85-Jährige gestorben: Das rät die DLRG nach dem Badeunfall am Stausee Oberdigisheim

Der Stausee Oberdigisheim lockt jeden Sommer zahlreiche Badegäste an. Die DLRG hat einige Regeln aufgelistet, die Besucher befolgen sollten.
Stadt Meßstetten/Volker BitzerBei Badeunfällen zählt jede Sekunde. Schnelle Hilfe entschiedet über Leben und Tod. Badegäste und Rettungskräfte arbeiteten am Sonntag Hand in Hand, um die 85-jährige Frau aus dem Stausee zu retten. Auch wenn sich alle Beteiligten einen anderen Ausgang gewünscht haben, das Vorgehen der Badegäste war vorbildhaft, sagt Detlef Wysotzki von der Meßstetter DLRG.
Die 85-Jährige war in Begleitung im Wasser. Als der Notfall eintrat, wurden sofort die DLRG-Wachgänger informiert. Umgehend wurde die Suche eingeleitet, während Feuerwehr, DRK und weitere DLRG-Kräfte alarmiert wurden. Ein Badegast zeigte die Stelle, an der die Frau untergegangen war. Laut der Feuerwehr Oberdigisheim wurde die Frau in einer Tiefe von 2,50 Meter gefunden, ein Rettungsschwimmer zog sie an Land. Sie wurde umgehend wiederbelebt.
Schwimmer ertrinken leise
Die Augen offen halten und andere Schwimmer im Blick behalten, das ist ein Ratschlag, den Wysotzki Badegästen mitgibt. Denn anders als weitläufig angenommen, ist das Ertrinken leise und unauffällig. „Dass jemand laut ruft, wenn er ertrinkt, trifft meist nicht zu. Oft hört man nichts.“ Im Zweifelsfall solle man die DLRG-Wachgänger lieber einmal zu oft verständigen.
Das stille Ertrinken tritt beispielsweise dann ein, wenn bei der betroffenen Person plötzlich Herz- oder Kreislaufprobleme eintreten. Auch Kinder ertrinken still. Umso wichtiger, dass Eltern sie nicht unbeaufsichtigt lassen. Erst kürzlich warnte die DLRG in einem SWR-Bericht davor, dass immer mehr Eltern stattdessen auf ihr Smartphone starren.
Baderegeln befolgen
Die DLRG listet auf ihrer Webseite einige wichtige Baderegeln auf, etwa „Ich gehe nur baden, wenn mir bei Problemen jemand helfen kann“. Idealerweise sollten Badegäste nicht alleine schwimmen gehen, falls doch, können Auftriebsmittel wie eine Boje im Ernstfall Schlimmeres verhindern, sagt Wysotzki.
Er betont, wie wichtig die Befolgung der Baderegeln ist: „Es klingt vielleicht etwas vereinfacht, aber wenn man sich an diese Regeln hält, ist schon viel getan.“ Und nicht nur ältere Schwimmer oder Kinder können in Gefahr geraten. „Auch ein guter Sportler kann mal einen Krampf bekommen“, sagt Wysotzki.
Langsam abkühlen
Gerade bei hohen Temperaturen, wie sie dieser Tage herrschen, ist vom wortwörtlichen Sprung ins kalte Wasser abzuraten. Der dabei eintretende Kälteschock belastet den Kreislauf und löst einen schier unüberwindbaren Atemantrieb aus. Mögliche Folgen: Das Herz gerät an die Belastungsgrenze oder man atmet unweigerlich Wasser ein. Der Körper sollte daher langsam an das kühle Wasser herangeführt werden.
Die DLRG Meßstetten übernimmt am Oberdigisheimer Stausee die ehrenamtliche Wasseraufsicht. Während der Badesaison sind drei bis acht Rettungsschwimmer am Samstag und Sonntag vor Ort. Die DLRG versucht auch unter der Woche eine Wasseraufsicht zu übernehmen, sofern das Wetter gut und mit vielen Badegästen zu rechnen ist. „Kräftemäßig ist nicht mehr möglich“, sagt Detlef Wysotzki dazu. Einen Mitgliederschwund habe die Meßstetter DLRG zwar nicht zu verzeichnen, dennoch seien ausgebildete Rettungsschwimmer rar gesät.
Auch wenn der tragische Badeunfall vom Sonntag einem die potenziellen Gefahren des Badens wieder vor Augen führt, angesichts der hohen Anzahl der Badegäste und der vergleichsweise geringen Anzahl an Vorfällen sticht der Oberdigisheimer Stausee laut Wysotzki nicht negativ aus der Statistik hervor.
Baderegeln der DLRG
Auf seiner Webseite hat die DLRG einige Baderegeln aufgelistet, die für die Sicherheit der Badegäste sorgen sollen:
Ich gehe nur baden, wenn ich mich gut fühle.
Ich gehe nur baden, wenn mir bei Problemen jemand helfen kann.
Wenn ich Probleme im Wasser habe, dann rufe ich laut um Hilfe und winke mit den Armen. Ich helfe Anderen, wenn sie im Wasser Probleme haben. Ich rufe nie „Hilfe“, wenn alles in Ordnung ist.
Ich sage Bescheid, wenn ich ins Wasser gehe.
Ich gehe weder hungrig noch direkt nach dem Essen ins Wasser.
Ich kühle mich ab, bevor ich ins Wasser gehe.
Ich gehe nur da baden, wo es erlaubt ist. Ich springe nur da ins Wasser, wo das Wasser tief und frei ist.
Ich nehme Rücksicht! Ich renne nicht, schubse nicht und drücke niemanden unter Wasser.
Schwimmflügel, Schwimmtiere und Luftmatratze sind nicht sicher und schützen mich nicht vor dem Ertrinken.
Wenn ich draußen bade, gehe ich sofort aus dem Wasser, wenn es blitzt, donnert oder stark regnet. Baden bei Gewitter ist lebensgefährlich.


