Über eine Million Klicks
: Robin Mesaroschs Aschaffenburg-Video geht viral – das steckt dahinter

Mit einem kritischen Instagram-Video zur Debatte nach dem Mord in Aschaffenburg hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch einen Nerv getroffen.
Von
Lea Irion
Berlin
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Robin Mesarosch (SPD) ging Anfang der Woche mit einem Reel auf Instagram viral.

Robin Mesarosch (SPD) ging Anfang der Woche mit einem Reel auf Instagram viral.

Screenshot
  • SPD-Abgeordneter Robin Mesarosch geht mit kritischem Instagram-Video viral.
  • Das Video thematisiert den Mord in Aschaffenburg und hinterfragt rassistische Aussagen.
  • Mesarosch kritisiert Doppelmoral in Diskussionen über deutsche Kultur.
  • Innerhalb weniger Stunden erreicht das Video über eine Million Aufrufe.
  • Ziel war es, Fakten statt Emotionen in den Vordergrund zu rücken.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Der Mord an dem Kind und dem Mann in Aschaffenburg ist erst ein paar Tage alt“, beginnt Robin Mesarosch sein Video auf Instagram. Er steht in schwarzem Schal und Mantel in der Dunkelheit, nur sein Gesicht ist klar erkennbar. „… Und schon haben gefühlt alle [Leute, Anm. d. Red.] alle Antworten. Ich habe da mal ein paar Fragen.“

Mesarosch hat mit einem klaren Statement zur Messerattacke in Aschaffenburg einen viralen Hit auf Instagram gelandet. Seit Montag sammelte der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Sigmaringen über eine Million Aufrufe. Das Video wurde also freilich nicht nur in seinem Wahlkreis auf der Zollern-Alb und in Sigmaringen rege geteilt und geklickt.

In seinem Reel setzt sich Mesarosch kritisch mit rassistischen und populistischen Stimmen zur Tat in Aschaffenburg auseinander. „Glauben wir wirklich, dass dieser Mord etwas mit der Herkunft, mit der Kultur des Täters zu tun hatte?“, fragt er provokant. „Wir reden da ja so viel drüber. Glauben wir wirklich, es gibt ein Land auf der Welt, in dem es in Ordnung ist, auf Kinder einzustechen? Glauben wir, das ist in Afghanistan so?“

Mesarosch kritisiert außerdem eine aus seiner Sicht vorherrschende Doppelmoral bei Diskussionen über deutsche Kultur, bei denen nurmehr „über Dichter und Denker“ gesprochen werde, nicht aber über „Verbrecher und die Nazis, die deutsche Kinder ins Gas geschickt haben“ – „Hat es vielleicht gar nichts mit der Herkunft und der Kultur zu tun?“

„Ich wollte einfach sagen, was ist“

Mit seinen Worten scheint Robin Mesarosch einen Nerv getroffen zu haben. Innerhalb weniger Stunden landete seine Videobotschaft in den Feeds Zehntausender Nutzerinnen und Nutzer. Ob dieser Klickerfolg wohl berechneter Wahlkampf war? „Ich hätte das, was ich im Video sage, so oder so gesagt“, betont Mesarosch im Telefonat mit der SÜDWEST PRESSE am Mittwochnachmittag. Plötzlich viral gegangen zu sein, das habe auch ihn überrascht. Und das könne man ihm „glauben oder nicht, aber das war mir ein Anliegen“. Bestätigung für seine Worte habe er ja schon in Form Hunderter Kommentare, in Mails und Anrufen erhalten.

Der Sigmaringer erläutert darüber hinaus, dass er sich auch bewusst gegen rechtspopulistische Äußerungen positionieren wollte – in entschleunigter, ausführlicher Manier. Denn normalerweise gehe es ja sowohl auf Social Media als auch im Populismus darum, möglichst schnelle, kurze Antworten zu liefern. Doch Mesarosch scheint mit seinem vierminütigen Video einen Gegentrend erwischt zu haben. „Social Media vermittelt oft ein falsches Gefühl der Realität“, so Mesarosch. Denn Deutschland sei eines der sichersten Länder der Welt – entgegen vieler anderen Meldungen, die zur Tat in Aschaffenburg kursierten.

Auch deswegen habe er sich auf Fakten statt Emotionen fokussieren wollen. „Ich habe auch nicht versucht, eine Nische auf Social Media zu finden. Ich wollte einfach sagen, was ist. Dazu muss man übrigens nicht im Bundestag sitzen“, sagt der SPD-Abgeordnete. Aber er fände es wichtig, wenn nicht nur er, sondern auch „andere Demokratinnen und Demokraten öfter ihre Stimme erheben würden“.