Ritterschlag in Straßberg
: Albstadts OB Roland Tralmer wird zum „Raubritter“

Zu den Höhepunkten der Fasnet in Straßberg gehört der Ritterschlag. Am Donnerstagabend wurde Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer diese hohe Ehre zuteil.
Von
Horst Schweizer
Straßberg/Albstadt
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  • Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer erhält in Straßberg den Ritterschlag.⇥

    Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer erhält in Straßberg den Ritterschlag.⇥

    Horst Schweizer
  • Grund zum Schunkeln gibt es allemal.

    Grund zum Schunkeln gibt es allemal.

    Horst Schweizer
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Was für eine Zeremonie im Ratssaal, was für eine ausgelassene fröhliche Stimmung in den proppenvollen Rathaushallen, wo sonst die Köpfe der Gemeinderäte rauchen, wenn sie sich mal wieder mit Steuern befassen müssen.

Mit Pauken und Posaunen zogen einheimische Musiker um Josef Ungermann mit Fasnetshits ein, die gleich zum Mitwippen ansteckten. Die politische Prominenz war beim Burgnarrenverein gut vertreten, ebenso Gemeinderäte, auch aus Albstadt — natürlich dem Chef zuliebe — sowie Vertreter der Vereine, durch deren Wirken es in Straßberg doch so schön wäre, so der einheimische Schultes Markus Zeiser in seiner Büttenrede.

Feinstaub–Eldorado

Er grüßte viele Gäste aus nah und fern, die eigens zum Ritterschlag gekommen waren. Unter ihnen auch Landrat Günther–Martin Pauli und der von oben herab angerannte Kollege Frank Schroft aus Meßstetten, um die Laudatio auf den neuen, den nunmehr 45. Ritter zu Straßberg, zu halten. „Was wären wir ohne tolle Faschingstage?“, meinte der bestens gelaunte erste Burgvogt Daniel Nagraszus in seiner Narrenrede.

„Eigentlich wollte sich Beinahe–Ritter Cem Özdemir die Ehre geben, doch der Aufruhr um den Landwirtschaftsminister war zu groß, da durch 1000 Traktoren der Ort zum Feinstaub–Eldorado geworden wäre“. Daher habe Schultes Zeiser kalte Füße bekommen, nun sei der benachbarte Oberbürgermeister Roland Tralmer an der Reihe, so der Burgvogt.

Zu kalt für Klimakleber

Denn Proteste gebe es wie Sand am Meer: Bauern, GDL, Flugpersonal, Kreiskrankenhaus und Klimakleber. Diese, so habe er erkannt, machten gerade Pause, denn im Winter klebe keine Hand auf kalter Straße. Daher seien zu dieser Jahreszeit die Bauersleut dran, hätten sie doch Heizungen in ihren Traktoren.

Daniel Nagraszus tauschte die Rolle in der Bütt mit dem Meßstetter Schultes Frank Schroft für dessen Laudatio zum neuen Burgritter Roland Tralmer. Es war nicht nur erstaunlich, sondern zugleich beeindruckend, welches lyrische Talent im Bürgermeister vom Heuberg steckt.

„Ich freue mich auf das heutige Spektakel, es wird sicher auch kein Debakel, der Özdemir er kommt heut‘ nicht, er hat Probleme beim Bauerngericht. Auf den Ritterschlag wollt‘ man aber auch heuer nicht verzichten, drum müssen‘s jetzt die Schwarzen richten“. Drum komme halt jetzt ganz unverhofft, Albstadts Tralmer und Laudator Schroft.

Keine Lückenbüßer

„Als Lückenbüßer sehen wir uns nicht, darauf hinzuweisen ist unsere Pflicht“, meinte der Schultes. Kollege Tralmer nannte er auch einen Krisenmanager mit klarem Blick, der für Ruhe und Klarheit sorge auf allen Wegen.

Bekannt sei, dass dessen Kassen leer seien, „daher, Straßberger nehmt euch nur in Acht, der Tralmer kämpft so manche Schlacht, er wird versuchen, mit viel Tücke, zu schließen seine Haushaltslücke“, so Frank Schroft launisch. „Das hat er schon bei mir probiert, da war er aber angeschmiert, Groß-Albstadt hat halt schlicht kein Geld und sucht danach in aller Welt“, so der freudige Laudator.

Zitternd auf den Knien

Burgfalken–Vize Torben Wissmann leitete den Ritterschlag ein. Diesen führte Daniel Nagraszus durch, ein leichtes Zittern war dem knienden Albstädter OB schon anzumerken. Verständlich, man hat ja nicht alle Tage, zudem vor den Augen von Ehefrau Kristina, ein Schwert am Hals. Ernannt wurde er zum Burgritter „Roland Hannebler Majoris“, die größte Auszeichnung, die es in Straßberg gibt.

„Ich bin von der Rührung fast übermannt, da ich ja fast im Ausland bin“, meinte der Geehrte fast ironisch. Und drohte „mich kriegt ihr nicht mehr los“, denn er wäre nicht ohne Plan erschienen, schaue sich in Hohenzollern nach Haushaltsresten um, die da liegen blieben „und mache sie mir als Raubritter zu eigen“, so der neue Ritter schelmisch.

Dann wurde im Ratssaal auch mit „Fliege mit mir in die Heimat“ gesungen und geschunkelt, bevor die Burgnarren und -falken vor dem Rathaus bei lauten Böllern und begeisternder Musik Bürgermeister Markus Zeiser die Schlüssel abnahmen und bis Aschermittwoch nun das Kommando in der Schmeiengemeinde übernommen haben.