Oberbürgermeister in Albstadt: Erster Tag als OB startet mit zwei Tassen Kaffee und drei Zeitungen
Seit Tagen fragen ihn die Menschen, wie es ihm geht, erzählt Roland Tralmer an seinem ersten Tag als Oberbürgermeister von Albstadt. „Nicht nervös, optimistisch“, sagt er am Mittwochmorgen. Er sei sich jedoch der schwierigen Aufgaben bewusst, die auf ihn zukommen werden. Auch deswegen war es eher kein ruhiger erster Tag und sowieso eigentlich gar nicht der erste Tag.
Wie er bereits angekündigt hatte, nutzte der Anwalt das Angebot, sich schon die Wochen zuvor in seine neue Rolle als Oberbürgermeister einzufinden. Dabei halfen ihm unter anderem die beiden Bürgermeister Steve Mall und Udo Hollauer. In wichtige Grundsatzentscheidungen, die die Zeit nach dem 1. Juni betreffen, wurde er miteinbezogen, sagt Tralmer. So stellte der 56-Jährige bereits Mitte Mai den Gründerpreis „Go Albstadt“ vor (die SÜDWEST PRESSE berichtete).
Bessere Kommunikation
Daher startete sein Tag auch nicht anders als sonst: „Um 8.30 Uhr mit zwei großen Tassen Kaffee und drei Tageszeitungen“, sagt er beim Pressegespräch. „Das ist mein üblicher Morgenablauf.“ In diesem Zusammenhang macht er Werbung für die hiesige Presse. Er empfehle allen Bürgerinnen und Bürgern eine Zeitung zu besitzen. Denn, so Tralmer, seien die Bürger auch in der Holschuld, wenn es um Informationen geht. Dabei räumt er jedoch auch ein, dass sich die Stadt beim Thema Kommunikation verbessern kann. Dem wolle er sich annehmen. „Viele Beschlüsse kommen bei der Bevölkerung nicht an“, bemerkt er.
Da können die sozialen Medien helfen. Schon während seines Wahlkampfs nahm Roland Tralmer die Hilfe von Erdal Güler, Gründer von Eddi-Films in Anspruch. Während Güler sonst Musiker und Autos in Szene setzt, hat der Obernheimer die vergangenen Wochen auch Tralmer gefilmt. So hält er die Bürgerschaft auf dem Laufenden.
Roland Tralmer möchte mehr Kommunikation
Bürgernähe beinhaltet für Tralmer zudem die Bürgersprechstunden im Rathaus in Ebingen. Die werde es weiterhin geben, versichert der Oberbürgermeister. „Wie ich in meinem Wahlkampf versprochen habe, kann ich mir auch Sprechstunden in den Stadtteilen vorstellen.“ Das aber soll mit den Ortsvorstehern besprochen werden. Die Ortschaftsratssitzungen möchte er ebenfalls besuchen – das ist jedoch auch eine Zeitfrage.
„Mein Kalender ist voll“, schon in den Wochen zuvor haben Julia Maier und Lisa Bertrand von der Stadt ihn mit Terminen bestückt. Sein erster offizieller Termin als Oberbürgermeister ist heute Abend beim Bürgerempfang in Meßstetten. Am Mittwoch folgte ein Gespräch mit den Amtsleitern und die kommende Woche sei ebenfalls mit persönlichen Gesprächen gefüllt, beispielsweise mit den Gemeinderatsfraktionen. Mit denen sei er sich einig, dass man den Wahlkampf, Wahlkampf sein lassen wolle und gemeinschaftlich vorangehen möchte.
So richtig, sagt Tralmer, gehe es terminlich nach den Ferien los. „So weit mir möglich, sage ich zu, aber die Nachfrage ist größer, als das Angebot“, muss er einräumen. Schließlich gibt es in Albstadt einige große Themen, die es zu priorisieren gilt. Die Finanzen der Stadt entwickeln sich nicht rosig. Für September ist die Haushaltsklausur angedacht, Oberbürgermeister Tralmer sieht die Möglichkeit, die Tagung vorzuziehen.
Bislang habe Tralmer gesagt, Albstadt hat ein Ausgabe-, kein Einnahmeproblem. Zur heutigen Zeit aber könnte die Stadt, die auf die Gewerbesteuer angewiesen ist, beides haben. „Wir haben große Aufgaben zu schultern und die Wirtschaftslage ist ungewiss.“ Als Beispiel nennt er die Hallenkonzeption. „Die nächsten Monate sollte Klarheit herrschen.“ Doch eine neue Kulturhalle allein durch kommunale Mittel finanziert, hält der 56-Jährige in der nächsten Zeit für unwahrscheinlich.
Hallenkonzeption und Ebinger Innenstadt
Die Hallenkonzeption wurde in der Bevölkerung ebenfalls diskutiert wie die Talgangbahn. Ein runder Tisch mit Kritikern und Befürwortern soll die Akzeptanz erhöhen. „Ich bin guten Argumente immer aufgeschlossen.“ Er selbst sehe die Talgangbahn als Fortschritt für Albstadt. Hier gilt jedoch ebenfalls die Berücksichtigung der Bürger, beispielsweise bei der Gestaltung der Haltestellen und des Umfelds sowie die Finanzen. Welche Kosten kommen im laufenden Betrieb auf die Stadt zu? Auf diese Frage gibt es noch keine Antwort.
Bessere Aussichten gibt es hingegen für die Gründung der Citymanagement GmbH. Noch am Mittwoch war ein Jurist im Haus, der sich den Vertrag angesehen hat. „Die GmbH wird es noch in diesem Jahr geben.“ Denn damit werde die Ebinger Innenstadt vorangebracht. „Das steht ganz oben auf meiner Liste.“
Zur Beruhigung ein Zen-Garten
Roland Tralmer ist sich seiner Aufgaben als Oberbürgermeister bewusst und auch, dass seine Arbeitstage vermutlich nicht um 17 Uhr enden werden. Wenn es doch mal zu stressig wird, hat er sich bereits in seinem Büro im Rathaus eingerichtet. Ein Zen-Garten schmückt eine Kommode hinter seinem Schreibtisch. Dieser wurde ihm schon zur Eröffnung seiner Kanzlei geschenkt. „Das hat durchaus etwas Beruhigendes“, sagt Tralmer über das Pflegen des „Gartens“.
Eine Sandsteinfigur des heiligen Ivo (St. Yves) erinnert an Tralmers berufliche Vergangenheit. Das ist der Schutzpatron der Juristen. Dessen Ursprungsort ist eines von Tralmers Lieblingsurlaubsziele: die Bretagne. Ein weiteres Urlaubsziel befindet sich als Hintergrundbild auf dem PC: New York. Zu seinem 50. Geburtstag reiste Tralmer in die USA und schoss ein Foto vom Empire State Building. „Es dient nicht als Modell für Albstadt“, scherzt er.
Nicht fehlen auf der Kommode darf ein Brieföffner. Dieser hatte ihm sein Schwiegervater, gelernter Messerschmied, geschenkt.
Den ersten Arbeitstag wird er vermutlich mit einem Salat von der Salatbar eines bekannten Supermarkts beenden. „Man darf davon ausgehen, dass ich völlig normal bleibe und nicht abheben werde“, verspricht er.


