Flüchtlingsunterbringung in Albstadt
: Landratsamt hat noch keine Entscheidung getroffen

Nach dem Aus für die Kreissporthalle als Flüchtlingsunterkunft besichtigt das Landratsamt alle Gebäude und Flächen, die als Alternative infrage kommen. Auch die Grüne Au in Ebingen. Das sorgt für Gerüchte in der Stadt.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Die ehemalige Gaststätte Grüne Au in Ebingen könnte als Flüchtlingsunterkunft dienen. Zumindest wurde sie vom Landratsamt besichtigt. Allerdings hat dieses noch keine Entscheidung gefällt.⇥

    Die ehemalige Gaststätte Grüne Au in Ebingen könnte als Flüchtlingsunterkunft dienen. Zumindest wurde sie vom Landratsamt besichtigt. Allerdings hat dieses noch keine Entscheidung gefällt.⇥

    Vera Bender
  • Einige Anlieger rund um die Grüne Au demonstrieren bereits mit Banner gegen eine mögliche Flüchtlingsunterkunft.

    Einige Anlieger rund um die Grüne Au demonstrieren bereits mit Banner gegen eine mögliche Flüchtlingsunterkunft.

    Vera Bender
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Es ist noch keine Entscheidung getroffen, betonen das Landratsamt in Balingen und die Stadt Albstadt. Allerdings stehen mehrere Gebäude und Flächen für eine mögliche Flüchtlingsunterkunft zur Diskussion und das im gesamten Stadtgebiet Albstadts. Das Landratsamt führe diesbezüglich Gespräche mit Eigentümer. „Jegliche Immobilie, die infrage kommt, wird angeschaut“, erklärt Mona Lehmann, persönliche Referentin des Oberbürgermeisters Roland Tralmers.

Landratsamt wird Sporthalle doch nicht als Unterkunft nutzen

Ihn erreichen mittlerweile täglich Anschriften und Anrufe von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die beispielsweise eine Unterkunft in der ehemaligen Gaststätte Grüne Au oder ein Zelt- beziehungsweise Containerdorf auf dem Thalia-Parkplatz in Tailfingen befürchten. Die dortigen Anlieger werden derzeit mit Flyern und Bannern von Gegnern der Unterkunft beeinflusst.

Marco Stumpp, der Burladinger, der die Sonntagsspaziergänge während der Corona-Pandemie angemeldet und organisiert hat, ist jetzt auch für die Demonstrationen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Kreissporthalle und auf dem Thalia-Parkplatz verantwortlich. In den sozialen Medien schreibt er: „Die Verlagerung von der Kreissporthalle auf den Parkplatz Thalia Theater ist keine Lösung. Wieder ist eine Schule in der Nähe.“ Am 5. November organisierte er eine Demonstration in Ebingen, für kommenden Sonntag sei eine weitere Demonstration angemeldet. Dieses Mal in Tailfingen. Die genaue Route werde noch besprochen, sagt wiederum Lehmann.

Keine Bürgerversammlung angemeldet

Allerdings kursierte das Gerücht, dass für Dienstagabend eine Bürgerversammlung einiger Anlieger der Grünen Au geplant gewesen und diese von der Stadt verboten worden sei. „Für Dienstagabend war nichts angemeldet. Dementsprechend haben wir auch nichts verboten“, erklärt Lehmann. Ähnlich wie die Demonstrationen hätte die Stadt auch eine Versammlung unter Einbezug der rechtlichen Vorgaben genehmigt. Allerdings war eine Gruppe von Anliegern am Abend zu einem persönlichen Gespräch mit Oberbürgermeister Tralmer eingeladen worden.

Derartige Gespräche seien derzeit Standard für den Oberbürgermeister, sagt seine Referentin. Die Gerüchteküche brodelt. Aus allen Nachbarschaften erreichen ihn täglich Anfragen besorgter Bürger. „Wir nehmen jede Bürgeranfrage ernst“, betont Lehmann. Allerdings, betonen Stadt und Landratsamt unisono, sei bisher noch keine Entscheidung getroffen worden. Diese obliegt nämlich dem Landratsamt. „Wir suchen letztlich gemeinsam mit der Stadt nach geeigneten Standorten“, fügt Landratsamtsprecher Steffen Maier hinzu. Bis wann eine solche Entscheidung gefällt werden sollte, steht nicht fest.

Das kritisiert jedoch so manch ein Anlieger. Ein 70-jähriger Mann, der nahe der ehemaligen Gaststätte Grüne Au wohnt, teilt der SÜDWEST PRESSE mit, dass er befürchtet, es werde so lange Stillschweigen bewahrt, bis man die Bürgerinnen und Bürger vor vollendete Tatsachen stellt. Nachdem, was er an der Grünen Au gesehen haben will, ist er überzeugt, dass die Gaststätte als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Fast fünf Jahre steht das Gebäude leer und so lange sei nichts dort gemacht worden. Jetzt aber hätten Arbeiten am Garten stattgefunden, so der Anlieger, der anonym bleiben möchte.

„Ich habe Angst“

„Ich erachte es als sehr gefährlich, wenn hier eine Flüchtlingsunterkunft herkommt. Ich habe Angst vor Diebstahl, Einbruch und Belästigung meiner Frau.“ Zudem befürchtet er einen Wertverlust seines Hauses. An der Unterschriftenliste, die derzeit gesammelt wird, habe er daher selbstverständlich teilgenommen.

Von Stadt und Landratsamt wünscht er sich mehr Informationen und hofft, dass in seiner Nachbarschaft keine Flüchtlingsunterkunft entsteht. Diese Meinung scheinen weitere Anlieger zu teilen. An Zäunen hängen Banner mit den Aufschriften „Schütz unsere Kinder“ und „Lasst uns in Frieden leben“.

Gegenkundgebung „Initiative gegen Rechts Albstadt“

„Zeig Flagge gegen Rechtsruck in Albstadt“ titelt eine Ankündigung zu einer Gegenkundgebung am Sonntag, 12. November, 14 Uhr am Thalia-Theater in Tailfingen. „Aktuell wird debattiert, ob Flüchtlinge in einem Containerdorf neben dem Thalia-Theater vorläufig aufgenommen werden sollen. Dazu haben bekannte Rechtsradikale zur Demo aufgerufen“, so die Ankündigung der Initiative weiter. „Lasst uns zusammenstehen, für eine offene und vielfältige Gesellschaft.“ Alle werden eingeladen, zu zeigen, dass Albstadt nicht den Weg des Hasses, sondern der Solidarität wählen.