Dolomiti-Boulderbox in Pfeffingen
: Albstädter Boulderhalle plant Erweiterung für alle Generationen

Peter Reusch, Inhaber der Dolomiti-Boulderbox in Pfeffingen, hat ein Platzproblem. Auf Langenwand möchte er sich vergrößern. Das sind seine Pläne für die Halle.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Peter Reusch in seiner Boulderhalle Dolomiti in Pfeffingen. Hier geht langsam der Platz aus, der 62-Jährige möchte daher eine Halle in Tailfingen kaufen.⇥

    Peter Reusch in seiner Boulderhalle Dolomiti in Pfeffingen. Hier geht langsam der Platz aus, der 62-Jährige möchte daher eine Halle in Tailfingen kaufen.⇥

    Rena Weiss
  • Das Objekt der Begierde: Diese Halle hat es Peter Reusch angetan. Hier möchte er künftig seine Dolomiti Boulderhalle unterbringen und sich damit deutlich vergrößern.⇥

    Das Objekt der Begierde: Diese Halle hat es Peter Reusch angetan. Hier möchte er künftig seine Dolomiti Boulderhalle unterbringen und sich damit deutlich vergrößern.⇥

    Peter Reusch
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Mehr als eine Million Kletterinnen und Kletterer gab es 2023 in Deutschland, schätzt der Deutsche Alpenverein (DAV). 1990 waren es nur rund 70 000 Aktive. Der Anstieg zeigt sich auch in den Boulder- und Kletteranlagen: Rund 550 solcher Anlagen sind in Deutschland öffentlich zugänglich. Eine neue Anlage soll es Ende dieses Jahres in Albstadt geben, plant Peter Reusch.

Umzug nach Tailfingen geplant

Er ist Inhaber der Dolomiti-Kletterkiste/Boulderbox in Pfeffingen. Dort soll sie jedoch nicht bleiben. Der 62-Jährige hat eine neue Halle ins Auge gefasst. Albstadt werde der erfahrene Kletterer erhalten bleiben, wenn alles klappt, aber ab Ende des Jahres nur wenige Kilometer weiter auf Langenwand in Tailfingen.

Warum also der Umzug? „Wir sind definitiv zu klein“, sagt Reusch zur bisherigen Halle. Die hatte er 2019 eröffnet. Damals reichten mehr als 550 Quadratmeter den Boulder-Begeisterten, wobei nur etwa 330 Quadratmeter tatsächlich fürs Klettern zur Verfügung stehen. „Wir taten uns zu Beginn noch schwer, die Grundauslastung zu erreichen. Jetzt aber kommen wir an unsere Kapazitätsgrenze.“

Neue Halle mit mehr als 1700 Quadratmeter

Die neue Halle in der Nähe der Landessportschule hat mehr als 1700 Quadratmeter. „Wir planen hier nicht nur ein Boulderzentrum, sondern wollen vielfältiger werden.“ Allein der geplante Kinderbereich soll künftig so groß werden wie der Boulderraum im Dolomiti. Das sei auch notwendig, meint Reusch. Kooperationen mit Schulen zeigen einen steigenden Bedarf. Allein in der Boulder-AG sind 40 Kinder, hinzu kommen Kindergeburtstage und Kliniken, die das Angebot des therapeutischen Boulderns und Kletterns annehmen.

„In unserer jetzigen Halle haben wir allerdings keinen Kinderbereich.“ Für den Trainingsraum muss ebenfalls ums Haus herum gegangen werden. Das soll sich in der neuen Halle ändern. Neben einem separaten Boulderraum und Außenbereichen plant Peter Reusch einen Fitness- und Kraftraum, der nicht nur für Kletterer geeignet ist, der Ninja-Warrior-Parcours soll erhalten bleiben, ein Yoga-Raum, Poledance, Sauna, Tischkicker und -fußball, Billard, eine größere Lounge sowie eine Erweiterung des Ladens und des Lagers sollen hinzukommen. „Wir sind nämlich die einzigen, die bei Barfußschuhen neue Sohlen anbringen.“

Hauptinteressensgruppe Jugendliche und junge Erwachsene

Ein weiterer Vorteil des neuen Standorts sei die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. „Auf Langenwand sind wir direkt neben der Sportschule. Das heißt, wir haben bis nachts eine Busanbindung.“ Das ist für Reusch wichtig, da die Hauptinteressensgruppe Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren sind. Die haben es meist schwer, ohne fahrbaren Untersatz zur Halle in der Lengentalstraße zu gelangen.

Während zwar die Möglichkeit des Eltern-Taxis besteht, möchte Reusch einen anderen Ansatz wählen. „Derzeit haben wir den Eltern nur einen Lounge-Bereich anzubieten.“ In der neuen Halle soll dieser viel größer werden, mit diversen Spielmöglichkeiten. „Wir werden ein größeres Angebot für Familien haben.“ Dementsprechend sollen auch die Öffnungszeiten angepasst werden. Wie bisher soll die Kletterhalle morgens Schulen zur Verfügung stehen und ab 12 Uhr dann der Öffentlichkeit. Geplant sei auf lange Sicht eine 24-Stunden-Öffnung. So können auch Schichtarbeiter für eine Bouldereinheit vorbeikommen.

Personell wird es zwar keine Rundumbetreuung geben, trotzdem wird sich das Unternehmen auch hier vergrößern müssen. Von drei auf sechs feste Mitarbeiter, die sechs Aushilfen und zwei Trainer sollen ebenfalls Unterstützung erhalten. „Ich möchte zudem Boulder- und Kletterlehrtrainer weiterbilden, dann können wir selbst Interessenten zu Trainern ausbilden.“ Das gelte auch für die therapeutische Ausbildung, die „richtig Potenzial“ habe, sagt Reusch.

Stadt muss zustimmen

Der 62-Jährige hat viel vor. Allerdings kann er noch nicht in seine Wunschhalle. Denn die gehört der Stadt. Sowohl die als auch das Gremium müssen dem Verkauf zustimmen. Dann muss ein Notartermin vereinbart werden und erst damit ist der Kauf abgeschlossen und Reusch kann durchstarten. Wenn es nach ihm geht, soll alles ganz schnell gehen. Das sei seine Art: Wenn er sich etwas vorgenommen hat, zieht er es durch, am besten sofort. Dabei hofft er auf die Unterstützung der Stadt. Und warum sollte die bei der derzeitigen Finanzlage einem solchen Deal nicht zustimmen, glaubt der Boulderer.

Er steht in den Startlöchern und hat alles bereits mit seiner Bank geklärt. Rund eine halbe Million Euro werde er in den Kauf und Umbau stecken. Die derzeitige Halle befindet sich in seinem Eigentum und soll später verkauft werden. „Die Grundvoraussetzungen sind bei der neuen Halle alle da.“ Beim Thema Brandschutz sei bereits viel gemacht worden. „Was wir brauchen werden, ist eine neue Heizung.“ Und eben die notwendige Ausstattung und Kletterwände.

Schließung für drei Wochen

Während des Umbaus soll das Dolomiti nur zwei bis drei Wochen geschlossen haben. Das gelinge unter anderem dadurch, dass Peter Reusch bereits einige Kletterwände auf Lager hat, für die es derzeit noch keinen Platz gibt. So hatte er die Wände des Kletterzentrums „Vertical“ in Balingen nach dessen Schließung gekauft. „Die werden zum größten Teil den Kinder- und Anfängerbereich abdecken.“ So lasse sich die Schließzeit deutlich reduzieren, ist Reusch überzeugt.

Die Kundschaft zeige Verständnis, auch weil Familie Reusch schon überlegt hatte, Albstadt mit ihrer Boulderbox zu verlassen und woanders zu vergrößern. Schließlich kommt der 62-Jährige eigentlich aus Metzingen. 2019 kamen Standorte in Pfullendorf, Schramberg, Sigmaringen und eben Albstadt infrage. Einzig im Raum Metzingen wollte er nicht bleiben. „Ich wollte dem H3 keine Konkurrenz machen.“ In der dortigen Kletterhalle war er aktiv, so auch im „Räumle“ der Reutlinger DAV-Sektion.

Beim Bouldern geht es um Gemeinschaft

„Wir sind mittlerweile eine der bekanntesten Boulderhallen in Deutschland, weil wir einfach keine Kommerzhalle sind. Bei uns ist es heimelig und privat.“ Das ist Reusch wichtig, ihm gehe es um die Gemeinschaft, die beim Bouldern herrscht. „Hier hilft jeder jedem, und ich stehe mit Leib und Seele hinter dem Sport.“ In den Großstädten ist Bouldern bereits ein großer Trend. Das könne auch im ländlichen Zollernalbkreis gelingen, ist Peter Reusch überzeugt, und das möchte er mit einem neuen, größeren Standort erreichen.

„Huberbuam“ bei der Eröffnung

Durch die Bergwacht fand Peter Reusch mit 16 Jahren zum Klettern. Damals war er viel in Lenningen und Bad Urach unterwegs. Mit 24 legte er eine Pause ein, auf einem Pferd. Westernreiten hieß sein neues Hobby. „16 Jahre lang bin ich dann nicht mehr geklettert.“

Am Bouldern liebt er, dass neben dem Körper auch der Kopf beansprucht werde. „Bouldern heißt Problemlösung. Alle Körperteile und der Geist werden beansprucht. Das ist es, was den Sport ausmacht.“ Während zwar schnell erste Erfolge erzielt werden können, heißt es hier, Geduld bewahren: „Nach dem ersten Mal tut dir einfach alles weh“, weiß Reusch. Doch es gilt, dranzubleiben. „Dann macht es süchtig.“

Das liege auch an der Gemeinschaft, die es beim Klettern gebe. Man kennt sich untereinander. So zählt der 62-Jährige unter anderem die „Huberbuam“ zu seinen Bekannten. Sie zählen zu Deutschlands besten Profibergsteigern und Extremkletterern. Thomas Huber war bereits am 1. Advent in Albstadt und hat eine Autogrammstunde gegeben. Zur Eröffnung der neuen Halle, die für Oktober geplant ist, hofft Reusch ebenfalls auf Besuch von entweder Thomas oder Alexander Huber. Stefan Glowacz könnte ebenfalls zu den Gästen gehören.

Ist die neue Halle eingerichtet, möchte Reusch die Boulder-Bundesliga nach Albstadt holen. „Beim Kickoff in Jena waren 2000 Leute da.“ Sechs Wochen dauert der Wettkampf. Das sei auch für Gastronomie und Hoteliers von Vorteil.