Insolvenzgeld und Unsicherheit: Wie es jetzt bei Mayer & Cie. in Albstadt weitergehen soll

Der Hauptsitz von Mayer & Cie. in Albstadt-Tailfingen. Das Unternehmen steckt aktuell in einer Krise – ist aber historisch betrachtet krisenerprobt.
Mayer und Cie.- Mayer & Cie. in Albstadt beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung nach Umsatzeinbruch von 50 %.
- 280 Mitarbeiter erhalten vorerst Insolvenzgeld für drei Monate; Zukunft ungewiss.
- Ursachen: Handelskonflikt, Ukraine-Krieg, hohe Inflation in der Türkei, Billigkonkurrenz aus China.
- Ziel: Geschäftsbetrieb sichern, Kernkompetenzen erhalten – Sanierungsexperte Martin Mucha unterstützt.
- Krise nicht neu: Bereits 2009 überstand das Unternehmen eine Insolvenz und schrieb 2010 wieder Gewinne.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der traditionsreiche Maschinenbauer Mayer & Cie. aus Albstadt hat am 23. September beim Amtsgericht Hechingen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das gab das Unternehmen am Donnerstag offiziell bekannt. Der Hersteller von Rundstrick- und Flechtmaschinen beschäftigt am Stammsitz in Tailfingen rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Löhne und Gehälter sind nach Angaben der Geschäftsführung „für drei Monate über das Insolvenzgeld“ gesichert.
Das Familienunternehmen, das sich in vierter Generation in Besitz der Familie Mayer befindet und erst im Juli sein 120-jähriges Bestehen gefeiert hat, sieht sich mit massiven Verwerfungen am Weltmarkt konfrontiert. In einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion erklärte die Geschäftsführung, das Unternehmen sei „in eine wirtschaftliche Schieflage geraten“. Die Eigenverwaltung biete nun den rechtlichen Rahmen, „um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen“. Ob und in welchem Umfang Entlassungen notwendig werden, könne derzeit noch nicht gesagt werden.
„Erhalt der Kernkompetenzen“ ist das Ziel
In einer Pressemitteilung verweist Mayer & Cie. darüber hinaus auf mehrere Ursachen der aktuellen Krise: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie der Krieg in der Ukraine führten weltweit zu Investitionszurückhaltung. Die Türkei, ein zentraler Absatzmarkt, leide unter hoher Inflation, sodass dortige Textilhersteller nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Zugleich drängten staatlich subventionierte Anbieter aus China mit Billigmaschinen auf den Markt. Das Ergebnis: ein Umsatzeinbruch von rund 50 Prozent im vergangenen Jahr – bei gleichzeitig deutlich steigenden Kosten.
Um das Unternehmen zu stabilisieren, setzt Mayer & Cie. nun auf externe Unterstützung. Zum Generalbevollmächtigten wurde der Sanierungsexperte Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger bestellt. „Wir beabsichtigen den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortzusetzen und werden uns mit allem Engagement auf den Erhalt der Kernkompetenzen des Unternehmens konzentrieren“, erklärte Mucha. Das Amtsgericht ernannte zudem den Juristen Ilkin Bananyarli von der Kanzlei Pluta zum vorläufigen Sachwalter, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht.
Nicht die erste Krise in der Unternehmensgeschichte
Schon im Jubiläumsjahr hatte Geschäftsführer Benjamin Mayer die schwierige Lage offen angesprochen: „Die Auftragslage bleibt angespannt im deutschen Textilmaschinenbau. Eine Trendwende ist, angesichts der verschiedenen Krisen weltweit, noch nicht in Sicht. (…) Die, die wir heute zu meistern haben, ist mit Abstand die schwierigste.“
Für Mayer & Cie. ist die jetzige Situation indes nicht die erste schwere Krise der Unternehmensgeschichte: Ende der 1990er-Jahre geriet der Textilmaschinenbauer im Zuge asiatischer Billigware unter Druck, das Auftragspolster schrumpfte, Kurzarbeit wurde eingeführt. „Mayer & Cie. bietet der Krise die Stirn“, kommentiert das Unternehmen diese Zeit wenige Jahre später im eigenen Historienbuch.
2009 folgte wiederum ein reguläres Insolvenzverfahren, in dem Banken auf Millionenforderungen verzichteten und die Gesellschafter neues Kapital einschossen. Bereits 2010 konnte das Verfahren erfolgreich beendet werden – Mayer & Cie. schrieb damals wieder schwarze Zahlen.
Nun steht das Unternehmen erneut an einem Wendepunkt. Ob die Eigenverwaltung ähnlich erfolgreich verläuft wie 2010, bleibt abzuwarten. Klar ist: Für die Region Zollernalbkreis hängt viel an dem traditionsreichen Weltmarktführer.

