Thalia-Theater in Tailfingen und Festhalle in Ebingen: Kulturhallenproblematik in Albstadt

Das Fest der Seelsorgeeinheit Albstadt wurde beispielsweise in der Festhalle gefeiert. Ob die Bühne eine Großbühne ist oder nicht, entscheidet über das Fortbestehen der Halle.⇥
Vera BenderEs ist nichts Neues: Bei den Themen Thalia-Theater in Tailfingen und Festhalle in Ebingen gehen die Wogen – auch innerhalb der Bevölkerung – hoch. Kein Wunder, dass die Zuhörerreihen im Sitzungssaal des Rathauses in Tailfingen bei der Zusammenkunft des Technischen Ausschusses gut gefüllt waren.
Zum Beschluss des von der Verwaltung vorgelegten Vorschlags zur Beauftragung einer Konzeptstudie mit Kosten von über 125 000 Euro kam es dann doch nicht. Diese Studie soll nochmals überarbeitet und dann erneut zur Beschussfassung vorgelegt werden. Bei den Vorgaben zur Konzeptstudie will man nun das Szenario vier streichen, welches den Neubau einer Kulturhalle vorsieht. Dennoch plädierte Oberbürgermeister Tralmer dafür, sich den „Blick in die Zukunft“ nicht gänzlich zu verbauen: „Wir wollen uns in den Entwicklungsmöglichkeiten nicht beschneiden.“ Momentan fehlen für solch einen Bau allerdings die finanziellen Mittel, war man sich über Fraktionsgrenzen hinweg einig.
Auch das Szenario drei, also nur die Ertüchtigung eines der beiden Kulturdomizile, soll nicht mehr in der Studie enthalten sein. Vielmehr soll es darum gehen, was baulich notwendig ist und wie viel man dafür investieren müsse, um sowohl das Thalia-Theater als auch die Festhalle Ebingen zu erhalten und eventuell im zweiten Schritt energetisch zu sanieren. Diese Vorgaben für einen externen Planer, der ausdrücklich nicht auf Folgeaufträge hoffen darf, um neutral zu bleiben, werden jetzt noch von der Verwaltung ausgearbeitet. Schätzungsweise 50 000 Euro werde solch eine Konzeptstudie kosten, so Baubürgermeister Hollauer.
Vorwürfe stehen im Raum
Etwas unschön war der Dialog zwischen Gemeinderat Friedrich Rau (Die Grünen) und Bürgermeister Udo Hollauer. Dass Oberbürgermeister Roland Tralmer erst spät in diesen Wortwechsel eingriff, mag wohl daran gelegen haben, dass der Wortlaut von Raus Argumentation bereits den Pressevertretern vorlag. In der Artikulation sehr beherrscht, war es vor allem die Wortwahl des Stadtrats, die einem Angriff glich: „Es besteht (…) der Verdacht von Falschaussagen.“ oder „Wir sind uns darüber im Klaren, dass (…) die Abteilungen nach den Weisungen der Verwaltungsspitze zu handeln haben und eine Kehrtwende um 180 Grad keine spaßige Angelegenheit ist.“
Hollauer erwiderte, dass er die Aussage als Affront gegenüber den anwesenden Verwaltungsmitarbeitern sehe, die keineswegs beeinflusst seien. Das Wort „Falschaussage“ war wohl darauf bezogen, dass die Bühne der Festhalle als sogenannte Großbühne vom Gutachter eingeschätzt wurde, was dazu geführt hat, dass deren Betrieb nun mit einer Reihe von Auflagen verbunden ist und sie bis Ende 2024 überhaupt nur noch in diesem Notbetrieb genutzt werden kann. Udo Hollauer bezweifelte, dass Rau, seines Zeichens Architekt, allwissend sei.
Gegenseitige Wertschätzung
Nach diesem kurzen Dialog versicherten sich beide Herren der gegenseitigen persönlichen Wertschätzung und Oberbürgermeister Tralmer bemühte sich, die Diskussion zu entschärfen, stellte sich dabei voll und ganz hinter seinen Kollegen. „Die Lage ist einigermaßen verfahren. Irgendwann muss die Kuh vom Eis“, kommentierte der Rathauschef.
„Es braucht eine Form von Pragmatismus“, forderte auch Lara Herter (SPD-Fraktion), was aus ihrer Sicht bei einer politischen Lösung, basierend auf einem abgespeckten Gutachten, notwendig ist. „Wir laufen Gefahr, das kulturelle Leben nicht mehr aufrechterhalten zu können. Die Kulturhalle ist ein Luftschloss“, so Herter. Allen Gemeinderäten, wie auch der Verwaltungsspitze, ist an einer guten Lösung gelegen. „Die Lage ist einigermaßen verfahren. Es ist ein einzigartiger Sonderfall, da die Situation eskaliert ist“, stellte Tralmer fest, der daraufhin mitteilte, den aufgestellten Beschlussvorschlag nicht zur Abstimmung zu stellen.
Aktuelle Kostenschätzungen
Die ursprünglichen Kostenschätzungen zur Ertüchtigung beider Hallen könne man inzwischen wahrscheinlich „in die Tonne treten“, da die Pandemie und der Ukraine-Krieg allgemein Baukosten in die Höhe getrieben hätten, resümierte Tralmer. Das ruhende Bürgerbegehren wolle man als Grundlage für einen erneuten Gutachterauftrag nehmen und weiter präzisieren, war sein Vorschlag. Nur so könne ein Ergebnis von allen Seiten mitgetragen werden.
Abbrüche wurden gestoppt
Dieses Bürgerbegehren hat bewirkt, dass die ursprünglichen Pläne der Stadt nicht umgesetzt wurden. Diese sahen vor, die Festhalle in Ebingen bis Herbst 2024 im Notbetrieb zu nutzen und dann zurückzubauen. Das Thalia-Theater in Tailfingen sollte ebenfalls zurückgebaut werden, und die Zollernalbhalle am Ortsausgang von Tailfingen als Interimslösung für kulturelle Veranstaltungen dienen, bis eine neue Kulturhalle errichtet sei.
Das im Jahr 1953 erbaute Thalia-Theater zählt 404 Sitzplätze und auf der – brandschutztechnisch fragwürdigen – Empore nochmals 96 Plätze. In der Festhalle, die 1894 als Turnhalle erbaut und mehrfach erweitert und saniert wurde, finden 2380 Besucher Platz.
Status quo in Sachen Thalia Theater und Festhalle Ebingen
Ausgangslage:
Tailfingen erhielt 1984, nach dem Umbau eines Lichtspieltheaters, das Thalia-Theater als Veranstaltungsraum für kulturelle Events. Die Festhalle im Hauptort Ebingen, 1894 erbaut, wurde von 1999 bis 2003 saniert und dient ebenfalls kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.
Hallenkonzeption aus dem Jahr 2016:
Mit dem umfassenden Hallenkonzept von Kubus360 für die Stadt Albstadt, das in den Jahren 2013 bis 2016 alle 20 Veranstaltungs- und Sporthallen der Kommune in einem Zukunftskonzept durchleuchtete, waren der Abbruch des Thalia-Theaters und der Festhalle in Ebingen vorgesehen. Das Hallenkonzept wurde zum damaligen Zeitpunkt im Gemeinderat umfassend diskutiert, dann aber nicht verabschiedet. Seit der Vorlage dieses Hallenkonzeptes wurden verschiedene Teilaspekte des Gesamtkonzepts immer wieder in der Bürgerschaft und dem Gemeinderat in den Fokus gerückt. Die Verwaltung hatte hierzu in der Vergangenheit zahlreiche Teilkonzepte vorgelegt.
Hallenkonzeption 2035plus:
Aufgrund baulicher Mängel musste die Schloßberg-Sporthalle im Jahr 2022 abgerissen werden. Da die vorhandene Halle den Sportbedarf der beiden benachbarten Schulen nicht abbildete und der alte Standort keine größere Halle zulässt, wurde ein Neubau einer Sporthalle anstelle der Festhalle zur Diskussion gestellt. Mit dieser Überlegung eröffnete sich erneut eine Reihe von Fragestellungen. Die Festhalle ist seit Erstellung des Brandschutzkonzeptes in einem Interims-Notbetrieb in Funktion. Parallel dazu wurden beim Thalia-Theater in Tailfingen ebenfalls zahlreiche bauliche Mängel ermittelt, die weitergehende Maßnahmen erforderlich machten, um das Theater wieder nutzen zu können.

