Konzert in Albstadt: Krisztina Fejes bietet virtuosen Tastenzauber

Die mit dem Bela-Bartók-Preis ausgezeichnete Ungarin Krisztina Fejes überraschte am Freitagabend im Stauffenbergschloss in Albstadt mit vielen Klangfarben in einem ausdrucksstark dargebotenen Konzertabend.⇥
Ulrike ZimmermannUrsprünglich schon im Beethovenjahr 2020 geplant und wegen der Coronapandemie verschoben, kam das Publikum im Stauffenbergschloss in Lautlingen jetzt vier Jahre später in einen musikalischen Hochgenuss. Im Spannungsfeld zwischen dem Diesseits und Jenseits versank die Pianistin in einem perfekten Spiel. Fröhlich, perlend und tänzerisch verträumt der Auftakt mit einer heiteren Sonate von Franz Joseph Haydn – in F-Dur, Hob. XVI/23. In ihr können die Zuhörerinnen und Zuhörer die filigrane Artistik, den eleganten Ton, den feinen Witz bewundern, mit dem die Pianistin dieses Frühwerk der Klassik zum Leben erweckte.
Scheinbar mühelos, ganz ohne Noten
Scheinbar mühelos, ganz ohne Noten und mit einem Lächeln im Gesicht tanzten die Finger über die Tasten, um in einem spritzigen Presto-Finale zu enden. Mit zarter Poesie und fein herausgespielter Melancholie huldigte die Pianistin anschließend Johannes Brahms. Er nannte seine 1892 komponierten Intermezzi op. 117 die „Drei Wiegenlieder meiner Schmerzen“. Clara Schumann, die wohl heimliche Widmungsträgerin der Klavierstücke, schrieb in ihrem Tagebuch über die Intermezzi von Johannes Brahms, dass „diese Stücke eine geistige Technik und feines Verständnis verlangen“.
„Tristan und Isolde“ ist ein Musikdrama von Richard Wagner. Zwei Jahre nach der Uraufführung des Werks am Münchner Nationaltheater 1865 inszenierte der Klaviervirtuose Franz Liszt (Wagners Schwiegervater) eine Klaviertranskription von Isoldes letzter Arie und bezeichnete sie als „Isoldes Liebestod“. Diese Klaviertranskription erlangte in Europa Berühmtheit, noch bevor Wagners Oper ihren Siegeszug antrat. Wie Wagners Originalwerk, ist das Stück eine Achterbahnfahrt zwischen gesteigerten Gefühlen, Romantik und Dramatik, die Liszt in dieser Bearbeitung mit großem Können und innovativen pianistischen Effekten zum Ausdruck brachte. Mit Leidenschaft und orchestral-klangvoll fing Fejes die Stimmung ein und bewältigte virtuos die zahlreichen Tremolos gekonnt, bis zum tragischen Liebestod.
Beethovens epische Sonate
Ludwig van Beethoven hat in seine letzten drei fast epischen Sonaten alles hineinkomponiert, was sein gesamtes Spätwerk ausmacht. Er hat seine Klaviersonaten als Erzählungen verstanden. Und so wundert es nicht, dass die vorletzte Klaviersonate Nr. 31 in As-Dur, op. 110, ein Ausdruck der sich verschlechternden Gesundheit ist. 1821 komponiert, umfasst sie die ganze Spanne seiner tiefen Emotionen. Sein Gehör war zu dieser Zeit schon stark beeinträchtigt.
Fejes interpretierte das zwischen tiefer Nachdenklichkeit, Depression und heftigen Ausbrüchen schwankende Stück mit expressiver Dramatik. Doch am Ende bricht mit einer prachtvollen, beinahe romantischen Fuge ein Lichtstrahl durch die Dunkelheit und neue Hoffnung keimt auf. Von einer beinahe geheimnisvollen Aura ist Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 in C-Moll, op. 111 umgeben. Er schließt damit sein immenses Klavierschaffen ab. Im 1. Satz von op. 111 beginnen die äußeren Gegenkräfte endgültig zu überwiegen. Mit jedem Fugato verdunkelt sich der Grimm über die Welt.
Dank ihrer überragenden pianistischen Fähigkeiten gelang es Fejes, eine Verschließung oder Erstarrung zu vermeiden und das innere Gefühl der Wut und Ohnmacht über alle Grenzen weiter zu steigern, bis es zu einem letzten Befreiungsversuch kommt, der in extrem harten Schlägen untergeht. Das war ein atemraubendes, ausdrucksstarkes Spiel, das sich auch in der Mimik und Gestik der Pianistin widerspiegelte. Am Ende standen Tränen in ihren Augen.
Nein, das war keine leichte Kost. Sichtlich ergriffen applaudierte das Publikum und entlockte der Pianistin noch zwei Zugaben, bis die Tasten verstummten.
In Erinnerung an den Widerstandskämpfer
Die Stauffenberg Gedenkstätte lohnt sich nicht nur für Konzerte: Die nächste Führung durch die musikhistorische Sammlung Jehle ist am Sonntag, 14. April. Im Stauffenberg-Schloss, dem ehemaligen Stammsitz der Familie Stauffenberg, wird die Erinnerung an den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg lebendig gehalten.
Am Sonntag (14. April) können Interessenten teil an der wechselvollen Familiengeschichte der Schenken von Stauffenberg haben. Von 14.30 bis 15.30 Uhr wird dem Werdegang und Wandel eines der prominentesten Gesichter des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in einer öffentlichen Führung auf den Grund gegangen. Eintritt und Führung sind kostenfrei.
