Geschwindigkeitsüberwachungen in Albstadt: Es wird bald vermehrt geblitzt

Wenn der Tunnel an der Bundesstraße B 463 in Laufen etwa 15 Monate lang saniert wird, soll auf den Umleitungsstrecken vermehrt die Geschwindigkeit des Verkehrs überwacht werden.
Rena WeissDie Stadtverwaltung Albstadt rechnet damit, dass sich die Kosten für die Anmietung einer semistationären Geschwindigkeitsmessanlage im Zeitraum von 15 Monaten während der Tunnelsanierungsarbeiten im Albstädter Stadtteil Laufen amortisieren dürften oder sogar Geld eingenommen wird, was dem städtischen Haushalt entgegen kommt. Dabei greift sie auf – eher negative – Erfahrungswerte zurück. Vor zwei Jahren wurde die Fahrbahndecke der Bundesstraße im benachbarten Stadtteil Lautlingen erneuert. Während dieser Sanierungsmaßnahmen ist es nach Aussage der Stadtverwaltung zu massiven Beschwerden der betroffenen Anwohner entlang der Umleitungsstrecke gekommen, die hauptsächlich die erhöhten Geschwindigkeiten der Autofahrer betroffen haben. Dieses Mal will man also gleich vorbeugen und hat vom Gemeinderat in dessen letzter Sitzung einhellige Zustimmung erhalten.
Stadt rechnet mit erheblichen Einnahmen
Zwar kostet die Anmietung einer entsprechenden Messanlage für Juli 2024 bis September 2025 rund 150.000 Euro. Doch demgegenüber stehen die Einnahmen durch Bußgelder für Tempoüberschreitungen. Und hierbei rechnet die Kommune mit Mehreinnahmen im Haushaltsjahr 2024 in Höhe von 70.000 Euro und nochmals 110.000 Euro für das nächste Haushaltsjahr. In Summe also 180.000 Euro. Die Fahrzeuglenker, die schon vor der langwierigen Baumaßnahme von sämtlichen Einschränkungen genervt sind, dürfte solch ein Knöllchen zusätzlich ärgern. Schließlich müssen Pendler teilweise große Zeiteinbußen und erhöhte Spritkosten für die Umfahrung des Tunnels in Laufen hinnehmen – ganz zu schweigen von den Nerven, die es so manchen Beteiligten kosten könnte. Für den Stadtsäckel wiederum ist es von Vorteil, wenn sich nicht jeder Verkehrsteilnehmer an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen hält.
Der mobile Blitzer wandert entlang der Umleitungsstrecke
Genervte Autofahrer sind manchmal sehr erfindungsreich. Und deshalb werden bei großräumigen Umleitungen allzu oft auch irgendwelche bekannte Schleichwege genutzt. Auch das weiß man in der Stadtverwaltung. Und deshalb soll die Geschwindigkeitsmessanlage nicht an einer bestimmten Stelle aufgestellt werden, sondern während der 15 Monate immer mal wandern. Entlang der Umleitungsstrecke und auch an bekannte Schleichwegen. Noch dazu wird gleichzeitig in beide Fahrtrichtungen überwacht werden. Submissionstermin für diese öffentliche Ausschreibung ist der 20. Juni, wie der Gemeinderat auf Vorschlag der Stadtverwaltung beschlossen hat. Der Zuschlag geht dann an den günstigsten Bieter. Für die Vergabe wurde Oberbürgermeister Roland Tralmer ermächtigt, da es aufgrund der anstehenden Kommunalwahlen erst im Juli wieder eine Gemeinderatssitzung geben wird.
Mehrere Stadtteile sind betroffen
Von der 15-monatigen Umleitung ist nicht nur der Stadtteil Laufen, in dem der sanierungsbedürftige Tunnel liegt, betroffen. Gleich im Juli diesen Jahres, wenn mit den Arbeiten begonnen werden soll, müssen alle Verkehrsteilnehmer etwa zwei Wochen lang über Pfeffingen fahren. Im Anschluss führt die geplante Umleitungsstrecke rund zwei Monate über Margrethausen und Pfeffingen sowie die Balinger Stadtteile Zillhausen und Stockenhausen nach Dürrwangen, was den Verkehr aus Richtung Lautlingen betrifft. Ab September 2024 wird in Laufen innerörtlich in beide Richtungen über die Balinger Straße umgeleitet, was ziemlich eng her gehen dürfte. Die Durchfahrtsstraße wird zu diesem Zweck eigens für den Schwerlast-Begegnungsverkehr provisorisch verbreitert. Die Anwohner Laufens zeigten schon bei der Informationsveranstaltung wenig Begeisterung, da natürlich auch die Parkplätze entlang der Balinger Straße in Laufen während dieser zehn Monate wegfallen. Etwa drei Monate lang geht es dann wieder für jene aus Richtung Lautlingen über die erwähnten Stadtteile von Albstadt und Balingen, bis voraussichtlich im September 2025 alle wieder für zwei Wochen über Pfeffingen fahren müssen.
Teilweise sind Ampeln nötig
Es bleibt also eher zu bezweifeln, dass man auf den offiziellen Umleitungsstrecken tatsächlich „rasen“ kann. Wahrscheinlich wird sich vor allem zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag jeweils ein Fahrzeugkonvoi Stoßstange an Stoßstange entlang der ausgeschilderten Strecke bewegen. Und gerade weil dieser Umstand zu befürchten ist, plant das Regierungspräsidium Tübingen, welches für die Baumaßnahmen zuständig ist, zu denen in diesem Zusammenhang auch der Ersatzneubau für die Brücke über die Eyach in Laufen und die Sanierung der Brücke über den Meßstetter Talbach in Lautlingen zählen, an neuralgischen Punkten eine Ampelregelung. Wo in den aufgestauten Konvoi eingefahren werden muss, soll dies eine Lichtsignalanlage ermöglichen, so die Vorstellung des Bauprojekts von Seiten des Regierungspräsidiums. Tatsächlich schnell gefahren werden kann also wahrscheinlich nur auf den sogenannten Schleichwegen, die überhaupt nicht für den Umleitungsverkehr freigegeben sind. Solche vermeintlichen Abkürzungen werden Autofahrer dann womöglich teuer bezahlen müssen.
Messungen unabhängig von der Tunnelsanierung
Für mobile Geschwindigkeitsmessungen auf der Gemarkung Albstadt wurde bereits im März dieses Jahres mit Kosten in Höhe von rund 164.000 Euro ein Auftrag an die Firma radarrent aus Ubstadt-Weiher vergeben. Damit sind Geschwindigkeitsmessungen im Zeitraum von März 2024 bis Dezember 2025 abgedeckt.
