Geflüchtete in Albstadt
: Landratsamt wird Sporthalle doch nicht als Unterkunft nutzen

Unter Hochdruck habe die Landkreisverwaltung gemeinsam mit den Kommunen, allen voran der Stadt Albstadt, in den letzten Tagen nach Alternativen gesucht.
Von
swp
Albstadt
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Vorübergehende Ankunftsstation: Kreissporthalle Albstadt wird temporäre Flüchtlingsunterkunft.

Landratsamt Zollernalbkreis

Zunächst keine Belegung mit Geflüchteten“, lautete die Nachricht aus dem Landratsamt in Balingen. Die Kreissporthalle in Ebingen wird vorerst also keine temporäre Unterkunft für Geflüchtete. Entscheidend ist das Wörtchen „zunächst“.

Kein zweites Killer in Albstadt

Eigentlich wäre die Halle in den nächsten Tagen in eine Unterkunft für Geflüchtete umgebaut worden. Die benachbarte Walther–Groz–Schule hat schon Alternativlösungen für den Schulsport gesucht und teilweise auch gefunden. Einige Vereine waren ebenfalls daran, geeignete Lösungen zu finden. Unter anderem hatten die Nachbarkommunen Meßstetten und Straßberg sowie die Acura–Fachklinik in Truchtelfingen bereitwillig Hilfe angeboten, in ihren Sporthallen und -räumen unterzukommen. Nun gibt es erst einmal Entwarnung.

„Unter Hochdruck hat die Landkreisverwaltung gemeinsam mit den Kommunen, allen voran der Stadt Albstadt, in den letzten Tagen nach Alternativen gesucht. Die Menschen, die das Land dem Zollernalbkreis für November zuweist, werden nun im gesamten Kreis dezentral in kleineren Wohneinheiten untergebracht“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt. Wo genau, das ist noch nicht bekannt. Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer kann dazu auch noch keine genauen Angaben machen. Die Pressemitteilung sei mit „heißer Nadel gestrickt“. Eins jedoch verrät er: Die ehemalige Gaststätte Grüne Au in Ebingen könnte als mögliche Unterkunft dienen.

Gaststätte Grüne Au mögliche Alternative

Nachdem Erster Bürgermeister die Räumlichkeiten besichtigt hatte, seien keine zwei Stunden vergangenen, bis bei Tralmer E–Mails eingegangen sind, erzählt er am Montagabend. Von einem „anständigen Viertel, in das keine Fremden passen“ sei die Rede gewesen.

Tralmer ist indes glücklich darüber, dass die Schulen und Vereine nicht durch eine Belegung der Kreissporthalle belastet werden und auch darüber, dass sein Appell an die Kommunen im Kreis, ebenfalls nach Lösungen zu suchen, gefruchtet habe. „Dank der tatkräftigen, solidarischen und konstruktiv–kreativen Unterstützung von einzelnen Städten und Gemeinden im Kreis können wir die Zweckentfremdung der Halle vorerst aufschieben“, sagt Landrat Günther–Martin Pauli.

Lösungsvorschläge

Ein großer Baustein der Alternativlösung sind Container, dazu kommen Bestandsgebäude in Albstadt sowie in weiteren Städten und Gemeinden im Zollernalbkreis. „Die Situation bleibt jedoch weiterhin angespannt, denn es müssen knapp 300 zusätzliche Plätze für Geflüchtete bis Ende des Jahres geschaffen werden“, erklärt Pauli weiter.

Bei einer Informationsveranstaltung am vergangenen Dienstag im Foyer der Walther–Groz–Schule betonten Landrat Pauli und Oberbürgermeister Roland Tralmer, dass die Zweckentfremdung von Sporthallen nach wie vor der „worst case“ sei. Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer erklärt in diesem Zusammenhang, es müsse Ziel bleiben, auch künftig die Umwidmung von Hallen zu vermeiden. Ungeachtet dessen bleibe es bei der jetzt gefundenen vorläufigen Lösung dabei, dass ein klares Sicherheitskonzept an allen Standorten für die Unterbringung Geflüchteter — insbesondere im Stadtgebiet Albstadt — zwingend notwendig sei. Hier verlasse er sich auf die Zusage des Landkreises.

Dies hatte der Albstädter Rathauschef nochmals bei der Gemeinderatssitzung vergangene Woche unterstrichen. Er wolle in seiner Stadt auch keine „menschenverachtenden Parolen“ hören, so Tralmer. Unterstützt wurde er dabei von Mitgliedern aller Fraktionen. Mehrfach wurde aus der Mitte des Gremiums betont, dass manch andere Kommunen im Kreis, namentlich Bisingen und Burladingen, ihrer Verantwortung nachkommen und ebenfalls Solidarität zeigen müssten.

Situation noch nicht gelöst

Die Situation ist also noch lange nicht endgültig gelöst. Es bleibt abzuwarten, ob man andernorts gelassener mit der Situation umgehen wird. Wo genau die Geflüchteten nun unterkommen werden, konnte das Landratsamt noch nicht mitteilen. Aber auch darin war man sich in der Gemeinderatssitzung in Albstadt sowie bei der Informationsveranstaltung zur Belegung der Kreissporthalle einig. Eine Massenunterkunft in einer Halle könne nicht die optimale Lösung sein.

Ob sich nun Unterbringungsmöglichkeiten in leer stehenden kirchlichen oder privaten Gebäuden ergeben oder Firmengebäude genutzt werden können, bleibt abzuwarten. Solcherlei Vorschläge gab es in den letzten Tagen zumindest aus der Bevölkerung, aber auch von Eigentümern selbst. In der Kreissporthalle gibt es auf alle Fälle wieder Sport.