Gesundheitsatlas Deutschland
: Knapp 30.000 Menschen im Zollernalbkreis von Depressionen betroffen

Nach dem Main-Tauber-Kreis sind die Menschen im Zollernalbkreis am depressivsten im Ländle. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Lange Fehlzeiten am Arbeitsplatz verursachen hohe Kosten für die Unternehmen.
Von
swp
Zollernalbkreis
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Symbolbild - Depression: ARCHIV - 13.07.2021, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.  (zu dpa: «AOK: Gut jeder zehnte Schleswig-Holsteiner hat Depressionen») Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Frauen sind sehr viel häufiger von Depressionen betroffen als Männer.

Fabian Sommer/dpa

Laut aktuellem „Gesundheitsatlas Deutschland“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) waren im Zollernalbkreis im Jahr 2022 14,72 Prozent der Bevölkerung an Depressionen erkrankt. Das entspricht 28.514 Personen. Damit liegt der Anteil der im Zollernalbkreis Betroffenen deutlich über dem Landesschnitt von 12,15 Prozent und auch über dem Bundesschnitt von 12,5 Prozent. Die Anzahl der Krankheitsfälle hatte im Kreis im Pandemiejahr 2020 bereits einen Höchststand erreicht – damals wurde bei 15,06 Prozent der Bevölkerung eine Depression diagnostiziert.

Einsamkeit ist Risikofaktor

„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Zunahme der Krankheitsfälle durch einen hohen Anstieg unter den Jüngeren und einen leichten Anstieg unter den Älteren geprägt ist. Dabei sind jedoch insgesamt viel mehr ältere Menschen von Depressionen betroffen“, sagt Marion Rostam, Geschäftsführerin der AOK Neckar-Alb. „Die Zahlen spiegeln wider, dass junge und ältere Menschen die besonders gefährdeten Gruppen in der Corona-Pandemie waren. Einsamkeit ist ein Risikofaktor für das Entstehen einer Depression, und besonders Menschen in hohem Alter waren in Pandemiezeiten häufig allein und isoliert.“

Laut der Analyse des Gesundheitsatlas sind in allen Altersgruppen Frauen häufiger betroffen als Männer. Bei den 60- bis 64-Jährigen ist mehr als jede fünfte Frau und fast jeder sechste Mann betroffen. In den Altersklassen zwischen 65 und 74 Jahren ist dann ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Nach diesem „Knick“ steigt die Anzahl der Krankheitsfälle (Prävalenz) jedoch weiter deutlich an. Der Prävalenzgipfel wird bei den 80- bis 84‑jährigen Frauen mit 27,7 Prozent erreicht. Bei den Männern wird die höchste Prävalenz mit 17,6 Prozent in der Altersgruppe ab 90 Jahren gemessen.

Volkswirtschaftliche Kosten

Der aktuelle Gesundheitsatlas analysiert auch die regionale Verteilung der Erkrankung. Danach gibt es in Baden-Württemberg im Main-Tauber-Kreis mit 15,10 Prozent die meisten Menschen mit Depressions-Diagnose, gleich gefolgt vom Zollernalbkreis mit 14,72 Prozent. Dagegen ist mit einem Anteil von 8,43 Prozent die Bevölkerung in Heidelberg am wenigsten depressiv.

Die Bedeutung der Erkrankung zeigt sich auch bei den volkswirtschaftlichen Kosten, die im Gesundheitsatlas Deutschland analysiert werden. Das WIdO hat für ganz Deutschland Produktions-Ausfallkosten in Höhe von 6,9 Milliarden Euro durch Depressionen errechnet, was einen Anteil von 7,7 Prozent an den gesamten volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsunfähigkeit bedeutet.

„Für den Zollernalbkreis kann ich sagen, dass wir für das Jahr 2022 4,9 Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen Depression pro 100 AOK-versicherten Beschäftigten verzeichnet haben. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen fehlten die Betroffenen überdurchschnittlich lange an ihrem Arbeitsplatz – im Zollernalbkreis 41 Tage im Schnitt. Das sind relevante Kosten, die durch diese Fehlzeit für jedes einzelne Unternehmen entstehen.“ Die Geschäftsführerin der AOK Neckar-Alb hält deshalb – unabhängig davon, welchen Einfluss gerade auch berufliche Belastungen auf die Entstehung einer Depression haben – Instrumente wie Fehlzeiten-Analyse oder Befragungen zur Gesundheit der Mitarbeitenden für absolut notwendig, um im eigenen Unternehmen die Bedeutung der Erkrankung zu erkennen. „Angesichts des Fachkräftemangels kommt dem betrieblichen Eingliederungsmanagement nach einer Depression eine wichtige Rolle zu“, betont Marion Rostam.

41

Tage fehlen an Depression Erkrankte im Zollernalbkreis im Schnitt an ihrem Arbeitsplatz. Erheblich länger als bei den meisten anderen Erkrankungen.