Bahnhofstraße in Albstadt: Dies soll der „Kulturm“ zu bieten haben
Es steht mitten im Zentrum Ebingens und schmiegt sich an das Wahrzeichen der Stadt an, den Bürgerturm. Es ist rund und hat viel Glas zum Ein- und Ausschauen. Es ist nach allen Seiten offen und ein besonderes, ein auffälliges Gebäude. Auffällig ist auch, dass sich das Gesicht des gläsernen Turms in der Bahnhofstraße 27, vielen noch bekannt als Boutique „Mode am Turm“, etwas tut. Die Corona-Test-Plakate mussten weichen und machten großen, bunten Plakaten Platz, die eine Initiative sowie eine Infoveranstaltung der Stadt bewerben.
Wer bereits einen Blick nach innen werfen konnte, sah, dass fleißig gestrichen und geputzt wird, kaputte Fensterscheiben ausgetauscht und die sanitären Anlagen aufgewertet werden. Auf Vordermann bringt das Interieur Eigentümer Yasin Simsek selbst. Doch: „Was geht hier vor sich und wer zieht hier ein?“, möchte jetzt der eine oder andere sicher gerne wissen. „Die Attraktivierung unserer Innenstadt von Ebingen ist ein maßgebliches Ziel des Bundesförderprogramms ZIZ und des Zielbilds. Deshalb hat die Stadt Albstadt dieses exponierte Gebäude angemietet und möchte es in einer Pop-up Installation mit neuem Leben erwecken und umfunktionieren zum Kultur-Turm mit Lesecafé – kurz ‚Kulturm‘“, verrät Oberbürgermeister Roland Tralmer.
Sichtbare Veränderung
Der „Kulturm“ soll Abwechslung und sichtbare Veränderung in die Stadt bringen, beispielsweise über auffällige Installationen innen und außen, über Lichtinszenierungen, ein Lesecafé im Erdgeschoss und einem repräsentativen Stadtraum, einer Begegnungsstätte für Kunst und Kultur, für unterschiedliche Interessensgruppen, für Unternehmen und Vereine, für Schulen, die Museen und die Stadtbücherei.
„Das markante Gebäude ist als Location und Lesecafé im Erdgeschoss sowie für besondere Anlässe, Konzerte, Empfänge, Lesungen, Workshops oder bestimmte Feierlichkeiten mitten im Herzen Ebingens prädestiniert. Ein multifunktionaler Stadtraum soll entstehen, der ganz unterschiedliche Interessensgruppen einladen wird, hier zusammenzukommen und unsere Stadt aus dieser Perspektive zu erleben“, sagt Tralmer.
„Durch die Belebung des ‚Kulturms‘ soll greifbar, nahbar und erlebbar werden, dass sich Albstadt in einem Transformationsprozess befindet, dass etwas passiert, mitten in Albstadt – für alle Generationen, für Familien, aber auch für Kunst- und Kulturschaffende, für Gewerbetreibende und Unternehmen sowie für Vereine“, freut sich auch Christine Seizinger, Contento PR, die die Umsetzung des Konzepts rund um den ‚Kulturm‘ anstieß, kurzerhand mit dem Eigentümer und der Stadt verhandelte und nun mit der Koordination der Realisierung, sprich der Verwirklichung des Konzepts, betraut wurde.
Kulturszene interessiert
„Natürlich geht das nur in ganz enger Kooperation mit Stadtplanungsamtsleiter Axel Mayer und seiner Kollegin Ronja Schumacher. Außerdem befinde ich mich in einem sehr guten Austausch mit Kulturamtschef Martin Roscher.“ Es gebe zudem auch Ideen aus dem Gemeinderat wie von Marianne Roth, Olaf Baldauf oder Markus Ringle den „Kulturm“ zu einem besonderen, einem lebendigen und bunten Stadtraum werden zu lassen. „Viele Player aus Kunst und Kultur zeigen sich nach ersten Gesprächen und Besichtigungen ebenfalls begeistert“, sagt Seizinger.
Vorerst soll alles ein gelebtes Experiment sein, das bis zum Ende des Förderprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) des Bundesministeriums bis August 2025 laufen wird. Im Erdgeschoss wird ein Lesecafé entstehen. Gemütliche Atmosphäre, Lesesessel, Sofas, Leselampen, Bücherregale und Zeitschriften laden verschiedene Interessensgruppen ein, morgens und nachmittags das Lesecafé zu buchen und zu bespielen. Das können sowohl Schulen, Vereine, Kitas, die ehrenamtlichen Lesepaten unter Leitung von Ursula Baumgärtner, eine Buchhandlung, die Museen sowie das Kinder- und Jugendhaus Albstadts oder Rentnerinitiativen sein, die sich in diesem Stadtraum rund um die Themen Buch und Spiele zusammenfinden möchten. Eine kleine Kaffee- und Teeküche mit Spülmaschine sowie einem Getränkekühlschrank bieten die Möglichkeit, kleine selbstgemachte Snacks und Kuchen hier anzubieten. Bastel- oder Spielenachmittage, Kinderbuchlesungen, Märchenerzählungen, Kasperletheater, Workshops mit Kindern und Jugendlichen zum Beispiel zu den Themen Handarbeit oder Schreiben können stattfinden. Die Veranstalter erhalten für das Lesecafé einen Schlüssel und organisieren alles in Selbstverwaltung.
Variable Bühne
Im Obergeschoss bleibt ein offener Raum mit variablen Bühnenelementen, Stühlen und Stehtischen, der vorrangig für Abendveranstaltungen genutzt werden soll: Kunst- und Kultur kann hier auf einer besonderen Stadtbühne vor bis zu 80 Personen gelebt und dargeboten werden: von Ausstellungen oder Poetry-Slams über Lesungen bis zu kleinen Konzerten unterschiedlicher Couleur ist alles denkbar. Firmen der Stadt sind eingeladen, Empfänge, Ausstellungen oder Kreativworkshops zu veranstalten, Vereine können ihre Vorstandsmeetings einplanen. Catering und Getränke können hier angeboten werden.
Beide Stockwerke werden stunden- oder tageweise zu buchen und zu mieten sein. Kunstausstellungen starten jeweils mit einer Vernissage und können über einen längeren Zeitraum im oberen Stockwerk verbleiben. Die Kunstschaffenden müssen für den Zugang und die Bewachung der Objekte sorgen. Auch die Bespielung des Stockwerks erfolgt von den Interessierten in Selbstverwaltung.
„Den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger aus dem Zielbild, die Aufenthaltsqualität zu steigern, konsumfreie Aufenthaltsplätze zu kreieren, Mut zu Neuem zu haben und die Innenstadt zu beleben, wird damit entsprochen“, bekräftigt Stadtplaner Axel Mayer.
Eröffnung im Januar geplant
Eine Ausschreibung für die Innenraumkonzeption dieser neuen Stadträume läuft im Moment. Mit der Umsetzung soll sofort nach der Vergabe Ende November oder Anfang Dezember gestartet werden. Die Innenraumkonzeption soll Mitte Januar fertiggestellt sein – eine große Eröffnungsfeier darf dann natürlich nicht fehlen.



