziert.
Laut Schumann werden die Preise für die Skilifte auf der Schwäbischen Alb recht einheitlich sein, wobei sich die Wintersport-Arena in Lichtenstein im oberen Preissegment befindet, weil es dort mehr Lifte und Rahmenprogramm gibt. „Durch den eingeführten Mindestlohn steigen die Löhne um 15 Prozent und die Energiekosten sind exorbitant gestiegen“, sagt Jochen Gekeler von der Wintersport-Arena in Lichtenstein (Kreis Reutlingen). Deswegen habe es Überlegungen gegeben, die Preise um 20 Prozent zu erhöhen. Nun seien es zwölf Prozent mehr. „Eine Tageskarte für Erwachsene kostet jetzt 30,50 Euro, vorher waren es 27,30 Euro gewesen.“ Eine Ermäßigung in Höhe von 30 Prozent gebe es aber auf die auf der Homepage ausgewiesenen Preise von Montag bis Freitag. Der Wintersportverein in Ebingen im Zollernalbkreis teilte mit, man wolle die Preise erhöhen, sei aber noch in Abstimmung.