Jahresauftakt der CDU Meßstetten: Caroline Bosbach legt den Finger in die Wunden

Landrat Günther-Martin Pauli überreicht Carolin Bosbach das Zollernalbkreis-Puzzle (Bildmitte), umringt werden sie von Bürgermeister Frank Schroft (v. l.), den Stadtverbandsvorsitzenden Ernst Berger und Syke Schlude sowie Albstadts OB Roland Tralmer.⇥
Ulrike ZimmermannDie „Tonic Bar“ platzte fast aus allen Nähten. Kaum ein Platz blieb leer. Mehr als 100 Personen, unter ihnen nicht nur die CDU-Prominenz aus der ganzen Region, sondern auch parteilose Interessierte, waren der Einladung des CDU-Stadtverbandes Meßstetten gefolgt.
Eine klare Botschaft hatten der erste CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ernst Berger und die zweite Vorsitzende Sylke Schlude von Caroline Bosbach erwartet – und diese haben sie auch bekommen. Die 34-Jährige, Tochter des CDU-Politikers Wolfgang Bosbach, der 23 Jahre lang im Bundestag saß, sprach in ihrem erfrischenden Referat offen und direkt aus, was die Menschen in diesem Land umtreibt.
Atomstrom aus dem Ausland
Dabei hob sie sich von den provokanten Rundumschlägen gegen die Konkurrenz auf dem größten politischen Aschermittwoch im bayrischen Passau ab. Weit entfernt von der Polemik des CSU-Chefs und bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder lieferte sie eine ernste Analyse der Herausforderungen unserer Zeit. Sachlich legte sie dabei den Finger in die Wunden.
Schade findet Caroline Bosbach, dass in Deutschland nur 1,4 Prozent Mitglied einer Partei sind. Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder betrage 61 Jahre. Woran liege es, dass es nicht gelinge, junge Menschen zu gewinnen, die sich politisch engagieren wollen? Heute gehöre Mut dazu, Politikerin und Politiker zu sein, aber ohne Ehrenamtliche könne das Land nicht funktionieren.
Statt der plumpen Aussage „Die Ampel muss weg“, benannte sie die falsch gesetzten Prioritäten in diesem Land, die sich immer mehr von der Mehrheit der Bevölkerung entferne. Sprichwort Kernkraft. Da müsse man ein Fragezeichen dahinter setzen, denn Deutschland importiere fleißig Atomstrom aus den Nachbarländern.
Vergleich hinkt
Sie nannte das Heizungsgesetz, das hohe Wellen geschlagen habe – die Brechstange habe aber noch nie geholfen für Akzeptanz in der Bevölkerung. „Das Geschlecht kann man sich inzwischen aussuchen, aber die Heizung nicht.“ Die Legalisierung von Cannabis sieht sie dagegen gelassen: „Anders hält man das hier auch manchmal nicht aus.“ Die CDU-Politikerin findet den Vergleich der Proteste der Landwirte mit den Klimaklebern „ein starkes Stück“. Es seien nicht nur die Landwirte, die gegen die Politik der Ampel demonstrieren, sondern auch der gesamte Mittelstand. Gleichzeitig verurteilte sie aber die Angriffe auf die Grünen am Aschermittwoch in Biberach. Warum sie nicht an den Demos gegen rechts teilnehme, begründete sich damit, dass es „Demos gegen Rechtsextremismus“ heißen müsse. Dafür würde sie auf die Straße gehen.
Absage an die Grünen?
Bevor etwas verteilt werde, müsse es erwirtschaftet werden: „Runter mit den Steuern und Abgaben“. Es könne doch nicht sein, dass „wir in Europa Spitzenreiter bei den Steuern und Abgaben seien“, sagte sie. Dieter Nuhr habe es in seinem Jahresrückblick 2023 auf den Punkt gebracht: „Die SPD war eine Arbeiterpartei – jetzt ist sie die Partei für diejenigen, die nicht arbeiten. Und das sind weniger.“
Der Staat schulde nicht nur den Sozialempfängern etwas, sondern auch denjenigen, die das erwirtschaften. Die Basis wünsche sich eine klare Absage an eine Koalition mit den Grünen, aber Carolin Bosbach verteidigte die Aussage des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz. Er habe es vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt, aber das sei eine kluge Taktik.
Damit wolle man sich alle Optionen für Verhandlungen nach der Bundestagswahl 2025 offenhalten. Sonst wäre doch eine Konstellation jetzt schon klar. Die CDU stehe für Freiheit, Eigenverantwortung und Leistung. Das sei früher so gewesen und das sei auch heute noch so: „Wir müssen uns einen Grundoptimismus erhalten.“
1,4
Prozent der deutschen Bürger engagieren sich in einer politischen Partei. Bedauernswert, wie Caroline Bosbach von der CDU beim Jahresauftakt des Stadtverbands anmerkte.
