Haushalt 2024 Albstadt: Die Schulden steigen weiter an
Die Stadt Albstadt muss im nächsten Jahr rund 17,3 Millionen Kredite aufnehmen, um das Haushaltsvolumen von 159 Millionen Euro im Ergebnishaushalt und 35 Millionen Euro im Finanzhaushalt bedienen zu können. Der Schuldenstand steigt damit auf 60,3 Millionen Euro. Bei den Investitionen in Höhe von 30,2 Millionen Euro fließen rund 11,9 Millionen Euro in die Schulen, weitere rund 2,5 Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbetreuung, rund 1,7 Millionen Euro in die Stadtsanierung, und zirka zwei Millionen Euro in die Abwasserbeseitigung.
Hauptamtsleiter verabschiedet sich nach vier Jahrzehnten
„Wir schaffen das“, zitierte Oberbürgermeister Roland Tralmer beim Pressegespräch die ehemalige Bundeskanzlerin. Er bezog den Satz allerdings nicht auf die Flüchtlingsproblematik, sondern vielmehr auf die Einbringung des Haushaltsplanentwurfs 2024 der Stadt Albstadt in die Gemeinderatssitzung gestern Abend.
Die Stadt ist „schon im Jahr 2023 in einer schwierigen finanziellen Situation“, wie inzwischen jeder wissen dürfte und wie das Stadtoberhaupt unumwunden zugab. Er selbst war es, der im Frühjahr einen „Kassensturz“ forderte, dem die Haushaltssperre folgte. Diese dauere noch immer an, bemerkt Kämmerin Michaela Wild. Krisenstimmung herrsche derzeit bei der Bundesregierung, holt Finanzbürgermeister Steve Mall aus, um gleich danach, wie Tralmer, Optimismus zu verbreiten.
Weiterentwicklung trotzdem vorantreiben
Man habe mit dem mehrere 100 Seiten umfassenden Werk einen Haushalt geschaffen, der genehmigungsfähig sei. „Wir stehen vor großen Investitionen und möchten unsere Stadt weiterentwickeln. Zugleich gilt es aber auch, die städtische Infrastruktur zu sanieren und die Rechtsansprüche auf Kinderbetreuung in Kitas und Grundschulen umzusetzen. Das ist ein gewaltiges Paket“, so Mall weiter. Bislang hat Roland Tralmer immer die Meinung vertreten, dass Albstadt weniger ein Einnahmeproblem als ein Ausgabeproblem habe, doch inzwischen habe man beides, bemerkt der Oberbürgermeister.
Etliche Steuern und Gebühren wurden erhöht
Nicht zuletzt wurden deshalb viele Steuern und Gebühren erhöht – beispielsweise die Grundsteuer, die Hundesteuer, die Gebühren für die Schulkindbetreuung oder die Parkgebühren. Man könne zwar keine großen Sprünge machen, aber die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit der Stadt bleibe erhalten, so Tralmers Botschaft an die Bevölkerung: „Die notwendigen Sparbemühungen führen nicht zum Stillstand.“
Budgets werden zugeteilt
Intensiv hat sich die Verwaltung wie auch der Gemeinderat mit der finanziellen Lage der Stadt beschäftigt. Das Entscheidungsgremium der Stadt hat sich in diesem Jahr diesbezüglich zwei Mal auf Klausurtagung begeben, und die Verwaltung hat die Aufstellung des Haushaltsplans komplett neu organisiert. Ab sofort melden nicht die einzelnen Ressorts ihren finanziellen Bedarf an, den die Kämmerin dann mit dem Rotstift auf das maximal Machbare zusammenstreicht.
Priorisierung unabdingbar
Mit der neu eingeführten „Albstädter Investitionsstrategie 2040“ – kurz „AI 2040“ – will man in der Sportstadt neue Wege in der Finanzplanung gehen. Die AI 2040 ist, wie der Name schon andeutet, auf 17 Jahre ausgelegt und will die Investitionsschwerpunkte und Prioritäten in den Blick nehmen. Sämtliche Investitionen werden im Haushaltsplan farblich nach Prioritäten gekennzeichnet, erläutert Kämmerin Michaela Wild. Sie dankt dem gesamten Team der städtischen Verwaltung, die bei der Neuaufstellung an einem Strang gezogen haben.
Synergie-Effekte nutzen
Und der Gemeinderat muss sich überdies auch mit dem Thema „Clusterbildung“ auseinandersetzen. In der Praxis bedeutet das, dass man Synergie-Effekte bei Gebäuden nutzen muss. Das Beispiel Sanierung der Kirchgrabenschule zeigt es. Hier wird gleich eine Mensa eingebaut, welche auch die Schlossberg-Realschule und die Hohenbergschule mit versorgt.
Ein Problem der Stadt Albstadt sind die Liquiditätsreserven, die es nämlich kaum gibt. Zwar habe man rund 95 Millionen Euro an Ergebnisrücklagen, doch diese sind eben nicht liquide, verdeutlicht Steve Mall. Im Vergleich zum laufenden Jahr 2023 hat man nächstes Jahr voraussichtlich zwar 6,5 Millionen Euro mehr Erträge, aber eben auch 16,3 Millionen Euro mehr Aufwendungen. Gründe hierfür sind beispielsweise der Tarifabschluss, die gestiegenen Kreditzinsen und die explosionsartig gestiegenen Baukosten.
Hohe Kreisumlage
Mehreinnahmen gibt es vor allem – durch beschlossene Erhöhungen – im Bereich der Grundsteuer (eine Million Euro) und aus Schlüsselzuweisungen nach dem kommunalen Finanzausgleich (4,7 Millionen Euro). Demgegenüber stehen allerdings auch die erhöhte Kreisumlage, die mit 27,2 Millionen Euro um 4,7 Millionen Euro höher liegt als noch in diesem Jahr. Als größte Stadt innerhalb des Zollernalbkreises hat Albstadt auch den größten Anteil an der Umlage.
Nachtragshaushalt vermieden
Durch das umsichtige Handeln in der Stadtverwaltung konnte in diesem Jahr ein Nachtragshaushalt mit einer Neuverschuldung vermieden werden. Aber um handlungsfähig zu bleiben und auch in Zukunft noch Investitionen tätigen zu können, muss einerseits lange und gut mit der AI 2040 im Voraus geplant werden, aber andererseits auch immer wieder die bereits gesetzten Prioritäten bewertet werden. Hinzu kommt das Stichwort „Cluster“, Netzwerke, bei dem es um Synergieeffekte geht.
Eine Neuausrichtung hin zur optimierten Finanzstrategie war für Kämmerin Michaela Wild sowie Finanzbürgermeister Steve Mall und Oberbürgermeister Roland Tralmer unabdingbar. Innerhalb von nur fünf Monaten ist es der Verwaltung gelungen, eine Strategie, angelehnt ans „Ulmer Modell“, neu aufzulegen und umzusetzen. Michaela Wild ist stolz auf die „Hochglanz-Strategie“.
Die wichtigsten Daten und Zahlen des Haushalts 2024
Albstadt hat einen Investitionsstau in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Jährlich liegt der Investitionsbedarf bei etwa 73 Millionen Euro und damit drei Mal so hoch wie bislang.
Eine neu gebildete Arbeitsgruppe wird noch vor Weihnachten das Einsparpotenzial durch Gebäudebestandsoptimierung erörtern. Der gesamte Gebäudebestand der Stadt wurde hierzu analysiert. Die Sachkosten sollen gesenkt werden.
Im Vergleich zu 2023 steigen die ordentlichen Ausgaben um 16,3 Millionen Euro auf 159,2 Millionen Euro. Zu zwei Dritteln sind dies Transferaufwendungen wie die Kreisumlage oder die Finanzausgleichsumlage sowie Personalaufwendungen.
Die ordentlichen Erträge steigen nur um 6,3 Millionen Euro auf 151,7 Millionen Euro.
Das Planungsverfahren für den Haushalt 2024 wird erstmalig umgestellt: Zunächst werden die allgemein zur Verfügung stehenden Finanzmittel ermittelt und danach das Budget auf die Einzelbudgets verteilt. Die Budgetverantwortlichen können bei Bedarf Erhöhungsanträge stellen.
Zum Jahresende 2023 wird ein Fehlbetrag im ordentlichen Ergebnis in Höhe von vier Millionen Euro erwartet. Der Zahlungsmittelendbestand wird am Jahresende voraussichtlich mindestens fünf Millionen Euro betragen, womit die Stadt zumindest liquide Mittel hat.



