Mobilitätsplan Albstadt
: Jetzt sind die Bürger gefragt

Der Verkehr soll aus der Innenstadt Ebingen verbannt werden und gleichzeitig Bushaltestellen verlagert. Es braucht gute Ideen.
Von
Vera Bender
Albstadt
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  • Die Firma BS Ingenieure aus Ludwigsburg wird Verkehrszählungen in Ebingen durchführen, um verlässliches Zahlenmaterial für den Mobilitätsplan zu haben.⇥

    Die Firma BS Ingenieure aus Ludwigsburg wird Verkehrszählungen in Ebingen durchführen, um verlässliches Zahlenmaterial für den Mobilitätsplan zu haben.⇥

    Stadt Albstadt
  • Moderne Kameratechnik wird zur Zählung eingesetzt.

    Moderne Kameratechnik wird zur Zählung eingesetzt.

    Stadt Albstadt
  • Die Bushaltestellen am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz beziehungsweise dem Bürgerturm in Ebingen sollen verlegt werden.⇥

    Die Bushaltestellen am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz beziehungsweise dem Bürgerturm in Ebingen sollen verlegt werden.⇥

    Vera Bender
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Die Stadtverwaltung arbeitet an einem Mobilitätsplan. Angesichts klammer Haushaltsmittel hat sie dafür zu ihrem Glück eine Förderung aus dem ZIZ–Programm (Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren) vom Bund erhalten. Zwei Dinge sollen mit dem Mobilitätsplan für die Innenstadt Ebingen, der auch als Vorbild für die anderen Stadtteile dienen kann, erreicht werden.

Süppchen wird vor Gericht ausgelöffelt

Zum einen will man damit den Kurt–Georg–Kiesinger–Platz mit mehr Aufenthaltsqualität aufwerten. Und zum anderen soll die gesetzliche Vorgabe umgesetzt werden, 55 Prozent weniger CO₂-Emissionen in der Stadt bis zum Jahr 2030 zu messen. „Was für uns Stadtplaner quasi schon übermorgen ist“, wie Diplom–Ingenieur Frank Schäfer bemerkt. Seine Firma „BS Ingenieure“ aus Ludwigsburg hat im Herbst als günstigste Bieterin mit rund 158 000 Euro den Zuschlag für die Erarbeitung des Mobilitätsplans erhalten.

Für die Aufwertung des Kurt–Georg–Kiesinger–Platzes gibt es innerhalb des Gemeinderats und der Stadtverwaltung bereits Bestrebungen, die dortige Bushaltestelle zu verlagern. Wohin, muss noch erarbeitet werden. Wie man aber rund 20 Prozent weniger motorisierten Individualverkehr in der Ebinger Innenstadt umsetzen will, dürfte eine größere Herausforderung sein. Deshalb werden im nächsten Schritt die Verkehrsflüsse erfasst.

Verkehrsflüsse erfassen

Es geht um Ziel– und Quellverkehr, um den Durchgangsverkehr, um die Nutzung der Busse am Kurt–Georg–Kiesinger–Platz, um die Fußgänger und Radfahrer. Dazu hat die Firma „BS Ingenieure“ einen aufwändigen Zählstellenplan erarbeitet. An einem nicht näher benannten Termin — damit keine Beeinflussung von außen stattfinden kann — werden Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger sowie Busnutzer von Kameras erfasst. Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden keine Gesichter aufgenommen und die Autokennzeichen sofort in Codes umgewandelt. Denn es wird acht Zählstellen geben, bei denen die Kennzeichen darüber Aufschluss geben sollen, ob es sich um Auswärtige, also um Durchgangsverkehr, handelt.

Informationsveranstaltung

Insgesamt 26 Zählstellen für den Autoverkehr werden eingerichtet, dazu sieben für Fußgänger und zwei für Ein– und Aussteiger in den Bus. Sowohl Stadtverwaltung als auch Polizei werden im Vorfeld über den Tag der Zählung informiert und an den Kameras wird laut Frank Schäfer jeweils ein Schild mit entsprechendem Hinweis und Telefonnummer angebracht sein. Aber nicht nur diese Verkehrszählung soll in den Mobilitätsplan eingehen. Es sind vor allem auch die Bürger gefragt, die sich bei der Informationsveranstaltung am Dienstag, 27. Februar, um 18.30 Uhr in der Festhalle Ebingen zum Thema Verkehr und Mobilität äußern dürfen. Schließlich brauche man Anregungen und gute Ideen, wie sich Oberbürgermeister Roland Tralmer und Stadtplanungsamtsleiter Axel Mayer einig sind. An Tischen will man mit den Bürgern gemeinsam diese neuen Ideen entwickeln.

Ob künftig mehr Lastenfahrräder in Ebingen unterwegs sein werden, ob es autonomes Fahren von Kleinbussen oder noch ganz andere Dinge geben wird: Es soll ein Mobilitätsplan für die Zukunft sein und deshalb müsse man auch Alternativen aufzeigen, wie Christine Seizinger betont, die mit dem ZIZ–Projekt in Albstadt betraut ist.

Große Herausforderungen

Die geplante Verkehrswende sei im ländlichen Raum und noch dazu in Albstadt mit seinen neun Stadtteilen schwieriger umzusetzen, weiß auch der Stadtplanungsamtsleiter: „Wir stehen vor großen Herausforderungen.“ Und Oberbürgermeister Roland Tralmer ergänzt: „Dieser nächste Schritt erfordert die aktive Teilnahme der Bevölkerung.“

Erst danach könne man überhaupt ein Mobilitätskonzept aufstellen. Und danach könne man an der Neugestaltung des Kurt–Georg–Kiesinger–Platzes weiterplanen. Der Architektenwettbewerb für die Aufwertung muss letztlich im August 2025 beendet sein, denn dann läuft das ZIZ–Programm aus, so Tralmer. Nun kommt es also auf die Bürger an.