Projekt in Meßstetten: Kommt bald grünes Licht für das Gesundheitszentrum?

Das neue Gesundheitszentrum soll an diesem Platz entstehen. (Archivbild)⇥
Stadt Meßstetten/Volker BitzerDie Bagger hätten schon längst anrücken können, doch bisher tut sich in der Hossinger Straße in Meßstetten nichts. Denn für das geplante Gesundheitszentrum muss die Bundesregierung erst noch die gesetzlichen Hürden beseitigen. Bald könnte der Stein aber ins Rollen kommen.
Die Benevit-Gruppe will zwei Gebäude errichten. Im ersten Bau sollen Arztpraxen, eine Apotheke, eine Tagespflege für Senioren, ein städtischer Kindergarten und eine Sozialstation untergebracht werden. Das zweite Gebäude beherbergt 56 Wohnplätze für pflegebedürftige Senioren und neun weitere barrierefreie Wohnungen.
Kosten sind gestiegen
Schätzungsweise 16 Millionen Euro soll das Projekt kosten, sagt Kaspar Pfister, geschäftsführender Gesellschafter der Benevit-Gruppe. Die Bauverzögerung schlägt sich auch auf die Kosten nieder. Vor fünf Jahren, als die Planungen begonnen hatten, lagen die Schätzungen noch bei rund 11 Millionen.
„Eigentlich wollten wir schon längst mit dem Bau beginnen“, sagt Pfister auf Nachfrage. Doch dafür muss erst das Pflegekonzept von der Bundesregierung ermöglicht werden. „Stambulant“ – also eine Kombination aus ambulant und stationär – nennt sich dieses neue Modell. Das Konzept verspreche laut Pfister eine bessere Versorgung zu geringeren Kosten.
Investor fordert Klarheit
„Die Vorteile von beiden Systemen werden zu einem neuen Konzept vereint“, erklärt Pfister die Idee dahinter. Dies führe zu einem effektiveren Personal- und Ressourceneinsatz. „Angehörige können, wenn sie wollen, aktiv Aufgaben übernehmen und dafür auch Pflegegeld erhalten. Im Endeffekt führt dies zu mehr Individualität, einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit, und Bewohner verbessern sich in nicht wenigen Fällen in ihrem Allgemeinzustand, sodass sie im Pflegegrad zurückgestuft werden können oder wieder nach Hause gehen können.“
Die Benevit-Gruppe erprobt dieses Modell seit acht Jahren in ihrer Einrichtung in Wyhl am Kaiserstuhl. Dort habe man gute Erfahrungen gemacht, „auch wenn diese lange Hängepartie sehr viel Kraft kostet und wir endlich Klarheit brauchen“, beklagt Pfister. Denn ein weiteres Modellprojekt ist nicht erlaubt. Damit das Konzept in Meßstetten umgesetzt werden kann, muss das Sozialgesetzbuch XI geändert und „Stambulant“ somit rechtlich verankert werden. Und dieser Prozess zieht sich. „Diese Hängepartie ist für alle katastrophal und lässt eine seriöse Aussage für den Baubeginn nicht zu“, sagt Pfister.
Positive Resonanz
Mittlerweile wurde das neue Konzept genauer unter die Lupe genommen. Der Bundesregierung liegt ein Abschlussbericht des IGES-Instituts vor. Das Forschungs- und Beratungsinstitut beschäftigt sich mit Infrastruktur- und Gesundheitsfragen und hat die Umsetzung des „Stambulant“-Konzepts in Wyhl untersucht. „Alle wissenschaftlichen Evaluierungen, so auch zuletzt IGES, kommen zu einem absolut positiven Ergebnis“, teilt Pfister auf Nachfrage mit.
Aus der Politik sei die Resonanz positiv: „Alle pflegepolitischen Sprecher der Ampel haben sich für ‚Stambulant‘ ausgesprochen, und auch aus der SPD-Bundestagsfraktion kommen positive Aussagen“, berichtet Pfister. Ob dies dann zu einer gesetzlichen Verankerung führt, werde sich im parlamentarischen Verfahren zeigen. „Mir wurde mitgeteilt, dass dies im ersten Quartal 2024 auf den Weg gebracht werden soll“, so der Benevit-Chef.
16
Millionen Euro soll das Meßstetter Gesundheitszentrum schätzungsweise kosten. Das sind fünf Millionen Euro mehr als noch zu Beginn der Planungen.
