Bürgermeister Frank Schroft: Das sind 2024 die wichtigsten Projekte in Meßstetten

Der Wahlsieg am 24. September war der persönliche Höhepunkt für Frank Schroft. ⇥
Jennifer DillmannOb Stuttgart, Berlin oder Brüssel: Was die „große Politik“ bestimmt, müssen die Kommunen umsetzen. Frank Schroft verrät in unserer Interview–Serie, wie diese Herausforderungen in Meßstetten angegangen werden.
Herr Schroft, erst der Ukraine–Krieg und die Energiekrise, dazu noch Klimawandel, jetzt der Nahost–Konflikt: Mittlerweile scheint der Dauerkrisenmodus normal zu sein. Wie gehen Sie persönlich damit um?
Frank Schroft Die multiplen Krisen und Konflikte und deren Interdependenzen sind besondere Herausforderungen. Als Bürgermeister ist man dem Wohl der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger verpflichtet. Gleichzeitig sind Krisen immer auch die Möglichkeit, zum Umdenken, denn wir können sie nicht mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Das chinesische Wort für Krise setzt sich übrigens aus den Schriftzeichen Gefahr und Chance zusammen. Insofern ist für mich eine Krise immer auch die Chance zum Besseren.
Was macht Ihnen am meisten Sorge, beruflich und/oder privat, wenn Sie an die Zukunft denken?
Alles hängt mit allem zusammen. Die Kriege in der Ukraine, in Nahost und in anderen Ländern sowie die verheerenden Folgen des Klimawandels und der damit verbundenen Zunahme der Migration erfüllen mich mit Sorge. Hinzu kommt die Zunahme extremer politischer Kräfte mit verfassungsfeindlichen Zielen und die schwindende Identität bei vielen Menschen mit unserem Staat.
Arbeitswelt wandelt sich
Ebenso fordert uns der Strukturwandel unserer Arbeitswelt mit KI und Digitalisierung, der vieles verändern wird. Gerade im Hinblick auf unsere Kinder und Enkel müssen wir vermehrt die Frage stellen, ob wir alles tun dürfen, nur, weil wir es können.
Stichwort Energiekrise: Was tun Sie, um Energie zu sparen? Was wird auf die Bürger in Sachen kommunale Wärmeplanung zukommen?
Der Gemeinderat von Meßstetten hat sich in seiner Sitzung am 15. Dezember intensiv mit einer klimabewussten Wärmeversorgung der Gesamtstadt befasst. In Meßstetten gibt es bereits einige Projekte mit lokalen Wärmeverbünden und Kraft–Wärme–Kopplungen sowie kleineren Wärmenetzen. Erklärter Wille von Gemeinderat und Stadtverwaltung ist eine zukunftsfähige Strategie, um Klimaschutz und Klimaneutralität zu beschleunigen. Eine zeitnahe Umsetzung und Erarbeitung einer „Kommunalen Wärmeplanung“ kann hierbei erheblich beitragen.
Wenn Sie an 2023 denken: Was war Ihr persönlicher Höhepunkt als Bürgermeister?
Die Unterzeichnung des Kaufvertrages nahezu des gesamten Konversionsgeländes als Vorsitzender des Zweckverbandes „Interkommunaler Industrie– und Gewerbepark Zollernalb“, was uns die Möglichkeit bietet, eine moderne, dynamische Wirtschaftsförderung und Unternehmensansiedlung zu betreiben, war ein Höhepunkt im Jahr 2023. Ein weiterer Höhepunkt war der Bau des seit vielen Jahren diskutierten Sportzentrums auf dem Geißbühl, der im Frühjahr 2024 fertiggestellt sein wird.
Und was war Ihr privater Höhepunkt?
Der persönliche Höhepunkt war die Wiederwahl am 24. September mit 93,3 Prozent der Stimmen, das ich als großartigen Vertrauensbeweis und Anerkennung meiner Arbeit werte. Das motiviert mich, weiter mit Kraft, Leidenschaft und Vernunft alles zu tun, dass sich unsere Stadt positiv weiterentwickeln kann.
Welches Projekt wird für Ihre Kommune 2024 das wichtigste sein?
Drei große Vorhaben stehen auf der Agenda: Die weitere konsequente Umsetzung der „Agenda Meßstetten 2030“, die Gewinnung klimabewusster, moderner Unternehmen für den IIGP Zollernalb und der Startschuss für unser „Sozial– und Gesundheitszentrum“ in Meßstetten.
Ab 2026 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule geben. Wie bereitet sich Ihre Kommune vor?
Bereits heute gibt es in allen Grundschulen der Gesamtstadt ein städtisches Betreuungsangebot. In Tieringen und Oberdigisheim organisiert der Förderverein der Matthias–Koch–Grundschule die Betreuung. Alle Betreuungsangebote bestehen aus der Kernzeitbetreuung vor und nach dem Vormittagsunterricht und einer Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag. Auch gibt es für alle Schülerinnen und Schüler einen Mittagstisch, mit Ausnahme der Grundschule Hartheim–Heinstetten.
Bedarf wird sich noch zeigen
Wie das Betreuungsangebot und eine Erweiterung der Räumlichkeiten gestaltet werden muss, hängt vom Bedarf der Eltern ab, deren Kinder im Schuljahr 2026/2027 die erste Klasse besuchen werden. Dies wird mit einer Bedarfserhebung eruiert.
Demografischer Wandel und Fachkräftemangel: Wie lange gibt es noch genügend Personal in Ihrem Rathaus?
Indem wir attraktive, moderne und flexible Arbeitsbedingungen bieten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten zu können. Dazu gehören auch eine leistungsgerechte Bezahlung sowie die Möglichkeit, selbständig arbeiten und entscheiden zu können. Diesen Standard bieten wir bereits. Auch die positive Außenwirkung unserer Verwaltung und die dynamische Entwicklung der Stadt machen uns schon heute zu einem interessanten Arbeitgeber.
Welche bürokratische Hürde würden Sie in Ihrem Arbeitsalltag gerne über Bord werfen?
Das aufzuzählen würde die Platzkapazität des Interviews sprengen. Alle Gesetze und Vorschriften sollten auf den Prüfstand von erfahrenen Kommunalpolitikern. Schon der schwäbische Philosoph Hegel hat gesagt, dass, wenn Theorie und Praxis auseinanderfallen, dies umso schlimmer für die Praxis sei. Alles was praxisfern und nicht mit der Realität kompatibel ist, gehört ersatzlos gestrichen.
Generell wird das Bürgermeisteramt nicht gerade einfacher. Würden Sie Ihren Kindern oder anderen nahestehenden Menschen diesen Job empfehlen?
Die Kommunen sind die Orte der Wirklichkeit. Hier findet das wahre Leben statt, sie müssen das umsetzen, was in der sogenannten „großen Politik“ in Brüssel, Berlin oder in den Landesparlamenten beschlossen wird. Das Amt des Bürgermeisters bietet viele Möglichkeiten, eine Stadt zu gestalten.
Dass ich das Amt gerne ausübe, ergibt sich schon daraus, dass ich mich der Wiederwahl gestellt habe. Unsere Kommunen sind die tragenden Säulen unseres Staates und wir alle sollten unseren Beitrag dafür leisten. Demokratie und Freiheit sind nur so stark, wie wir alle uns für sie starkmachen. Insofern hoffe ich, dass sich viele junge Menschen auch künftig kommunalpolitisch engagieren.
