Flüchtlingsunterbringung in Albstadt
: Grüne Au und Schillerstraße werden zur Unterkunft

In den nächsten Wochen soll der Mietvertrag für die ehemalige Gaststätte in Ebingen unterschrieben werden. Ab Februar sollen dann etwa 50 Personen darin untergebracht werden.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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Die ehemalige Gaststätte Grüne Au in Ebingen wird ab Februar als Flüchtlingsunterkunft dienen. In den kommenden Wochen soll der Mietvertrag unterschrieben werden.

Vera Bender

Erst etwa eine Woche ist es her, da verkündete die Landkreisverwaltung, auf dem Parkplatz des Thalia Theaters in Tailfingen Wohncontainer für Geflüchtete aufzustellen. Maximal 100 Personen können dort untergebracht werden (wir berichteten). Das wird nicht ausreichen, so die Prognosen. Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass allein im ersten Halbjahr 2024 um die 500 weitere Menschen Schutz im Kreis suchen respektive zugewiesen werden. Deswegen sucht sie weiterhin nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Zwei davon sind die ehemalige Gaststätte Grüne Au und ein Gebäude in der Schillerstraße in Ebingen. Dort habe das Landratsamt mehrere Wohnungen innerhalb einer Immobilie angemietet, um etwa 24 Geflüchtete unterzubringen.

Das Landratsamt stellt Container auf dem Thalia-Parkplatz auf

Um die Belegung der Kreissporthalle in Albstadt weiterhin zu vermeiden, prüfe das Landratsamt Zollernalbkreis derzeit an mehreren Standorten im gesamten Kreisgebiet „die Anmietung von Bestandsimmobilien und die Aufstellung von Containern für die Flüchtlingsunterbringung“, teilt Pressesprecher Steffen Maier mit. Eines dieser Objekte ist die Grüne Au. Dort soll Wohnraum für die vorläufige Unterbringung des Landkreises geschaffen werden. „Sobald ein Mietvertrag unterzeichnet ist, informiert das Landratsamt darüber.“

In der Hartmannstraße 176 könnten 40 bis 50 Personen untergebracht werden. „Geplant ist, das Gebäude ab Februar 2024 für drei Jahre für die Unterbringung von geflüchteten Menschen zu nutzen. Zu deren Herkunft können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, dies hängt von den Zuweisungen durch das Regierungspräsidium Karlsruhe ab“, fügt Maier hinzu. Wann genau der Mietvertrag unterschrieben wird, steht noch nicht fest. Doch laut Maier sei die Unterzeichnung in den nächsten Wochen vorgesehen.

Befristete Nutzung für etwa drei Jahre

Dann werden erst die Arbeiten an der ehemaligen Gaststätte stattfinden können. Da es sich um eine befristete Nutzung handeln soll, geht das Landratsamt von geringen Umbaumaßnahmen und dementsprechend niedrigen Kosten aus. Einen genauen Betrag gebe es allerdings noch nicht.

Die Anlieger, die seit Wochen eine solche Belegung befürchten, trifft diese Entscheidung schwer. Seit Wochen hängen an Zäunen Protestplakate mit den Aufschriften „Schütz unsere Kinder“ und „Lasst uns in Frieden leben“. Oberbürgermeister Roland Tralmer erreichen täglich Anschriften und Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger. Immer häufiger lädt er kleinere Gruppen zu Gesprächen ein, muss jedoch immer wieder mitteilen, dass diese Immobilien vom Landratsamt als Unterkunft geprüft werden, nicht von der Stadt. Der gesamte Landkreis ist zudem verpflichtet, für die Unterbringung von Flüchtlingen zu sorgen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt einer der Anlieger der Grünen Au, dass er sich um die Gemeinschaft in der Nachbarschaft sorge. Man verstehe sich gut. Es leben zahlreiche Familien in der Gegend und er fürchte sich vor Diebstahl, Einbruch und Belästigungen.

Wie die Stadt mitteilt, hat der Burladinger Marco Stumpp erneut eine Sonntagsdemonstration für den 3. Dezember angemeldet. Die Genehmigung steht derzeit noch aus. „Voraussichtlich wird die Demonstration genehmigt werden, aktuell laufen noch die konkreten Absprachen zur Route und einer geeigneten Örtlichkeit für die anschließende Kundgebung“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Aller Voraussicht nach wird die Demonstration in der Nähe der Grünen Au stattfinden.

Proteste der Anlieger

„Bei jedem Projekt gibt es Bedenken, die wir ernst nehmen, aber aufgrund der bisherigen Erfahrungen im Zollernalbkreis (beispielsweise Beckstraße in Balingen) meist entkräften können“, sagt Maier zu den Protesten. „Wir können leider nicht über das ‚Ob‘ der Flüchtlingsunterbringung sprechen, sondern versuchen, das ‚Wie‘ für alle Beteiligten so verträglich wie möglich zu gestalten.“ Es habe bereits Anfragen und Anrufe von Nachbarn gegeben, die alle beantwortet wurden, so der Pressesprecher weiter. Wenn das Vorhaben konkret wird, sei ein Bürgerdialog geplant.

Sicherheitskonzepte bei den jeweiligen Standorten sind immer wieder ein Thema, das für Aufregung, aber gleichzeitig auch für Beruhigung bei den Anliegern sorgen kann. Hier kann das Landratsamt derzeit nichts Näheres mitteilen. Es sei ein Konzept geplant, das mit Unterzeichnung des Mietvertrags im engen Austausch mit der Stadt Albstadt konkretisiert und auch mit den Anwohnern besprochen werde.

Wo sind weitere Unterkünfte geplant?

Das Landratsamt Zollernalbkreis prüft derzeit an mehreren Standorten im gesamten Kreisgebiet die Anmietung von Bestandsimmobilien und die Aufstellung von Containern für die Flüchtlingsunterbringung. Konkretisiert haben sich zuletzt Containerstandorte in Albstadt-Tailfingen (Thalia) sowie in Burladingen (Trigema) und gemeinsam mit der Stadt Hechingen in Hechingen (Zentrum am Fürstengarten); dazu kommt im Bereich der Bestandsimmobilien das Lamm in Burladingen-Killer. In den nächsten Tagen belegt werden außerdem eine Immobilie in der Schillerstraße in Ebingen mit maximal 24 Plätzen sowie in Winterlingen, wo acht Plätze verfügbar sind.