Neues Jahr, neues Glück. Alle Jahre wieder dient der 1. Januar als Startpunkt zahlreicher Vorsätze. Ob mit dem Rauchen aufzuhören, die Ernährung umzustellen oder einfach gelassener zu werden. Ganz vorne mit dabei ist immer auch ein Dauerbrenner: Der Sport. Selbst den größten Sportmuffel treibt es ab Neujahr zu Geräten und Kursen in die Muckibude. Zumindest für eine gewisse Zeit. „Der Januar ist ein Vorsatzmonat. Die Woche nach Dreikönig ist erfahrungsgemäß bei den Neuanmeldungen die stärkste im ganzen Jahr“, sagt Michael Maute, Geschäftsführer des Studios „Bestform Fitness“ in Albstadt. Entsprechend gut verlief der Jahresstart für ihn und sein Team. „Die Entwicklungen sind vergleichbar mit vor Corona.“

Mit neuem Abomodell Mitgliederschwund verhindert

Neujahr sei dabei aber nur ein Faktor für die guten Zahlen. Ein weiterer entscheidender Punkt sei die Umstrukturierung des Abomodells im vergangenen Herbst gewesen, sagt Maute: „Wir haben gemerkt, dass sich die Menschen durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise schwertun, sich langfristig zu binden.“ Deshalb gibt es bei „Bestform Fitness“ nun monatlich kündbare und individuell anpassbare Mitgliedschaften, statt langfristige Abos. Außerdem für Neukunden interessant: Zwei Wochen lang können sie gratis trainieren und danach entscheiden, ob sie einen Vertrag abschließen oder nicht. So konnte das Albstädter Studio einem Mitgliederschwund entgegenwirken.
Zahlreiche andere Fitnessstudios und Personal Coaches haben seit Beginn der Coronapandemie genau damit zu kämpfen. Neben fehlender Mitglieder sind es höhere Kosten, die ausgeglichen werden müssen. Die Folge: höhere Mitgliedsbeiträge – inzwischen auch bei Billiganbietern. Auch Denise Bernard konnte im neuen Jahr bisher noch keinen Anstieg an Klienten und Neuanmeldungen erkennen. Sie ist im Zollernalbkreis Personal Trainerin, gibt seit 2019 Kurse für Einzelpersonen und Kleingruppen. „Ich glaube, dass es die erste Woche noch braucht, um sich zu setzen“, sagt die 36-Jährige. Neue Anfragen hätte sie zwar schon, das habe allerdings nichts mit Neujahr zu tun. Vielmehr finden die Leute nach Corona Stück für Stück wieder zurück zu Sport und Bewegung – wenn auch langsam. „Durch die Pandemie sind es weniger Klienten geworden. Das höre ich auch von Kollegen“, sagt die Trainerin. Ungefähr die Hälfte aller Kunden sei weggebrochen. „Und jetzt haben wir das Problem, die Leute zurückzubekommen“, sagt sie weiter.

Trotz gutem Start ins Jahr: Coronasorge bleibt

Auch Markus Beuter, der seit 30 Jahren in Hechingen das kleine Fitnessstudio Fitline betreibt, kämpft mit einer sinkenden Mitgliedszahl. Der Start ins neue Jahr sei zwar gut verlaufen, „das, was Corona kaputt gemacht hat, ist aber nicht mehr aufzuholen.“ Viele Kunden hätten auch im vergangenen Jahr noch Sorge gehabt, im Fitnessstudio zu trainieren. Kontaktbeschränkungen hätten das Sporttreiben darüber hinaus erschwert. Entsprechend blieb der Neujahrseffekt in den vergangenen Jahren aus.
Erfolgreich ins neue Jahr gestartet ist dagegen die Fitnessstudiokette Injoy in Balingen. „Bei uns hat es aber damit zu tun, dass wir vor Weihnachten Zehnerkarten verschenkt haben“, sagt Andrea Kosheski aus der Studio-Verwaltung. Diese seien entweder weiter verschenkt oder von bereits bestehenden Kunden eingesetzt worden. Bis Ende Februar können diese Karten genutzt werden, etwas weniger als die Hälfte schließe erfahrungsgemäß dann ein Injoy-Abo ab, sagt Kosheski. 2022 war das Studio durch Corona noch verhalten ins neue Jahr gestartet, nachdem es 2021 ganz geschlossen hatte. „Da wussten viele Leute nicht, was nun durch die Coronamaßnahmen geht.“ In diesem Jahr sei der positive Januar-Effekt wieder zurück. Besonders gefragt bei den Mitgliedern: Das Gerätetraining. „Unsere Kurse sind durch den erhöhten Andrang nicht voller.“

Neumitglieder zu Anstrengung überreden

Einmal angefangen heißt es für Sportneulinge dann dranzubleiben. Denn nicht alle schaffen es auch langfristig aktiv zu bleiben. Dabei sei Sport nicht nur für den Körper gut, auch der Kopf werde bei einer intensiven Sporteinheit gereinigt, sagt Personal Trainerin Denise Bernard. „Gefragt sind vor allem Kurse mit sanftem Krafttraining und Cardio. Hauptsache man schwitzt nicht zu viel. Zu mehr Anstrengung muss man die Leute erst überreden.“ Erst später merken sie, wie gut ihnen ein intensiveres Training tut. Trotzdem schaffen es viele Menschen nicht, langfristig am Ball zu bleiben. Bereits nach wenigen Tagen oder Wochen fallen sie in alte Muster zurück. Bernard kennt die Problematik: „Ich sage meinen Kursteilnehmern immer, dass sie sich keine Ausreden suchen und dafür Etappenziele setzen und sich belohnen sollen.“ Wichtig sei, den Sport als Zeit für sich und als festen Termin zu sehen.

Jeder vierte Haushalt mit Fitnessgerät

Während viele Fitnessstudios durch die Coronapandemie mit Einschränkungen und einem Schwund an Mitgliedern zu kämpfen haben, stieg der Anteil an Fitnessgeräten in privaten Haushalten deutlich. Laut dem Statistischem Bundesamt gab es zum Jahresanfang 2022 12,5 Millionen Rudergeräte, Stepper, Speedbikes oder Laufbänder in 10,4 Millionen privaten Haushalten. Umgerechnet waren das 27,2 Prozent aller Haushalte.
Im Vergleich zum Jahr 2017 war das eine leichte Steigerung: Der Anteil betrug damals 25,3 Prozent. Die Zunahme ist auch auf die Pandemie zurückzuführen. Viele Menschen legten sich in der Zeit Sportgeräte für zuhause zu.